Der Widerstand der Ärzte wächst
Die Spitalsreform bringt die steirischen Ärzte in Rage: Ärztliche Direktoren wehren sich gegen Kages-Neuordnung - neue Kammerführung kritisiert erstmals offen die Politik.

Foto © Helmut Weichselbraun/Sujet
Nach wie vor schlägt ein Bericht der Kleinen Zeitung hohe Wellen: Die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (Kages) soll neu strukturiert werden, die bisher gewohnte Hierarchie wird grundlegend verändert. Vier regionale Direktionen (inklusive des LKH-Uniklinikums) sollen mit eigener Budgetverantwortung die steirischen Spitäler steuern. Und die Regional-Direktionen werden vom jeweiligen Betriebs-Direktor geleitet - ärztliche und Pflegedirektoren wären ihm untergeordnet. Und in den steirischen Spitälern wird es keine ärztlichen Direktoren wie bisher geben, sondern lediglich ärztliche Koordinatoren.
Für die Vereinigung der ärztlichen Direktoren und Primarärzte ist diese Vorgehensweise ein absoluter "Misstrauensbeweis". Die Ärzte befürchten, dass sie regelrecht zerrieben werden: zwischen der gesamten medizinischen Verantwortung, die sie tragen müssen - und der Unmöglichkeit, in dieser geplanten Strukturänderung für das beste medizinische Umfeld zu sorgen. Denn theoretisch können Betriebsdirektoren in der neuen Struktur alle Ärzte-Vorschläge ablehnen. Geht etwas schief oder passieren medizinische Fehler, müssen jedoch sehr wohl die Ärzte die ganze Verantwortung übernehmen - glauben die ärztlichen Direktoren.
Othmar Grabner, der Vorsitzende der Primarärzte und ärztlichen Direktoren, meint, dass "für nicht nachvollziehbare Managementexperimente im Bereich der Medizin kein Platz sein sollte".
Die Gruppe der ärztlichen Direktoren wird vom ärztlichen Direktor Bruck/Leoben, Heinz Luschnik, angeführt. Auch er weist darauf hin, dass diese Strukturreform nur Nachteile in der Verantwortungshierarchie nach sich zöge, aber keinesfalls eine Kosteneinsparung bedeute.
Trotzdem will man die Situation nicht eskalieren lassen. "Wir wollen Änderung, aber im Dialog mit der Politik", erklärt Grabner.
In den Konflikt hat sich auch die Ärztekammer eingeschaltet. Kammerpräsident Herwig Lindner führte ein erstes Gespräch mit Spitalslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder. Es gibt erste Lösungsvorschläge, aber keine Einigung. "Wir kritisieren nicht die Person Edlinger-Ploder, aber die Form der Spitalspolitik. Unter Druck kann man keine Politik machen, sondern nur aufgrund von Fakten. Spitäler zusperren ist keine Politik." Ein Vorstoß, der von Lindner kommt, lässt aufhorchen: "Wir haben bei den Spitälern die geringste Kostensteigerungsrate Österreichs. Ausgerechnet jetzt sollen Strukturen geändert und vielleicht die Kages-Vorstände, die gut gearbeitet haben, ausgetauscht werden? Dagegen sprechen wir uns aus."








