Wenn das Atmen ohne Hilfe nicht mehr geht
In Eisenerz gibt es die einzige Station für Langzeitbeatmungspatienten. Also Menschen, die aus eigener Kraft nicht mehr atmen können. Die Gründe dafür sind vielfältig. Wir haben nachgefragt.

Foto © AP/Sujet
Ein junger Mann, gerade einmal Anfang zwanzig. Mitten im Leben sozusagen. Allerdings in einem Leben, das er und auch seine Familie sich nicht für ihn vorgestellt haben. Anton (Name von der Redaktion geändert) ist Patient am LKH Eisenerz, genauer gesagt auf der Station für Langzeitbeatmungspatienten. "Das sind Menschen, die aus eigener Kraft nicht atmen können", erklärt Martin Flicker, Chef der Lungenabteilung am LKH Leoben/Eisenerz. Ein Autounfall hat Schuld an Antons Zustand. Damals war er 18 Jahre alt. "Er war schwer verletzt, wurde reanimiert, hat schwere Hirnschäden. Seitdem ist er im Wachkoma", erzählt Flicker. Antons Augen sind offen, schauen vermeintlich nach, wenn man sich bewegt. "So, Anton, ein bisserl bleiben wir noch sitzen" - Schwester Auguste Spanner und Physiotherapeutin Petra Trummer kümmern sich um ihren jungen Patienten.
Und auch Antons Familie und Freunde sind für ihn da. "Wir schauen, dass wir zwei Mal in der Woche von Graz nach Eisenerz fahren, wobei es im Winter oft sehr schwierig ist, weil der Präbichl eine Barriere ist. Leider ist es nicht möglich, unserem Sohn in Graz eine solche Pflege zu ermöglichen", erzählt die Mutter des jungen Mannes, die diesen Schicksalsschlag durch ihren Glauben bewältigt. Sie sei dennoch froh, dass ihr Sohn in Eisenerz sei. "Er wird dort so ausgezeichnet versorgt, mit so großer Herzlichkeit und Menschenwürde betreut. Das ist für uns sehr beruhigend", sagt sie erleichtert.
Verschönerung
Auf dem Gang sind die Maler unterwegs. "Wir verschönern derzeit gerade unsere Zimmer für Langzeitbeatmungspatienten. Insgesamt werden so um die 100.000 Euro einschließlich der Medizintechnik investiert", berichtet Flicker, der hofft, statt sechs Patienten bald zwölf versorgen zu können. "Das ist aber eine Entscheidung, die die Kages treffen muss", sagt er überzeugt.
Antons Zimmerkollegin, eine 73-jährige Kapfenbergerin - kann sprechen, nach monatelanger Stummheit - endlich wieder. Mitten im Hals hat sie ein Röhrchen. Das dient der künstlichen Beatmung. Allerdings kann sie schon stundenweise selbständig atmen. Eine Wohltat. "Ich hab dich soooo lieb", ist auf einer Zeichnung mit Foto ihrer Urenkelin zu lesen. Und auch der Urenkel hat sich verewigt. Im Krankenhaus sei sie gestürzt, drei Monate auf der Intensivstation folgten, danach Eisenerz. "Es wird besser", sagt sie mit rauher Stimme.
"Für uns ist es wichtig, unsere Patienten von den Maschinen zu entwöhnen, ihnen so wieder Freiräume zu ermöglichen. Das ist unser Konzept. Manchmal gelingt es, Patienten, wo es kaum Hoffnung gibt, von den Maschinen wegzubekommen. Man kann sagen, es gibt Wunder oder auch, wir sind gut", sagt Flicker schmunzelnd und nickt Oberschwester Johanna Weissensteiner zu. Die beiden sind seit vielen Jahren ein eingespieltes Team.
Auf ständiges Beatmen ist auch ein 60-jähriger Trofaiacher angewiesen. Eine Muskelerkrankung macht ihm das Atmen immer schwerer. Seit vier Jahren ist es in Eisenerz. Und er hat einen Wunsch: "Ich würde gerne einmal mit dem Auto durch die Gegend fahren", sagt er leise.









