Thema S-Bahn einmal mehr im Fokus
Sachliche Information, emotionale Debatte: Beim Infoabend zum Thema S-Bahn Vordernbergertal im Trofaiacher Stadtsaal waren Anteilnahme und Interesse der Bevölkerung hoch.

Foto © APA/Sujet
Wann kommt die S-Bahn ins Vordernbergertal?" Diese Frage konnte freilich bei dem Informationsabend im Trofaiacher Stadtsaal nicht geklärt werden, zu der Grüne, KPÖ und Verein Fahrgast geladen hatten. Was deutlich wurde, ist, dass das Thema die Bewohner der Region nicht kalt lässt: "Ich bin die erste, die im Zug drinnen sitzt, wenn er wieder fährt. Da verzichte ich gerne darauf, mit dem Autobus bis direkt vor die Haustüre zu fahren", meinte eine Dame. Ein Mann ergänzt: "Wenn wir noch lange warten, brauchen wir uns keine Gedanken mehr zu machen, ob es eine S-Bahn geben soll oder nicht. Dann ist die Substanz der Strecke kaputt."
Verein Fahrgast. Vor allem der Verein Fahrgast machte sich stark für die Anbindung von Trofaiach und des Vordernbergertals an das S-Bahnnetz. Politischer Rückenwind auf kommunaler Ebene von verschiedenen Seiten unterstützte die Vision, die Bahnstrecke wieder für den Personenverkehr zu nützen. Signale, die von Verkehrslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder gehört wurden. Es folgten eine Machbarkeitsstudie, Expertenrunden und Workshops. "Aufgrund der Studie und des Potenzials schlage ich als Verkehrsreferentin einen ersten Schritt vor. Dieser heißt Verdichtung der Stammstrecke zwischen Kapfenberg und Leoben. Und das heißt auch, dass das S-Bahnnetz nicht in Bruck, sondern in Leoben enden wird", meinte Edlinger-Ploder nach der jüngsten Expertenrunde. Als zweiten Schritt schlug sie eine Attraktivierung des Busverkehrs für das Vordernbergertal im 15-Minuten-Takt vor, deren Umsetzung kurz- bis mittelfristig möglich sei.
Personenbeförderung. Eine Variante, mit der sich Grüne, KPÖ und Verein Fahrgast nicht zufrieden geben wollen: "Es geht hier nicht um Personenbeförderung allein. Die Bahn wirkt sich positiv auf den Standort aus und belebt die Wirtschaft. Außerdem ist sie nachhaltig relevant für die Umwelt und hat positives Potenzial, was den Tourismus und den sozialen Sektor betrifft", führte Karl Rinnhofer vom Verein Fahrgast aus. Es sei schade, die intakte und voll elektrifizierte Eisenbahntrasse nicht zu nützen: "Es droht uns, dass die Variante S-Bahn vorschnell aus dem Verkehr gezogen wird", so Rinnhofer, der Edlinger-Ploder für ihre Professionalität im Umgang mit dem regionalen Anliegen lobt: "Das garantiert, dass eine Lösung gefunden wird, die für alle zufrieden stellend ist."
Grundsatzfrage. Lambert Schönleitner, Landtagsabgeordneter der Grünen, deklariert das Thema zur Grundsatzfrage: "Kein Mensch schreit auf, wenn um viel Geld Straßen ausgebaut werden. Man soll nicht das Gesamtprojekt S-Bahn für das Vordernbergertal abstechen, nur weil klarerweise die Fahrgastfrequenz zwischen Trofaiach und Vordernberg geringer ist als zwischen Trofaiach und Leoben. Man muss das Gesamtkonzept sehen", so Schönleitner. Er plädiert für ein starkes, geeintes Auftreten über die Parteigrenzen hinweg: "Nur so können wir etwas bewegen." Auch Werner Murgg, KP-Landtagsabgeordneter, stößt ins selbe Horn: "Wenn wir uns jetzt nicht auf die Hinterbeine stellen, ist der Zug im wahrsten Sinn des Wortes abgefahren. Jetzt, wo mit dem nächsten Fahrplanwechsel die S-Bahn bis zur Fachhochschule Kapfenberg und bis Leoben fahren wird, haben wir die Chance", so Murgg.
Kostenfrage. Skeptisch zeigte sich Erich Prattes, Landtagsabgeordneter der SPÖ - auch angesichts der Kostenschätzungen von Verkehrsexperten Markus Frewein: "Ich bin so lange nicht dafür, bis ich weiß, was es für die einzelnen Gemeinden kostet. Ja zur S-Bahn, wenn wir es uns leisten können." Eines könne er mit Sicherheit sagen: "Die Stadt Leoben wird sich das nicht leisten können." Dass Investitionen notwendig seien und der laufende Betrieb sich nicht rechnen könne, darüber waren sich alle einig: Man müsse tiefer in die Schatulle greifen und Prioritäten setzen, so Schönleitner und Murgg. Und Rinnhofer setzt Hoffnungen in einen weiteren Workshop mit Experten und der Landesrätin: "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen."







