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Zuletzt aktualisiert: 18.08.2012 um 20:16 UhrKommentare

"Wenn es zu dick kommt, ist es nicht lustig"

Land- und Forstwirte sind es gewöhnt, mit den Launen der Natur zu leben. Heuer haben sie den Bauern arg mitgespielt. Kammerobmann Robert Hafellner spricht vom Bauern als klassisches Stehaufmännchen.

Herr Hafellner, als Bauernkammerobmann konnten Sie in den vergangenen Wochen nicht über zu wenig Arbeit klagen. Galt es doch, jede Menge Schadenserhebungen nach den vielen Unwettern durchzuführen. Wie schaut es im Bezirk Leoben im heurigen Sommer für die Land- und Forstwirtschaft aus?

ROBERT HAFELLNER: Begonnen hat eigentlich schon alles mit dem späten Frost am 18. Mai, davon wurde der Bezirk fast flächendeckend überrollt. Vor allem Ackerkulturen waren davon betroffen. Das Frühjahr war insgesamt zu trocken, was auch große Probleme mit sich gebracht hat, und dann die Unwetter mit Hagelschlag, die teilweise sehr massive Schäden verursacht haben.

Wo lagen die Unwetterzentren für die Landwirtschaft?

HAFELLNER: Im oberen Liesingtal, also in Wald am Schoberpass, Kalwang und Mautern, aber auch im Raum Trofaiach, Hafning, Vordernberg und Kraubath. Insgesamt sind zwischen 300 und 400 Hektar betroffen. Vor allem bei Getreide gibt es durch den permanenten Regen einen Qualitäts- und einen Mengenverlust. Der Mengenverlust liegt zwischen 40 und 50 Prozent. Schäden beim Mais sind überwiegend durch Versicherungen gedeckt, bei Getreide nicht. Ordentliche Schäden gibt es auch im Forst, aber der Holzpreis ist noch stabil. Die Schäden sind vor allem hinsichtlich der Aufarbeitung und wegen der Borkenkäfer ein Problem. Hinzu kommt noch eine Futtermittelknappheit, die weitere Folgen haben wird.

Welche Folgen sind das?

HAFELLNER: Manche Betriebe verkaufen schon vorzeitig Vieh. Vor allem nach dem Almabtrieb im Herbst wird vermutlich Vieh direkt verkauft werden. Die Preise werden unter Druck geraten. Wenig Futter heißt im Herbst beim Vieh immer Preisverfall.

Wie ist eigentlich die Stimmung bei den Land- und Forstwirten in diesem Sommer?

HAFELLNER: Die Bauern sind es gewohnt, mit den Unbillen der Natur umzugehen, aber wenn es zu dick kommt, ist es nicht lustig. Viele haben gute Hagelversicherungen, aber diese helfen eben nicht über die Qualitätseinbußen hinweg. Aber wir Bauern sind klassische Stehaufmännchen, und es funktioniert die Solidarität unter den Landwirten sehr gut. Das hat man beim Hochwasser in Kalwang und Mautern gesehen, wo sich sofort 30 freiwillige Helfer gefunden haben. Man hat nicht das Gefühl, dass man alleine da steht.

Die Bauern haben gegenwärtig auch mit den niedrigen Milchpreisen zu kämpfen. Wie geht man damit um?

HAFELLNER: Wir bekommen etwa 32 Cent pro Liter. Kostendeckend wäre er bei aber bei 40 Cent. Der Preis hängt vom Weltmarkt ab, es gibt keine geregelten Preise mehr. Milch ist auch ein saisonales Produkt. Im Frühjahr und Anfang Mai, wenn die frische Futterperiode beginnt, gibt es immer ein Überangebot. Hinzu kommt, dass man zum Beispiel bei der Speiseeiserzeugung statt Milch und Milchfetten überwiegend Pflanzenfett nimmt. Das kommt billiger. Und der Handel trägt seine Rangkämpfe auf den Rücken der Bauern aus. Das ist eine bittere Pille. Wir hier, in Österreich, haben eine unheimlich starke Handels- und eine schwache Produktionsstruktur. In Norddeutschland beispielsweise gibt es keine so große Dichte der Handelsketten wie bei uns.

Werfen viele Bauern angesichts der schwierigen Umstände das Handtuch?

HAFELLNER: Der Rückgang liegt bei drei bis vier Prozent im Jahr. Aktuell haben wir etwa 600 Bauern. Die Produktionsleistung sinkt dadurch aber nicht, denn die verbleibenden Betriebe wachsen. Wir liegen nicht so schlecht. Es ist interessant, dass in Ungunstlagen am wenigsten Betriebe aufgeben. Die flächendeckende Produktion ist wichtig für nachgelagerte Bereiche wie den Tourismus. Wir brauchen den Bauern am Berg. Allerdings ist bei jungen Bauern die Luft draußen, investieren zu wollen. Etwa in Stallbauten. Das hängt mit den vielen Auflagen zusammen.

INTERVIEW: ANDREA WALENTA


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