Golfplatz in Trofaiach ist Geschichte
Das Aus für den geplanten Golfplatz am Mellplateau in Trofaiach/ Hafning kam schneller als erwartet. Die Bevölkerung zeigte Zähne.

Foto © GEPA/Sujet
Knalleffekt in der Causa Golfplatz am Mellplateau in Trofaiach/Hafning. Mittwochvormittag, also etwa zwölf Stunden nach der Bürgerversammlung, in der das Golfplatzprojekt von Investor Johannes Schweiger das erste Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurde, traf Trofaiachs Bürgermeister August Wagner gemeinsam mit seiner SP-Fraktion eine wichtige Entscheidung; demnach will er in der nächsten Gemeinderatssitzung allen anderen Fraktionen mitteilen, dass die SPÖ - die die Zwei-Drittelmehrheit innehat - nicht die Umwidmung des Flächenwidmungsplanes einleiten wird. "Damit ist der Fall erledigt. Das ist ein Rückschluss aus Wahrnehmungen, Gehörtem und Erlebtem", erklärt der Bürgermeister.
Bedenken. Die Grundlage für diese unerwartet rasche Entscheidung war wohl der Verlauf der Bürgerversammlung, zu der etwa 450 Interessierte gekommen sind, und in der vor allem Anrainer ihren Bedenken, Ängsten und Sorgen freien Lauf ließen. Etwa, was eine Belastung durch höheres Verkehrsaufkommen und dem damit verbundenen Lärm betrifft. Wie überhaupt die Zufahrts- und Abfahrtsmöglichkeiten zum Mell-Plateau im Mittelpunkt des Interesses der Betroffenen standen.
Ein Dorn im Auge. Die phasenweise sehr emotional geführte Diskussion machte aber auch deutlich, dass vielen Trofaiachern und Hafningern ein Golfplatz am Mell-Plateau überhaupt ein Dorn im Auge ist. So meinte etwa Karl Russheim, ehemaliger KP-Gemeinderat: "Was hat die Masse der Trofaiacher und Hafninger Bevölkerung von einem Golfplatz?" Den Erklärungen von Schweiger, dass das Mell-Plateau trotz Golfplatz Naherholungsgebiet für die Bevölkerung bleiben werde und es weiterhin Möglichkeiten zum Spazierengehen gebe, schenkten die Anwesenden kaum Glauben.
Kontroverse. Anita Mikesch, eine der Inhaberinnen des Golfklubs Reiting in der benachbarten Gemeinde Gai, widersprach: "Golf und Spaziergeher sind nicht unter einen Hut zu bekommen. Es gibt keinen Golfer, der über einen Spaziergeher erfreut ist." Und ein direkt betroffener Anrainer: "Alle Golfer können nicht gut spielen. Ich habe aber nicht vor, künftig mit einem Sturzhelm durch meinen Garten zu gehen. Und Zaun brauchen sie mir aber auch keinen aufstellen."
Befruchtend. Viele der Anwesenden stellten Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit eines zweiten Golfplatzes in der Region in Frage. Dem hielt Schweiger entgegen, dass ein zweiter Platz befruchtend wirke und mehr Golfer in die Region bringen würde, da man zwei Plätze bespielen könnte.
"Unmoralisches" Angebot. Golfplatzbetreiberin Mikesch fing diesen Ball auf und machte öffentlich ein beinahe "unmoralisches" Angebot: "Warum will man einen zweiten Golfplatz in der Region, wenn schon für einen die Klientel eher zu knapp ist? Ich möchte meinen Golfplatz Josi Schweiger und der Gemeinde anbieten. Der Golfplatz steht zum Kauf frei."
Projekt. Die Bürgerversammlung, die knapp drei Stunden dauerte, und aus der klar hervorging, dass ein Golfplatz am Mellplateau nur Golfer, nicht aber die Bevölkerung generell anspricht, beendete Franz Fuchslueger, Trofaiacher Baumeister und Gegner, mit den Worten: "Die Bevölkerung von Trofaiach steht nicht hinter diesem Projekt. Ich bitte alle, die nicht mit diesem Projekt einverstanden sind, aufzustehen und den Saal zu verlassen." Gesagt, getan.
Keine Umwidmung. Weder der Investor noch die beiden Bürgermeister August Wagner (Trofaiach) und Peter Gruber (Hafning) fanden Gelegenheit für ein Schlusswort. Dieses sprachen die beiden Bürgermeister am Mittwoch - keine Umwidmung des Flächenwidmungsplanes, daher kein Golfplatz.
Keine offizielle Mitteilung. Und Johannes Schweiger: "Ich habe noch keine offizielle Mitteilung. Sollte es aber so sein, werde ich die Entscheidung respektieren."








