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Zuletzt aktualisiert: 29.05.2010 um 20:16 UhrKommentare

Leoben als Sprungbrett für zwei Karrieren

Mit Konsequenz und Disziplin studieren zwei Marokkanerinnen an der Montanuni und genießen dennoch das Leben in Leoben.

Man wählt immer den einfacheren Weg", ist Hasnaa Lamik, 20-jährige Marokkanerin, überzeugt, die an der Montanuniversität Leoben Petroleum Engineering studiert. Mit einfacherem Weg meint sie die Familienbande, die sie in Leoben hat. "Meine Schwester hat schon in Leoben fertig studiert und auch meine Brüder. Diese arbeiten auch hier, daher habe ich gewusst, dass ich nicht alleine sein werde in Leoben. Das ist schon eine große Hilfe", so Hasnaa.

Sie hat bereits das neue Gymnasium in Leoben ab der fünften Klasse besucht und hat sich somit gut in der Montanstadt eingelebt. "Am Anfang im Gymnasium war es schon schwierig, Freunde zu finden, weil immer die gleichen Gruppen zusammen waren. Auf der Uni und in der Freizeit ist das einfacher", so Hasnaa. Die Entscheidung, an der Montanuni zu studieren, habe sie deshalb getroffen, weil die Uni international einen sehr guten Ruf habe und man mit einem Studienabschluss in der Tasche überall auf der Welt arbeiten könne.

"Ich möchte nach meinem Abschluss gerne wieder ein anderes Land kennenlernen. Ich denke da an ein afrikanisches Land, wie Nigeria oder Kamerun", blickt Hasnaa in die Zukunft und betont, wie wichtig es sei, mehrere Sprachen zu können. Neben ausgezeichnetem Deutsch spricht sie Arabisch, Französisch und Englisch.

Gleich wie Ilhan Lamik, ihre 19-jährige Verwandte, die ebenfalls in Leoben studiert und zwar Maschinenbau. Sie wollte anfänglich in Frankreich studieren, hat sich dann aber doch für Leoben entschieden: "Leoben ist eine kleine Stadt und das ist für das Studium sehr angenehm, weil alles so schön übersichtlich ist." Auch Hasnaa empfindet das Leben in Leoben sehr schön, wenngleich beiden das Meer, die Eltern und die Freunde zu Hause fehlen. Das Zuhause liegt etwa 80 Kilometer von Casablanca entfernt. Und Ilhan freut sich schon, im Sommer wieder einmal nach Hause fahren zu können.

Integration

Bevor Ilhan nach Leoben gekommen ist, hat sie sechs Monate intensiv Deutsch gebüffelt, weil sie überzeugt ist, dass man sich nur dann in ein Land integrieren könne, wenn man die Sprache beherrscht. "Sonst bleibt man immer ein Außenseiter. Am Anfang hatte ich hier große Schwierigkeiten wegen des Dialekts. Das war eine Katastrophe", so Ilhan. Ihr Berufsziel ist es, einmal in Amerika zu arbeiten, aber genaue Vorstellungen hat sie noch nicht. Beide finanzieren sich ihr Studium zum Teil selbst und haben keine finanziellen Probleme. Hasnaa arbeitet 15 Stunden pro Woche bei einer Erdölfirma in Leoben und Ilhan gibt Nachhilfeunterricht in Mathematik. "Sie ist eine Koryphäe in Mathematik", bestätigt Erika Augustin, die seit vielen Jahren ausländische Studierende in Leoben betreut und bei der Plattform Leoben international sehr engagiert ist, die am 18. Juni wieder zum Fest der Nationen auf den Leobener Hauptplatz lädt.

Daran können die Marokkanerinnen nicht teilnehmen. "Wir haben an diesem Tag Prüfungen. Das tut uns leid", so Ilhan und Hasnaa, aber sie nehmen ihr Studium äußerst ernst. Augustin: "Da könnten sich so manche Österreicher eine Scheibe abschneiden." Bisher haben sie alle Prüfungen gut geschafft. In ihrer Freizeit betreiben die Studentinnen sehr viel Sport. Hasnaa liest auch gerne und Ilhan beschäftigt sich mit Mode und Design. Sie entwirft und schneidert Kleider selbst.

Anfänglich sei ihnen vor allem das marokkanische Essen abgegangen, aber mittlerweile schmecken ihnen vor allem Wiener Schnitzel, Gulasch und Sacher Torte. "Aber selbst kochen wir marokkanisch. Am liebsten Tajin mit Fisch und Couscous."

ANDREA WALENTA

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