Leobener sind königlich auf dem Schachbrett
Mit Karl Heinz Schein, Robert Kreisl und Manfred Mussnig sind bei der Schacholympiade in Sibirien gleich drei Leobener mit vertreten.

Foto © PrivatKarl Heinz Schein mit dem österreichischen Damenteam bei der Schacholympiade 2006 im italienischen Turin
Temperaturen um die zwei Grad plus erwarten die Mitglieder des österreichischen Schach-Nationalteams: Sie brechen am Sonntag, dem 19. September, zur 39. Schacholympiade ins sibirische Khanty-Mansiysk auf, wo knapp 1400 Schachspieler gegeneinander antreten (siehe Infokasten). Mit dabei sind gleich drei Mitglieder des Schachclubs Leoben. Und zwar in völlig unterschiedlichen Funktionen.
Robert Kreisl ist ein Zugpferd des Herrennationalteams, Karl Heinz Schein betreut das Damen-Nationalteam und Manfred Mussnig agiert in Khanty-Mansiysk als Schiedsrichter. "Dass wir drei aus Leoben gemeinsam in unterschiedlichen Funktionen zu diesem Bewerb fahren, ist schon etwas ganz Besonderes", meint Schein, der das Damen-Nationalteam bei den Schacholympiaden in Turin im Jahr 2006 und vor zwei Jahren in Dresden ebenfalls schon als Trainer begleitet hat.
Kreisl ist seit vielen Jahren Scheins Schützling: "In seiner Schulzeit am BG/BRG Leoben I habe ich ihn schon acht Jahre lang in der unverbindlichen Übung Schach betreut. Er trägt mittlerweile den Titel Internationaler Meister, das ist nach Großmeister der zweithöchste Titel, den der Weltschachverband außer dem Weltmeistertitel vergibt." Jeweils ein Mitglied des Damen- und des Herrenteams sitzt quasi auf der Ersatzbank, die anderen vier gehen in das Turnier: "Der jeweils stärkste des einen Landes tritt gegen den stärksten des anderen Landes an. Die Auslosung der Partien erfolgt nach dem Schweizer System", so Schein.
Um eine Partie vorzubereiten, bleibe wenig Zeit: "Man erfährt zwar am Vorabend des Turniers, gegen welches Land man antreten wird. Aber den genauen Gegner erfährt man erst am Vormittag der Partie." Dann müsse der Fahrplan für die Auseinandersetzung am Brett geplant werden: "Jeder Spieler hat Zugriff auf eine riesige Datenbank, in der die Partien aller Teilnehmer abzurufen sind, die sie bereits jemals bestritten haben."
Genaue Analyse
Schwachstellen des Gegners werden analysiert: "Man schaut sich zum Beispiel auch genau an, wie der Gegner gerne eröffnet."
Aufgabe des Betreuers sei es auch, zu entscheiden, wer aus dem Team antritt und wer eine Pause einlegen soll. "Schach bedeutet eine enorme Anstrengung für den Körper und die Psyche. Die Partien können mehrere Stunden dauern. Es ist wirklich Sport im wahrsten Sinne", betont Schein. Seit 2005 ist Schach in Österreich offiziell als Sportart anerkannt: "Auch wenn das in vielen Köpfen noch nicht verankert ist. Unser Anliegen wäre es, dass Schach eine Sportart wird, die bei den allgemeinen Olympischen Spielen mit ausgetragen wird." Jede einzelne Partie der Schacholympiade sei verkabelt: "Jeder Zug wird in Echtzeit übertragen. Das Internet ist Stadion der Schachspieler." Ein Platz unter den 30 besten Mannschaften wäre für die österreichischen Damen und Herren eine Sensation, so Schein, der während der Olympiade bis zum 4. Oktober Spielberichte und Impressionen auf die www.chess.at veröffentlichen wird.
Schein ist auch Vorsitzender der Kommission für Aus- und Weiterbildung des Österreichischen Schachbundes: "Ich bilde Schachtrainer aus und erstelle Lehrpläne für die Ausbildung."
Features
Kommentar
SCHACHOLYMPIADE
Die 39. Schacholympiade geht ab Sonntag, dem 19. September, in der sibirischen Stadt Khanty-Mansiysk in Szene.
Die Stadt hat 72.000 Einwohner und liegt etwa 2000 Kilometer östlich von Moskau.
Herrenteams aus 158 Nationen, bei den Damen sind es Mannschaften aus 118 Ländern.
Knapp 1400 Schachspieler treten insgesamt zum Wettkampf an.
Herrenteam Österreich: Markus Ragger, David Shengelia, Martin Neubauer, Robert Kreisl und Georg Danner.
Damenteam Österreich: Eva Moser, Tina Kopinits, Julia Novkovic, Veronika Exler und Katharina Newrlka.








