Gestrandet in St. Michael
Sechs bulgarische Erntehelfer leben seit Tagen in einem Auto bei der Mautstelle Gleinalmtunnel und warten auf Abholung.
Eine besorgte Anruferin schilderte der Kleinen Zeitung, dass bei der Mautstelle St. Michael seit Samstag ein ausrangiertes Auto stehe, in dem Tag und Nacht ausländische Insassen leben. "Das ist menschenunwürdig, gibt es keine Möglichkeit der Unterbringung und Verpflegung für diese Leute?", fragt die Anruferin, deren Mutter den Männern Obst brachte.
Wir erkundigten uns bei der Autobahnpolizei Gleinalm, was es mit diesem Auto und den Insassen auf sich habe. Das Auto habe man Samstag der Vorwoche wegen grober technischer Mängel und Gefahr in Verzug aus dem Verkehr ziehen müssen. "Defekte Bremsen, kaputte Lenkung. Die Männer hatten in Italien einen Unfall und sind mit dem Auto weiter gefahren. Insgesamt haben wir zwölf Mängel festgestellt", so ein Beamter.
Bei den sechs Männern handle es sich um bulgarische Erntehelfer, die mit dem Auto eines Transportunternehmens in ihre Heimat wollten und nun in St. Michael gestrandet sind, wo sie auf Abholung warten. Ursprünglich war der defekte Wagen auf einem Firmengelände geparkt, wo auch die Männer bleiben hätten können, aber sie haben dennoch versucht, die Mautstelle St. Michael zu passieren. Daher habe die Autobahnpolizei aus Sicherheitsgründen eine Lenkradsperre angebracht. "Wir haben den Männern angeboten, sie zum Bahnhof zu bringen, damit sie mit dem Zug fahren können, aber das wollten sie nicht. Sie wollen unbedingt beim Auto bleiben", so der Beamte. Es hätte auch die Möglichkeit der Heimfahrt mit einem Bus gegeben, aber die Männer haben viel Gepäck, für das kein Platz im Bus gewesen sei. Die Erntehelfer können sich frei bewegen, haben Pässe, Geld, Telefon und auch Lebensmittel. Sie dürfen auch die Sanitäranlagen der Mautstelle benützen.
Josef Himsl, vom Roten Kreuz Leoben, war vor Ort, um zu sehen, ob sie Verpflegung oder Medikamente brauchen. "Wir haben Decken, Brot, Würstel und Getränke gebracht, mit Kaffee werden sie von Mitarbeitern der Asfinag versorgt. Die Männer sind in gutem Zustand und haben kein Problem", so Himsl.








