"Mission Impossible" ist möglich geworden
Unter dem Motto "Offen über Kirche reden" stellten sich Diözesanbischof Egon Kapellari und Caritaspräsident Franz Küberl in Kapfenberg-St. Oswald den Fragen der Besucher.
Ob er sich nicht auf eine "Mission impossible", auf einen unmöglichen Auftrag, eingelassen habe? Diese Frage stellte Diözesanbischof Egon Kapellari im Lazarussaal der Pfarre Kapfenberg-St. Oswald in den Raum. Sei die katholische Kirche doch in jüngster Zeit "durch Feuer und Wasser gegangen", wie der Bischof meinte. Beide, Feuer wie Wasser, können zerstören. Feuer aber schmelze auch edle Metalle aus Gestein heraus, und Wasser sei ein Lebenselixier - es komme nur auf die Dosis an. Auch die Kirche, gab Kapellari zu, könne beides: zerstören und Gutes tun.
"Mission Impossible": Tatsächlich haben sich Kapellari und viele enge Mitarbeiter der diözesanen Führung in ein Neuland gewagt. An sechs Orten in der Steiermark fanden Freitagabend Diskussionsveranstaltungen der katholischen Kirche mit dem Motto "Offen über Kirche reden" statt. Anlass war die extrem hohe Zahl an Kirchenaustritten im Vorjahr. In Kapfenberg stellte sich neben Kapellari auch Caritaspräsident Franz Küberl dem Publikum.
Im Saal sowie im Foyer drängten sich gut 160 Besucher, weitgehend aktive Katholiken aus den Dekanaten Leoben, Bruck und Mürzzuschlag. Entsprechend freundlich fiel der Applaus für Kapellari und Küberl aus. Auf die Ermunterung durch Moderatorin Andrea Kager-Schwar vom ORF Steiermark, doch Fragen zu stellen, folgte erst einmal Schweigen. Was Küberl zur Bemerkung veranlasste, er werde vermeiden zu sagen, wo ihn der Schuh in kirchlichen Fragen drückt. "Sonst nehme ich Ihre Fragen vorweg."
Kirchenbeitrag und Zölibat
Damit war das Eis gebrochen. Los ging es mit der Sinnhaftigkeit des verpflichtenden Kirchenbeitrags. Anton Hödl aus St. Marein und Gabriel Feiner aus Mürzzuschlag forderten mehr Barmherzigkeit der Kirche ein, Hans Kogler aus Bruck sprach den Zölibat an, und sein Sohn Werner Kogler wünschte sich mehr Demokratie: "Ich will meinen Bischof selbst wählen und abwählen dürfen."
Während Antworten zur Barmherzigkeit und zur Demokratisierung ausblieben, stellte Kapellari fest, der Zölibat sei Bedingung für das Priestertum. Wenn er nicht lebbar sei, sei ein ehrlicher Weg der beste. Er sei aber überzeugt, die Mehrheit der Priester lebe zölibatär. Zum Kirchenbeitrag meinte der Bischof: "Ich würde mir von Herzen wünschen, es gäbe eine Kirche, die nur von Spenden lebt."
Die Diskussion wurde lebhafter. Die Pädagogin Eva-Maria Größing aus Kapfenberg vermisste die Mitgestaltungsmöglichkeiten Jugendlicher im Gottesdienst ebenso wie Pfarrer Johannes Freitag (Pfarrverband Vordernbergertal). Und der Kapfenberger Hauptschuldirektor und Kulturreferent Günter Bleymaier warnte vor einer "Vergreisung" der Kirche. Man müsse - mit Normen und Werten - Vorbild für die Jugend sein.
Auch das Problem des Priestermangels und der immer größer werdenden Pfarrverbände wurde thematisiert. Für den Kapfenberger Pfarrer Giovanni Prietl werden die persönlichen Begegnungen immer schwieriger. Man müsse daher ernsthaft über Zulassungsmöglichkeiten zum Priesteramt nachdenken. Auch müsse die Kirche lernen, mit Andersdenkenden - Atheisten, aber auch anderen Religionen wie vor allem dem Islam - zu leben.
Auf die Frage, ob die Kirche nicht ihren Tiefgang zugunsten der Breite verliere, meinte der Grazer Theologieprofessor Christian Wessely, das Eine schließe das Andere nicht aus. "Wir brauchen auch eine Breitenwirkung. Sonst werden wir das mobile Einsatzkommando der restkatholischen Kirche."
Johann Pichler aus Kapfenberg wollte angesichts der Verlängerung der Amtszeit von Bischof Kapellari wissen, ob er der "bessere Bischof" sei. Kapellari meinte, er sehe sich als "brauchbarer Bischof", habe aber viele positive Rückmeldungen zur Verlängerung seiner Amtszeit erhalten.
"Den Wunderwuzzi gibt es nicht. Wir werden daher nicht alle verstehbaren Wünsche, die heute geäußert worden sind, erfüllen können. Aber wir sind in Bewegung, bei uns und weltweit", sagte Kapellari abschließend und rief die Katholiken zu mehr Selbstbewusstsein auf.
Koffer voller Vergeltsgott
Ebenso bewegend wie richtungsweisend waren schließlich die Wortmeldungen dreier Kapfenberger "Katholiken-Urgesteine". Josef Stein zitierte als seine Glaubensgrundlage das religiöse Kinderlied "Liebt einander, helft einander, teilt miteinander euer Brot". Der 91-jährige Josef Bortisch forderte ein neues Apostolat ("das haben wir in letzter Zeit vernachlässigt"). Und Grete Persoglia (87) erzählte, sie habe immer eines dabei: "Einen Koffer voller Vergeltsgott."







