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Zuletzt aktualisiert: 19.03.2011 um 20:18 UhrKommentare

Durch 3000 Tonnen Gestein ins "Paradeis"

Das Kupferschaubergwerk "Paradeisstollen" in der Gemeinde Radmer wird von einer Handvoll Bergbau-Enthusiasten betrieben - freiwillig und ehrenamtlich. Ein Lokalaugenschein.

Ludwig Gottsbacher (l.) und Karlheinz Schober (M.) sind zwei der rührigen Geister im Paradeisstollen

Foto © BirnbaumLudwig Gottsbacher (l.) und Karlheinz Schober (M.) sind zwei der rührigen Geister im Paradeisstollen

Kinder fühlen sich auf dieser metallenen Schlange sehr wohl. Schließlich ist sie wie für sie geschaffen. Aber auch Erwachsene verfallen gerne wieder ins Kindesalter und finden, leicht Platz zu haben. Mit drei Kilometern pro Stunde schlängelt sich die kleinste Grubenbahn dieser Art hinein in das Kupferschaubergwerk Paradeisstollen in Hinterradmer, einem Ortsteil der Gemeinde Radmer im Norden des Bezirks Leoben. Vorbei an Felswänden, die von rostig-roten, nassen Linien und Flächen durchzogen sind. Dazwischen türkis leuchtende Linien - Kupfer und Malachit.

Von oben tropft Wasser, manchmal mehr, meistens weniger. Der handgeschlagene 450 Jahre alte Erbstollen, durch den die kleine Bahn fährt, ist eng. "Wenn jemand nicht in unsere XXXL-Jacken passt, wird es schwierig, dass er mit der Bahn in das Schaubergwerk einfahren kann. Aber dann nehmen wir eben den zweiten Tagausgang. Bei uns kommt jeder, der interessiert ist, in das Kupferschaubergwerk hinein", sagt Ludwig Gottsbacher, einer der rührigen Geister des Vereins "Schaubergwerk Radmer - Paradeisstollen".

Wahnsinn

Seit 1996 arbeiten die Vereinsmitglieder daran, die Kupferbergbaugeschichte des kleinen Ortes wiederzubeleben. Man kann es Wahnsinn nennen oder auch Enthusiasmus. "Bei 30.000 Arbeitsstunden haben wir vor einigen Jahren zu zählen aufgehört", sagt Gottsbacher lächelnd. Karlheinz Schober, einer seiner Kollegen, nickt zustimmend.

3000 Tonnen an Material haben die Männer in den vergangenen Jahren händisch aus ihrem Bergwerk herausgeholt. "Anfangs wollten wir nur schauen, wie weit wir kommen", beschreibt Gottsbacher. Kriechend haben sie sich vorwärts bewegt. "Wenn wir gewusst hätten, worauf wir uns da einlassen, hätten wir es vielleicht gelassen", bemerkt Gottsbacher augenzwinkernd.

Doch mit jedem freigelegten Meter mehr, stieg auch die Neugier. Und Gottsbacher hat gleich einen Spruch parat, der verrät, wie unterhaltsam Führungen sind: "Wir graben, weil wir was suchen. Wir wissen zwar nicht was, aber je schneller wir graben, desto schneller finden wir es." Das Graben wurde den Paradeisstollen-Liebhabern aber nicht immer leicht gemacht, denn sie mussten auch gegen unter Wasser stehende Stollen kämpfen. "Gestanden ist das Wasser, weil es sich durch loses Gestein gestaut hatte. Der Erbstollen ist Richtung abfallend geschlagen", erzählen die beiden Männer.

Mittlerweile ist die große Halle verlassen und in jedem Stollen, der durchwandert wird, gibt es einiges zu staunen. In einer Felsnische ist eine kleine Eisenblüte zu sehen - klein, zart und wunderschön. Und plötzlich stinkt es gewaltig nach faulen Eiern. "Das ist Schwefel. Wir haben hier Quellen, wo das Wasser so riecht", lacht Gottsbacher. Und er erfüllt seinen "Lehrauftrag": "In einer Quelle hat das Wasser einen Härtegrad von 121, bei 15 gilt Wasser als sehr hart", sagt er.

Unfinanzierbar

Hart war für den Verein auch die Nachwirkung des Grubenunglücks in Lassing. "Danach wurden wir aufgefordert, einen zweiten Tagausgang zu machen, oder das Schaubergwerk wird geschlossen", erzählt er. Kostenvoranschlag: 300.000 Euro. Unfinanzierbar. Dann legten die Männer "unter Aufsicht" selbst Hand an. Sprengmeister Wilhelm Bayer war in den eigenen Reihen. Und auch die Vermesser Erich und Erwin Salzer waren zur Stelle. Grundbesitzer Franz Hohenberg war "entgegenkommend". Und nach acht Monaten harter Arbeit gab es einen neuen 110 Meter langen Zugangsstollen, einen zweiten Tagausgang. Alles zu einem Preis von 2000 Euro. Die Arbeitsleistung der Frauen und Männer natürlich nicht gerechnet.

JOHANNA BIRNBAUM

VEREIN SCHAUBERGWERK RADMER -

Mitarbeiter im Schaubergwerk: Ludwig Gottsbacher, Irmgard Gottsbacher, Johann Wallner, Elisabeth Wallner, Franz Zauner, Marika Rinner, Wilhelm Bayer, Waltraud Zauner, Michael Pfatschbacher, Karlheinz Schober, Ernst Troppacher, Hubert Wendner, Michael Rinner, Klaus Reitbauer, Hans-Peter Gottsbacher, Erich und Erwin Salzer

Internetadresse: www.kupferschaubergwerk.at

Mail: info@kupferschaubergwerk.at

Telefon: 03635-20030 (Führungen ab zwei Personen nach telefonischer Anmeldung)

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