Im Rollstuhl unterwegs am Bahnhof Leoben
Heute, Mittwoch, kann man am Bahnhof Leoben die Welt aus der Sicht eines Menschen mit Behinderung erleben und selbst in den Alltag von Rollstuhlfahren eintauchen.

Foto © WalentaTamara Groß gab wertvolle Tipps im Umgang mit dem Rollstuhl, etwa bei Steigungen auf Rampen
Eine Aktion der besonderen Art ging gestern und geht noch heute auf dem Bahnhof in Leoben über Bahnsteige und Rampen. Um zu demonstrieren, mit welchen Barrieren Menschen mit Behinderungen im Alltag, also auch auf Bahnhöfen, in Zügen und Bussen konfrontiert sind, konnten Interessierte die Wege aus der Sicht von Rollstuhlfahrern und sehbehinderten Menschen selbst ausprobieren.
Und zwar auf einem sogenannten Rollstuhlparcours, "Rollodrom" genannt, der Steigungen, aber auch verschiedene Untergrundmaterialien aufweist, die für Rollstuhlfahrer nicht einfach zu meistern sind. Tamara Groß, Sensibilisierungsbeauftragte des Österreichischen Zivilinvalidenverbands (öziv), erklärte gestern das Leitsystem, das am Bahnhof Leoben für Menschen mit Handicaps, insbesondere mit Sehbehinderungen, vorgesehen ist. "So gibt es beispielsweise Längs- und Querrillen am Boden und auch Kästchen mit Längs- und Querrillen. Die Längsrillen bedeuten, dass es geradeaus geht, die Querrillen zeigen Hindernisse an und Kästchen Kreuzungen von Wegen."
Ziel dieser Aktion, die von den Österreichischen Bundesbahnen und öziv durchgeführt wird, ist es, größeres "FAIRständnis" für Menschen mit Behinderung zu schaffen. "Die ÖBB sind seit einigen Jahren bemüht, Verbesserungen im Hinblick auf Barrierefreiheit auf Bahnhöfen, in Zügen und Bussen zu gewährleisten, und zwar im Sinne des Behindertengleichstellungsgesetzes", erklärt Christoph Posch, Pressesprecher der ÖBB. Dabei geht es beispielsweise um Aufstiegshilfen, wie Lifte, aber auch um Hebehilfen in Bussen und Zügen. "Ein Drittel der steirischen Postbusse sind bereits mit Hebehilfen, die direkt am Fahrzeug angebracht sind, ausgestattet", erklärte gestern Franz Tamm vom Fuhrparkmanagement der Postbusse.
Kraftraubend
Tamm und auch Franz Suppan, zuständig für den Personenverkehr bei den ÖBB in der Steiermark, versuchten sich gestern am Bahnhof Leoben als Rollstuhlfahrer und mussten die Erfahrung machen, wie schwierig und auch kraftraubend es überhaupt ist, sich mit dem Rollstuhl zu bewegen. Etwa auf Rampen, die eine zwölfprozentige statt einer sechsprozentigen Steigung aufweisen. "Behinderte Personen sind für die ÖBB eine normale Zielgruppe. Wir wollen bis 2015 alle Bahnhöfe mit einer Frequenz von 2000 Fahrgästen pro Tag barrierefrei ausgestattet haben", erklärt Suppan.
Der nächste Bahnhof, der in Richtung Barrierefreiheit auf den modernsten Stand gebracht wird, ist jener in Bruck an der Mur. "Die Bauarbeiten sind bereits in Abstimmung mit Behindertenexperten im Laufen", erklärt Posch.
Barrierefreiheit komme nicht nur Menschen mit Behinderung zugute, sondern auch alten Menschen und Müttern mit Kinderwagen oder Radfahrern.







