Umstieg von frischer Küche auf Tiefkühlkost
In der jüngsten Leobener Gemeinderatssitzung ging es auch um die künftige Ernährung der Kinder in Kindergärten und Schulen.
Zu äußerst langen Diskussionen kam es in der siebenten Leobener Gemeinderatssitzung beim Punkt "Essen auf Rädern und Kinderessen". Die Kindergärten, Volks- und Hauptschulen werden mit Essen, das von der Küche des LKH Leoben frisch zubereitet wird, versorgt. Für die Essenszustellung ist die Volkshilfe zuständig. Das soll sich nun aber ändern, da es immer wieder Schwierigkeiten mit der Erfüllung der Lebensmittelhygiene gegeben hat.
Konkret geht es dabei um die Einhaltung der vorgeschriebenen Temperaturen. Bei Abholung der Speisen im LKH muss die Temperatur 75 Grad betragen, bei der Ausspeisung selbst müssen es immer noch 65 Grad sein. Und an dieser Schnittstelle der Zustellung hat es einige Male Beanstandungen gegeben. Deshalb habe man sich aufgrund einer Empfehlung der Volkshilfe entschlossen, die Kinderessen auf "Gourmet-Essen" umzustellen. Dabei handelt es sich nicht um frische Gerichte, sondern um Tiefkühlprodukte, die von der Firma Gourmet erzeugt und angeliefert werden, was auch zu einer Kostenminimierung für Eltern und Gemeinde führt.
Vehemenz
Eva Maria Lipp, VP-Vizebürgermeisterin, stellte sich mit Vehemenz gegen dieses Vorhaben. "Wir haben das LKH, das mit frischen Produkten aus der Region kocht. Und frische Küche ist die beste Küche, da führt kein Weg daran vorbei. So werden unsere Kinder bis zum 14. Lebensjahr mit Tiefkühlkost ernährt", erklärte sie. Sie könne nicht verstehen, dass die Volkshilfe keine Möglichkeit ins Auge fasse, mit neuen Behältern die geforderte Temperatur bis zur Auslieferung zu halten. Wäre der Wille da, würde das auch gehen. Lipp führte auch ins Treffen, dass durch diese Umstellung zwei Arbeitsplätze im LKH verloren gehen. Dazu KP-Stadtrat Werner Murgg: "Es ersparen sich zwar die Eltern ein paar Cent, aber wir vernichten vor Ort Wertschöpfung. Das kann ich nicht mittragen."
Vertrag
Ganz anders Gerd Krusche (FP). Er kann dieser Umstellung Positives abgewinnen: "Frisches ist nicht immer besser. Schockgefrorenes Gemüse hat mehr Vitamine." Auch hinsichtlich der Kostenersparnis sieht er Gourmet für die bessere Lösung, und er plädierte für eine möglichst schnelle Auflösung des Vertrags mit der Volkshilfe; da diese die geforderten Standards nicht halten könne, müsste es möglich sein, früher aus dem Vertrag mit der Kündigungsfrist von sechs Monaten aussteigen zu können. Er stellte auch einen diesbezüglichen Antrag, der von KPÖ und FPÖ abgelehnt wurde. Petra Pongratz, Bürgerliste Reiter, betonte, dass man dazu eigentlich die Eltern befragen müsste, ob sie damit einverstanden sind.
Gepoltert
Nach der langen Diskussion, in der sich vor allem die ÖVP immer wieder gegen die Tiefkühlkost aussprach, wurde es SP-Bürgermeister Matthias Konrad zu bunt, und er polterte: "Das ist doch alles sinnloses Geschwätz." Lipp: "Sie haben uns nicht zu sagen, dass das sinnloses Geschwätz ist." Worauf hin Konrad seine Aussage lautstark wiederholte. Schließlich wurde mehrheitlich gegen die Stimmen von KPÖ und ÖVP beschlossen, die Kinder künftig mit Tiefkühlkost zu versorgen. Gegen die Stimmen der KPÖ wurde die Finanzierung des Buskonzeptes Vordernbergertal beschlossen, das ab 12. Dezember einen Viertelstundentakt vorsieht. Für zwei Jahre sind das 44.622 Euro. Bürgermeister Konrad: "Wer soll im Viertelstundentakt fahren?" Da werde nur heiße Luft transportiert. Zugestimmt wurde aber trotzdem.







