"Wir streben 4000 Studierende an"
Wilfried Eichlseder (55), neuer Rektor der Montanuni Leoben, will den Schwerpunkt noch stärker auf interdisziplinäres Arbeiten legen.

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M agnifizenz, in den ersten Wochen und Monaten ihrer Amtszeit sind Sie terminlich rund um die Uhr ausgebucht. Wie geht es Ihnen als frisch berufener Rektor der Montanuniversität Leoben?
WILFRIED EICHLSEDER: Sehr gut. Vor meinen zwölf Jahren in der Forschung als Professor an der Montanuniversität war ich 20 Jahre lang in der Industrie tätig. Zuerst zehn Jahre in der Forschung, dann zehn Jahre in verschiedenen Positionen des Managements. Vom organisatorischen Arbeitsaufkommen ist meine Tätigkeit als Rektor also quasi eine Wiederholung in meinem Lebenslauf.
Was sind die dringlichsten Aufgaben, die Sie als Rektor derzeit zu bewältigen haben?
EICHLSEDER: Die Finanzen. Die Frage ist, wie wir mit dem globalen Universitätsbudget, das uns das Ministerium zur Verfügung stellt, das Auslangen finden. Wir sind zwar bei den Drittmitteln gut aufgestellt, stehen aber beim globalen Universitätsbudget, das real immer weniger wird und keine Inflationsabgeltung beinhaltet, im Eck. Die Erstellung des Budgets 2012 ist also eine große Herausforderung.
Was steht an wichtigen Aufgaben noch an?
EICHLSEDER: Es läuft gerade ein Strategieprozess. Dabei wird definiert, wohin sich die Montanuniversität künftig bewegen soll. Bis Ende des Jahres wollen wir diesen Prozess abschließen.
Können Sie inhaltlich schon etwas zur künftigen Marschroute sagen?
EICHLSEDER: Wir werden in Zukunft noch mehr trans- und interdisziplinär arbeiten. Neue, zusätzliche Schwerpunkte werden mit Sicherheit die Energietechnik und der Leichtbau. Diese beiden Sparten spielen in allen Fachrichtungen eine Rolle, sollen dann aber als eigene Schienen etabliert werden. Außerdem hat sich das Rektorat eine weitere Internationalisierung zum erklärten Ziel gesetzt.
Die Zahlen der Erstinskriptionen sind sehr positiv. Mit mehr als 3300 Studierenden insgesamt gibt es einen historischen Höchststand. Leobens Bürgermeister Matthias Konrad wünscht sich 5000 Montanstudenten. Realistisches Szenario oder Wunschtraum?
EICHLSEDER: Wir haben bei den Erstinskriptionen heuer ein Plus zwischen sieben und acht Prozent. Aber 5000 Studierende sind fürs Erste sehr hoch gegriffen. 4000 wären schön, das streben wir an und sind dabei auf einem guten Weg. In den Masterstudien haben wir kapazitätsmäßig kein Problem, bei den Bachelorstudien müssten wir die Personalressourcen und das Platzangebot erweitern. Das lässt sich jedoch sicher handhaben. Die Werbeschiene mit dem Uni-Truck greift gut, die werden wir weiter fahren. Wir wollen die Montanuni bei potenziellen Studenten über die Steiermark hinaus noch stärker bekannt machen.
Wie sieht es mit dem Frauenanteil bei den Studierenden aus?
EICHLSEDER: Wir halten bei 25 Prozent Damenanteil und sind damit bei den technischen Universitäten ganz vorne.
Gibt es konkrete Erweiterungspläne für den Unicampus?
EICHLSEDER: Wir konzentrieren uns auf die Errichtung des Zentrums am Berg für den Bereich Tunnelbau am Erzberg. Die Erweiterung des Unicampus in Leoben selbst ist nach wie vor ein Thema, da werden wir Gespräche mit der Stadt führen.
Wie sieht es mit der Nachfrage nach Absolventen der Montanuni derzeit aus?
EICHLSEDER: Die Chancen der Absolventen sind nach wie vor Spitze. Die Nachfrage der Industrie ist quer durch die Fachrichtungen sehr intensiv.
Viele Professoren pendeln nur zur Arbeit nach Leoben ein. Sie selbst wohnen in Leoben. Was schätzen Sie an der Montanstadt?
EICHLSEDER: Die Lebensqualität ist sehr hoch. Die Naherholungsgebiete, wie der Präbichl, liegen direkt vor der Haustür und die Stadt selbst bietet kurze Wege. Ich kann nur jedem empfehlen, sich hier niederzulassen.
Was ist für Sie das Besondere der Montanuni?
EICHLSEDER: Das Zusammenspiel von Grundlagenforschung und angewandter Wissenschaft. Man bekommt als Montanist die Umsetzung in der industriellen Praxis hautnah zu spüren.
INTERVIEW:ANDREAS SCHÖBERL
Features
FAKTEN
Wilfried Eichlseder, 55, geboren in Steyr.
Er ist verheiratet und hat eine Tochter.
1974 bis 1980: Studium des Maschinenbaus an der TU Graz.
1989 Promotion zum Doktor der technischen Wissenschaften.
1981 bis 1999 bei Steyr-Daimler-Puch, zehn Jahre lang in der Forschungsabteilung und zehn Jahre lang in verschiedenen Funktionen im Management.
Er entwickelte eine Methode zur Berechnung der Lebensdauer von Bauteilen.
1999 Berufung zum Professor für Allgemeinen Maschinenbau an der Montanuni Leoben.
2001 Honorarprofessor an der Universität Miskolc in Ungarn.
2002 bis 2009 Leiter des Christian Doppler-Labors für Betriebsfestigkeit.
Wilfried Eichlseder ist begeisterter Fotograf und hat sich schon als Schüler intensiv mit der Fotografie auseinandergesetzt.
Außerdem begeistert er sich besonders für Motorsport.
Als Jugendlicher war Eichlseder jede freie Minute auf dem Motorrad im Gelände unterwegs.
Über den Motorsport kam er zum Maschinenbaustudium.
Sprachen und Eintauchen in andere Kulturen sind auch seine Leidenschaft - er spricht Englisch, Französisch, Spanisch.








