Aufstand gegen die Bauernspitze
Im Hinterzimmer eines obersteirischen Gasthauses hat sich der "Unabhängige Bauernverband" konstituiert. Die "Rebellen" aus der Bauernschaft wollen in der Agrarpolitik mitreden.

Foto © APASujet
Der strömende Regen passte zur Stimmung vieler Bauern. Rund 25 fest entschlossene Frauen und Männer gaben Mittwochabend im Hinterzimmer des Gasthauses Eberhard in St. Michael das Startsignal zu einem Prozess, der den Unmut vieler Landwirte kanalisieren soll. Die Kleine Zeitung war beim Auftakt der geheimen Sitzung exklusiv dabei. Das Ergebnis des Treffens ist nicht weniger als ein handfester Aufstand gegen den Bauernbund der ÖVP, der die agrarische Szene ziemlich flächendeckend beherrscht. Die Gruppe vereint mit einem wahrscheinlich großen Teil der Landwirte ein Gefühl der Unzufriedenheit: Die Einkommen der meisten Bauern sind im Keller, die schwarzen Agrarfunktionäre gelten als zu wenig kämpferisch, und viele halten die Verteilung der öffentlichen Förderungen für ungerecht.
Gründungsakt
Das Ergebnis der nächtlichen Gespräche war die Gründung des "Unabhängigen Bauernverbandes, Landesverband Steiermark". Die Abkürzung lautet UBV. Erster Obmann ist der Donnersbacher Bergbauer Johann Ilsinger, einer seiner Stellvertreter Herbert Kammerhofer aus Aflenz. "Wir haben uns gegründet", sagte Ilsinger am Donnerstag zur Kleinen Zeitung. Der Verband will bei den Wahlen der steirischen Landwirtschaftskammer im Jänner 2011 antreten und die ÖVP-Dominanz dort entscheidend verkleinern.
In Oberösterreich 2009 und in Salzburg heuer ist das schon relativ gut gelungen. In den dortigen Bauernkammern schrumpfte der Anteil des Bauernbundes von rund 80 auf rund 70 Prozent. Der UBV erreichte in Oberösterreich auf Anhieb 8,6 und in Salzburg sogar 21,1 Prozent. Paten des steirischen "Aufstands" in St. Michael waren deshalb der Salzburger Georg Eßl, der dem dortigen Bauernbund den beträchtlichen UVB-Erfolg abgetrotzt hatte, und der Oberösterreicher Leo Steinbichler, ein einschlägiger "Rebell", der für die ÖVP schon einmal im Bundesrat gesessen ist. Eßl schilderte den Steirern, worauf sie sich da einlassen würden. Bei ihm würden die Schwarzen in der Bauernkammer die neue Opposition oft mit demokratiepolitisch fragwürdigen Methoden behandeln.
ÖVP als politische Heimat
Die Opposition gegen den Bauernbund ist das gemeinsame Band, das diese Landwirte vereint, obwohl viele selbst Bauernbündler sind. Islinger etwa sieht die ÖVP weiterhin als seine "politische Heimat", aber die "Zustände" im Bauernbund empfindet er als eine "Zwangsjacke". Auch Kammerhofer will einen "Gegenpol zum Bauernbund" aufbauen. Georg Maier aus Irdning ortet bei den Bauern eine "enorme Unzufriedenheit", und die Birkfelderin Erna Feldhofer, steirische Anführerin der kämpferischen Milchbauern, die sich zur IG-Milch zusammenschlossen, sieht das ohnehin so. Einer der Sitzungsteilnehmer glaubt, dass die neue Gruppe dann Erfolg haben könne, wenn sie wie eine Bauerngewerkschaft agiert.
Im Bauernbund sieht man die neue Opposition mit gemischten Gefühlen. Angesichts der Mehrheit von 81 Prozent, welche Kammerpräsident Gerhard Wlodkowski vor fünf Jahren erreicht hatte, sind die Befürchtungen allerdings eher relativ.








