"Wir müssen ein Gehör für die Jugend haben"
Pater Clemens Grill, Kaplan im Pfarrverband Leoben-West, wechselt im kommenden September beruflich nach Deutschlandsberg.

Foto © ANDREAS SCHÖBERL Pater Clemens Grill ist Kaplan im Pfarrverband Leoben-West. Nun wechselt er als Kaplan nach Deutschlandsberg
P ater Grill, Sie sind seit 2008 Kaplan im Pfarrverband Leoben-West. Heuer im September wechseln Sie nach Deutschlandsberg. Welche Eindrücke werden Sie aus Leoben mitnehmen?
CLEMENS GRILL: Mir kommt vor, dass Leoben eine unglaublich junge Stadt ist, obwohl man oft hört, dass sie überaltert sei. Es ist eine dynamische Stadt, wo ständig etwas los ist. Fad wird einem hier sicher nicht. Allerdings haben die Leobener auch eine ganz eigene Einstellung zur Kirche.
Was meinen Sie damit konkret?
GRILL: Meine Familie stammt aus der Oststeiermark. Dort ist es ganz normal, dass von Jung bis Alt am Sonntag alle zum Gottesdienst gehen und die Kirche voll ist. Das ist in Leoben nicht so. Ich glaube aber, dass die Menschen trotzdem einen guten Kontakt zur Kirche halten.
Welche Dinge sollten die Vertreter der Kirche in Leoben Ihrer Meinung nach angehen?
GRILL: Generell ist wichtig, dass die Kirche beides ist - heilig und gleichzeitig den Menschen nahe. Wir müssen das Heilige bewahren, ohne den Sinn für das Wesentliche in der Welt oder den Boden unter den Füßen zu verlieren. Unser Bischof hat einmal gesagt, wir sollten den öffentlichen Raum besetzen, das heißt nichts anderes, als dass wir präsent sein müssen. Vor allem bei Jugendlichen. Für Leoben ist mir konkret die Restaurierung der Pfarrkirche Donawitz wichtig. Es ist eine unglaublich spannende und interessante Kirche. Die Architektur ist absolut erhaltenswert.
Stichwort Jugendliche. Wie sind die Pfarren des Pfarrverbandes Leoben-West da aufgestellt?
GRILL: Wir haben mit jungen Leuten das Projekt ES - Erlebe Soziales durchgeführt. Und zwar sehr erfolgreich. Was die Ministrantinnen und Ministranten betrifft, sind wir auch auf einem guten Weg. In Göss haben wir eine sehr große Truppe aufgebaut. In Waasen gibt es auch gute Ansätze. Wo junge Leute sind, kommen junge Leute hin.
Wie erreichen Sie junge Menschen am besten?
GRILL: Es muss Grundaufgabe der Kirche sein, für die Jugend ein Gehör zu haben. Don Bosco und Philipp Neri sind meine beiden Lieblingsheiligen. Beide haben klar gesagt, dass man sich Zeit für die Jugend nehmen muss. Auch ein Sinn für Humor ist entscheidend. Es darf kein moralinsaurer, sondern muss ein fröhlicher Zugang sein. Ich bin der Meinung, dass die Verantwortlichen in Leoben das sehr gut machen. Die Kirche in Leoben ist auf einem guten Weg.
Junge Leute kommunizieren viel übers Internet. Muss man nicht als Kirchenvertreter mit der Zeit gehen und auf Facebook sein, um sie zu erreichen?
GRILL: Ja, wir müssen in den sozialen Netzwerken Präsenz zeigen. Ich habe dementsprechend einen Facebook-Account für den Pfarrverband angelegt. Wenn der heilige Paulus heute leben würde, wäre er sicher auf Facebook. Die Kommunikation im Netz ist eine Entwicklung, die wir nicht aufhalten können. Ich sehe darin eher Chancen als eine Gefahr.
Was wünschen Sie sich für Leoben?
GRILL: Mehr Priester. Der Pfarrverband bringt Synergien, aber für jeden Einzelnen hat man weniger Zeit. Wir sind personell am Limit. Ich danke Leoben für die Offenheit, die herzliche Aufnahme und die kleineren Reibereien, die es gegeben hat.
INTERVIEW:ANDREAS SCHÖBERL
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FAKTEN
Clemens Grill ist 35 Jahre alt und wurde in Wien geboren.
Aufgewachsen ist er in Graz.
Studiert hat er Jus und Theologie in Graz, Wien und Heiligenkreuz.
Grill ist Benediktinerpater im Stift Admont.
Seit 2008 ist er als Kaplan im Pfarrverband Leoben-West tätig.
Dazu gehören: Pfarre Donawitz, Göss, Hinterberg und Waasen.
Zuvor war er Kaplan in der Pfarre Herz Jesu in Graz und in Mautern, Kalwang und Kammern.
Nun wechselt Grill als Kaplan in die Pfarre Deutschlandsberg.
Dort wird er künftig für fünf Pfarren verantwortlich sein.
Weiterhin wird Grill als Seelsorger der studentischen Verbindungen in der Montanstadt Leoben zuständig sein.
FAKTEN
Clemens Grill feiert heute, Sonntag, beim Gösser Kirchweihfest seinen Abschied.
Messe: 10.15 Uhr, Stiftskirche Göss.
Danach großes Pfarrfest.








