"Wir wandern nicht ins Ausland ab"
Über Rückenwind, Potenziale und Dämpfer für die Holzbranche spricht Franz Mayr Melnhof Saurau, Chef von Österreichs größtem Privatforstbetrieb.

Foto © FuchsFranz Mayr Melnhof Saurau, Chef von Österreichs größtem Privatforstbetrieb
S eit der Atomkatastrophe in Japan wird der Ruf nach einer Energiewende immer lauter. Gibt das der Holzbranche einen Rückenwind, der bereits spürbar ist?
FRANZ MAYR MELNHOF SAURAU: Das ist schon längere Zeit spürbar. In den letzten Jahren wurde immer klarer, dass beim steigenden Energiebedarf, etwa der Industrie, erneuerbare Energie eine stärkere Rolle spielen muss. Da sehen wir für Holz noch großes Potenzial.
Wie reagieren Sie darauf?
MAYR MELNHOF: Wir wollen die Pelletsproduktion intensivieren. Das Pelletswerk in Leoben wird ausgebaut. Für die Produktion kommen aber all jene eigenen Standorte infrage, an denen auch der Rohstoff direkt vor Ort vorhanden ist.
Der Holzpreis steigt. Freut das bei Mayr Melnhof den Bereich Forst mehr, den Bereich Holz/Bau aber weniger?
MAYR MELNHOF: Ein steigender Preis bedeutet, dass die Nachfrage steigt. Und eine steigende Nachfrage ist für alle gut.
Werden Sie den jährlichen Holzeinschlag daher erhöhen?
MAYR MELNHOF: Wir werden niemals mehr Holz ernten als zuwächst, selbst wenn die Nachfrage da wäre. Das würde sich Jahrzehnte später rächen. Der Begriff nachhaltig Wirtschaften kommt ja aus der Waldwirtschaft.
Steigen die Holzpreise weiter?
MAYR MELNHOF: Der Holzpreis hat jetzt ein gutes Niveau erreicht. Allerdings sind die zwei jüngsten Krisen in Japan und Nordafrika in der Branche schon spürbar.
Inwiefern?
MAYR MELNHOF: Nordafrika ist ein sehr guter Absatzmarkt für österreichisches Holz, und nach Libyen geht momentan gar nichts.
Was liefern Sie nach Nordafrika?
MAYR MELNHOF: Hauptsächlich Bauholz und Schalungsplatten, also eher weniger stark verarbeitetes Holz. Nordafrika ist aber nicht nur wichtig für die Holzbranche, sondern für die gesamte Wirtschaft - weil die junge Generation in diesen Ländern europäische Standards als Ziel hat. Und sowohl Nordafrika als auch Japan bedeuten zwar kurzfristig einen Dämpfer - langfristig dürfte sich dort die Bauleistung aber erhöhen.
Ihre Betriebe decken vom Wald bis zur Pressspanplatte einen großen Teil der Holz-Wertschöpfungskette ab. Welche Teile wollen Sie noch intensivieren?
MAYR MELNHOF: Das hängt stark von der Forschung ab. Im Faserbereich etwa ist die Nutzung für vielerlei Werkstoffe bis hin zum Medizinbereich möglich. Aber das ist Zukunftsmusik. Zunächst geht es darum, die Effizienz entlang der Produktionskette zu erhöhen.
Ist im mehrgeschossigen Holzbau viel möglich? Sie haben ja kürzlich mit einer Delegation in Berlin und London Holzhochhäuser besichtigt.
MAYR MELNHOF: Ich hoffe, dass solche Delegationen bald zu uns kommen, aber das hängt stark vom politischen Willen ab. Der Politik müssen wir vermitteln, dass die Holzbranche ein sicherer Zweig ist, die im Gegensatz zu anderen Firmen nicht ins Ausland abwandert. Unser Rohstoff ist hier.
Features
Zur Person
Franz Mayr Melnhof Saurau (34) ist Eigentümer des größten Privatforstbetriebs Österreichs (32.000 Hektar) und Aufsichtsratspräsident des Säge- und Bauholzkonzerns Mayr Melnhof Holz AG mit 2000 Mitarbeitern, an der er 74,9 Prozent hält.








