"Ich möchte nur den Taktstock weitergeben"
Nach 19 Jahren als Kapellmeister des Musikvereins Hinterberg legt Gottfried Graßmugg (80) den Taktstock endgültig nieder. Einen Nachfolger zu finden, gestaltet sich nicht einfach.
Musik zieht sich durch Gottfried Graßmuggs Leben wie ein roter Faden. "Ich bin vor 80 Jahren in Kirchberg an der Raab geboren und aufgewachsen und habe mit 16 Jahren zum ersten Mal in der dortigen Kapelle, in der auch mein Vater Mitglied war, mitgespielt. Ich habe auf seiner Trompete spielen gelernt, meine erste eigene konnte ich mir erst später als ausgelernter Maurer für fünf Kilogramm Fleisch in Graz erwerben", erinnert sich der langjährige Kapellmeister.
1953 kam der 23-Jährige über einen Bekannten nach Hinterberg, um in der damaligen Zellulosefabrik zu arbeiten und der Werkskapelle beizutreten. "Von 1972 bis 1988 war ich dann Kapellmeister-Stellvertreter, 1989 übernahm ich das Amt des Kapellmeisters des Musikvereines Hinterberg, der aus der ehemaligen Werkskapelle hervorging", erzählt Graßmugg, der nach der Werksschließung bis zu seiner Pensionierung als Bankangestellter tätig war. 2003 unterbrach der Familienvater kurzfristig sein Amt im Musikverein. "Ich wollte, dass mich ein neuer Kapellmeister ablöst. Es gab dann auch mehrere, es ist aber nicht so gelaufen, wie geplant, wobei auch die finanzielle Seite eine große Rolle spielte. Deshalb bin ich 2005 erneut als Kapellmeister aktiv geworden. Nun aber möchte ich endgültig aufhören. Ich bin sicher einer der ältesten Kapellmeister des Bezirkes und will nicht so lange weitermachen, bis mich der Notarzt von der Bühne holt. Irgendwann sollte Schluss sein, der Aufgabenbereich, darunter die ganze Organisation, verlangt einem wirklich viel ab", betont der 80-Jährige.
Keine Wehmut
Eines der letzten Konzerte, bei denen er den Taktstock schwang, war das Herbstkonzert vergangenen Sonntag in Hinterberg. Sein letzter offizieller Auftritt als Kapellmeister wird am Heiligen Abend beim Turmblasen sein. "Ich verspüre aber keine Wehmut, denn ich verlasse den Musikverein, dem auch mein Enkel Stefan angehört, ja nicht. Ich werde weiterhin Flügelhorn oder Schlagzeug spielen und als Kassier tätig sein. Ich möchte nur den Taktstock weitergeben." Was kein einfaches Unterfangen ist: "Es ist ein Problem, im Bezirk einen geeigneten Kapellmeister zu finden, den sich der Musikverein auch leisten kann. Von manchen sind die monatlichen Forderungen beinahe so hoch, wie ich in einem Jahr bekommen habe. Zudem möchte sich kaum noch jemand den Zeitaufwand antun. Ich hoffe sehr, dass sich ein geeigneter Nachfolger findet."
Worauf er sich freue, sei die Zeit, in der er sich vermehrt seinen Hobbys widmen kann. "Ich fahre gerne Rad oder wandere in die Berge. Jetzt im Winter freue ich mich schon aufs Schifahren am Präbichl und auf den Bezirksschitag des Blasmusikverbandes Leoben, bei dem ich schon mehrmals den ersten Preis in meiner Altersklasse gewonnen habe." Der Musikverein Hinterberg wird aber weiterhin ein wichtiger Teil seines Alltags bleiben. "Es ist ja nicht nur die Musik, sondern vor allem auch die Kameradschaft im Verein, die mir sehr viel bedeutet."







