Geht der Sport bald am Stock?
Vor dem 41. Styria-Cup schlägt selbst der Weltmeister Alarm. Beim Eisstocksport muss sich etwas ändern. Die Zahlen der Aktiven sind in den letzten zehn Jahren massiv gesunken.

Foto © GEPA
Vor rund zehn Jahren gab es beim Styria-Cup, dem weltweit größten Turnier für Eisstockschützen, noch eine Warteliste. In den letzten Jahren stagnierte der "Volkssport" allerdings und so kommt es, dass bei der 41. Auflage des steirischen Traditionsturniers an diesem Wochenende sogar noch Plätze frei sind. Zwar sinken die Zahlen der Schützen im Allgemeinen, noch größer ist allerdings der Trend vom Eisstocksport zum Asphaltschießen im Sommer. "Die Eishallen sind einfach zu teuer", sagt Styria-Cup-Mitorganisator Johann Finster, selbst 58 Jahre lang aktiver Meisterschaftsschütze. "Fast jeder Verein hat mittlerweile eine eigene Asphalt- oder Pflaster-Bahn."
Die Masse fehlt
Die glorreichen Zeiten des Stocksports scheinen passé zu sein. Nahmen in der Saison 1990/91 insgesamt noch 9585 Mannschaften an Turnieren und Meisterschaften (Kunsteis, Natureis und Asphalt) teil, waren es in der Saison 2009/10 nur noch 5815 Teams. "Seit einigen Jahren gibt es einen kontinuierlichen Rückgang", sagt Landesfachwart Hans-Jürgen Lenert. Die Gründe: ein tendenzieller Rücklauf im Sport im Allgemeinen, eine Überalterung des Stocksports und Fehler im Aufbau von Nachwuchssportlern in der Vergangenheit. Die Qualität in der Jugendarbeit stimmt laut Lenert jetzt zwar, "aber wir haben zu wenige junge Schützen".
Handlungsbedarf
Einer, der alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gab, schlägt Alarm: Manfred Gutmann, mehrfacher Welt- und Europameister, fordert ein Umdenken. "Wenn es mit dem Sport weitergehen soll, muss sich bald was tun. Als ich begonnen habe, gab es wenige Alternativen, der Sport muss attraktiver werden."
Handlungsbedarf sieht Gutmann vor allem bei den Beginnzeiten und beim Modus: Im Mannschaftsspiel dauert ein Durchgang derzeit bis zu acht Stunden und viele Turniere werden immer noch um sieben Uhr morgens "angeschossen". Ein Relikt aus der Zeit, als noch auf zugefrorenen Teichen und Seen gespielt wurde. "In der Jugend wird bereits umgedacht und später begonnen", sagt Lenert.
Dass es noch nicht ganz dem Ende zugeht, zeigt die "Stärkemeldung" des Verbandes. Noch gibt es in der Steiermark 45.314 gemeldete Schützen in 604 Vereinen, 6552 spielen in der Klasse der Jugend und Junioren.
Features
41. Styria-Cup
Samstag: Vorrunden in Kapfenberg (7.15 und 13), Leoben (7)
Sonntag: A-Finale in Kapfenberg (7.15), B-Finale in Leoben (7.15)







