Biogasanlage wird zum politischen Zankapfel
Die behördliche Schließung der Biogasanlage in Leoben zieht geharnischte Reaktionen aller Oppositionsparteien nach sich.

Foto © SchöberlBiogasanlage Leoben sorgt für politischen Schlagabtausch
So etwa meint Eva Maria Lipp, VP-Vizebürgermeisterin: "Jetzt ist es den Stadtverantwortlichen doch unangenehm, dass ihre so hochgejubelte Biogasanlage ins Wanken geraten ist. Es scheint aber noch keinem unangenehm zu sein, wie sehr die Anrainer von dieser mehr als misslungenen Anlage belastet waren." Nicht einmal ein Wort der Entschuldigung hätten die Verursacher für diese Menschen übrig. Außerdem ortet sie eine Überforderung von Stadtwerkedirektor Ronald Schindler mit seinen Betätigungsfeldern. Zum Thema gesetzliche Auflagen beim Bau und der Verwendung verbotener Abfälle meint Lipp: "Glauben die SP-Stadtverantwortlichen in Leoben wirklich, dass Gesetze nur für andere und nicht für die Großherrlichen in der Stadt Leoben gelten?" Deshalb unterstreiche sie ihre Forderung, dass sowohl Bürgermeister Matthias Konrad als politisch Verantwortlicher und der kaufmännische Geschäftsführer der Biogasanlage den Hut nehmen und zurücktreten sollen.
Werner Murgg, KP-Stadtrat, sieht in der Schließung der Biogasanlage einen ersten Etappensieg der geplagten Anrainer. Die KPÖ fordert nach wie vor einen Sondergemeinderat zu diesem Thema. Murgg: "Nun müssen alle Karten auf den Tisch. Wer war jahrelang dafür verantwortlich, dass die Anlage illegal mit Blut beschickt wurde?", fragt Murgg. Dass nun auch von einer Gesundheitsgefährdung und von einem möglichen Konkurs die Rede sei, seien "Ungeheuerlichkeiten, deren Ursachen schonungslos offen gelegt werden müssen. Im Zuge der neuen Erkenntnisse wird auch die Rolle des kaufmännischen Geschäftsführers der LE Gas GmbH neu zu bewerten sein. Wer glaubt mit einem Bauernopfer der technischen Geschäftsführer zur Tagesordnung übergehen zu können, der irrt."
Verantwortung
Auch Gerd Krusche (FP) plädiert dafür, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Die FPÖ werde dafür kämpfen. Auch dafür, dass sich niemand mit fadenscheinigen Ausreden aus der Verantwortung ziehen könne. "Ein Geschäftsführer, der behauptet, sein Name sei Hase, und er hätte von den unvorstellbaren Vorgängen nichts gewusst, lügt entweder oder beweist, dass er unfähig war, seine Verantwortung wahrzunehmen." Außerdem fordert auch er, dass Bürgermeister Konrad Konsequenzen ziehen müsse.
Walter Reiter von der Unabhängigen Bürgerliste freut sich für die Anrainer und fordert Bürgermeister Konrad auf, den Stadtwerkedirektor all seiner Funktionen zu entheben, weil er wahrscheinlich Bescheid gewusst habe und es verabsäumt habe, Bürgermeister, Gemeinderat und Bevölkerung zu informieren.
Lambert Schönleitner, Grün-Abgeordneter, freut sich zwar über die Schließung der Anlage, kündigt aber an, noch diese Woche eine schriftliche Anfrage an Landesrat Manfred Wegscheider einzubringen, denn die Verantwortung müsse geklärt werden. Schönleitner möchte wissen, warum so lange nicht gehandelt wurde, woher das Tierblut stammt, wer davon gewusst hat und ob es ein Zusammenspiel zwischen der Leobener SPÖ und dem SP-Umweltlandesrat gegeben hat.








