"Diesmal müssen wir Ernst machen"
Kampfstimmung in Leoben, Kapfenberg und Eisenerz.

Foto © Birnbaum
Vor der Portierloge beim Tor 1, dem Haupttor zur Voestalpine Donawitz in Leoben, parken gerade einmal zwei Autos. Auf dem Werksgelände selbst ist es ruhig. 2300 Beschäftigte gehen dort ihrer Arbeit nach. "Einladung zur gemeinsamen a. o. Betriebshauptversammlung" ist auf einem Plakat im Schaukasten zu lesen. Es ist Donnerstag. 10.30 Uhr. Im Sitzungssaal des Arbeiter- und Angestelltenbetriebsrates türmen sich Papierstapel. "Streikinformation". In roter Schrift, mit drei Rufzeichen. "In jeder Schicht gibt es einen einstündigen Warnstreik", erklärt Josef Gritz, Zentralbetriebsratsvorsitzender der Voestalpine und Branchenvorsitzender der Industrie in Österreich - somit Vertreter von 165.000 Metallern. Gerade ist die Versammlung mit mehr als 700 Arbeitern und Angestellten vorbei. Die Stimmung ist gut, aber "Streik verursacht immer ein mulmiges Gefühl".
Werden gefrotzelt
"Wir erfahren viel Unterstützung", bestätigt Gritz. Und sein Kollege Alexander Lechner fügt hinzu: "Auch aus anderen Branchen." Die Betriebsräte bereiten auf den 24-Stunden-Streik vor. Beginn: Freitag: 6 Uhr. Vor 25 Jahren war der letzte "echte Metallerstreik". "Diesmal müssen wir ernst machen, wir werden ja wirklich gefrotzelt", heißt es.
Auch bei Böhler Edelstahl in Kapfenberg bereitet man sich schon auf den dreischichtigen Streik am Freitag vor. Zwar liefen Donnerstagabend noch Verhandlungen mit der Geschäftsführung. "Aber wir sind zum Streik bereit. Die Forderungen der Gewerkschaft sind absolut gerechtfertigt", meinen zwei Arbeiter beim Tor in der Mariazellerstraße. "Weitere Streiks sind nicht ausgeschlossen", meint ein anderer. Am Mittwoch gab es eine Betriebsversammlung, am Donnerstag folgten Versammlungen in den einzelnen Werkstätten.
Auch für Bernhard Rothleitner, Betriebsratsvorsitzender der VA Erzberg, gibt es seit Tagen wenig Schlaf. "Uns wird immer vorgeworfen, nicht zu sagen, was wir wollen. Das stimmt nicht und wir kehren jederzeit, also Tag und Nacht, an den Verhandlungstisch zurück", sagt er und bereitet sich für die nächste Warnstreikeinheit der 240 Beschäftigten "am Berg" vor.










