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Zuletzt aktualisiert: 07.08.2012 um 20:45 UhrKommentare

Japanischer Blick auf steirische Bäuerinnen

Zwei japanische Forscherinnen besuchten die Bezirksbauernkammer in Leoben, um sich über die Meisterinnenausbildung zu informieren.

Steirische Köstlichkeiten von Eva Maria Lipp für Yukiko Otomo und Hitomi Nakamichi

Foto © WalentaSteirische Köstlichkeiten von Eva Maria Lipp für Yukiko Otomo und Hitomi Nakamichi

Außergewöhnliche Gäste konnte gestern Eva Maria Lipp in der Bezirkskammer für Land- und Forstwirtschaft Leoben begrüßen. Und zwar zwei Forscherinnen aus dem Land der aufgehenden Sonne - aus Japan, die sich in ihrer Arbeit mit Berufsbiografien von landwirtschaftlichen Betriebsleiterinnen mit Meisterausbildung beschäftigen.

"Als Prüfungskommissionsvorsitzende der Meisterinnenausbildung für das ländliche Betriebs- und Haushaltsmanagement der Steiermark wurde ich vom österreichischen landwirtschaftlichen Fortbildungsinstitut als Interviewpartnerin ausgewählt", erklärt Lipp den Besuch in Leoben.

Yukiko Otomo von der Jumonji Universität und Hitomi Nakamichi von der Ehime Universität stellen international vergleichende Forschungen in deutschsprachigen Regionen an. Das Thema: "Rechtliche und soziokulturelle Faktoren einer Karriere als Betriebsleiterin in der Landwirtschaft".

Wie Otomo erklärt, gebe es in Japan kein System für die Meisterinnenausbildung in der Landwirtschaft und Betriebsleiterinnen auf Bauernhöfen seien sehr selten. "Bei uns leiten Männer die Betriebe", so Otomo. Im Gespräch wurde deutlich, dass die Probleme in der Landwirtschaft Japans ähnlich gelagert sind, wie in Österreich. "Die Überalterung auf den Höfen ist hoch. 15,2 Prozent der Menschen, die auf Bauernhöfen arbeiten, sind 75 Jahre und älter", so Nakamichi.

Die Hauptarbeit werde meist von den auf den Höfen lebenden Eltern und den Schwiegertöchtern geleistet, da die Männer auswärts arbeiten und nur an den Wochenenden mit anpacken können. Es sei für die Bauernsöhne auch in Japan nicht einfach, eine Bäuerin zu finden, da die Arbeit hart, der Verdienst nicht hoch sei. Deshalb richte sich die Regierung nun an junge Frauen, um sie zu motivieren, am Land zu arbeiten, da die Arbeit der Frauen für eine erfolgreiche Landwirtschaft sehr wichtig sei. Auch in Sachen landwirtschaftliche Ausbildung sei gegenwärtig einiges im Laufen.

Betriebsbesuche

Die beiden Forscherinnen besuchen auch landwirtschaftliche Betriebe in der Region. Und zwar Höfe in Mürzzuschlag, St. Ilgen, Kraubath und Gai, auf denen Bäuerinnen mit Meisterinnenausbildung arbeiten und die Urlaub am Bauernhof oder Direktvermarktung betreiben.

"Für mich ist es eine besondere Freude und auch Ehre, dass die beiden Forscherinnen zu mir gekommen sind, denn es ist interessant zu hören, wie in anderen Ländern in der Landwirtschaft gearbeitet wird. Und es freut mich auch, dass sich die japanischen Gäste für unsere Landwirtschaft interessieren. Das heißt, das kleine Land Österreich spielt in Japan eine Rolle", so Lipp.

Es scheine aber so zu sein, dass in Österreich die Frauen in der Landwirtschaft im Vergleich zu japanischen Bäuerinnen schon einen Schritt weiter sind, meint Lipp.

ANDREA WALENTA

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