Tablettenmissbrauch: 92-jährige Ärztin vor Gericht
Die Angeklagte soll Patienten mit Drogenproblemen jahrelang vorschriftswidrig mehr als 34.000 Tabletten verschrieben haben - in erster Linie "Benzos", die schwer abhängig machen können. Ärztin plädiert auf "nicht schuldig". Die Verhandlung wurde vertagt.

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"Glauben Sie, dass Sie in Ihrer Laufbahn zu viele Tabletten verschrieben haben?", fragt Staatsanwältin Christina Jilek die 92-jährige Ärztin, die vor ihr auf der Anklagebank am Straflandesgericht Leoben sitzt. Diese zögert. Letztlich antwortet sie: "Eigentlich glaube ich nicht. Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt." Der Vorwurf der Anklage gegen die 92-Jährige wiegt schwer: Von 2005 bis November 2009 soll sie an zehn verschiedene Patienten vorschriftswidrig psychotrophe Stoffe abgegeben haben, wobei die Grenzmenge um das 15-fache überstiegen worden sei. Knapp 34.000 Tabletten für insgesamt zehn Personen sollen es gewesen sein - in erster Linie sogenannte "Benzos", die schwer abhängig machen können.
Entzugserscheinungen
"Nein, nein. Überhaupt nicht", meint die Ärztin auf die Frage, ob sie sich schuldig fühle. Sie habe den Patienten die Medikamente verschrieben, "damit sie keine Entzugserscheinungen bekommen." Die in der Anklage angegebenen Mengen könnten "unmöglich" stimmen. "Zahlreiche Rezepte sind auch gefälscht worden, was die Menge der verschriebenen Medikamente betrifft", führt die Ärztin aus, die nicht nur Kassen-, sondern auch Privatrezepte für Benzos ausgestellt hatte.
Die 92-Jährige habe "wahllos" Benzos verschrieben und sei für seinen schlechten psychischen und körperlichen Zustand verantwortlich, gab ein Zeuge bei der Polizei an: "Das lehne ich komplett ab", meint die Ärztin. Es seien alles Patienten gewesen, die seit Jahren drogenabhängig gewesen seien: "Ohne Drogen können solche Menschen nicht existieren." Manche Patienten hätten ihr mit Tricks Rezepte herausgelockt: "Ich bin zu leichtgläubig. Das ist mein Fehler", so die 92-Jährige. "Kann das stimmen, dass die Verschreibungen von Benzos um 80 Prozent zurückgegangen sind, wenn Sie auf Urlaub waren?", fragt Richterin Barbara Grundbichler. "Das ist klar. Das kann kein anderer verschreiben, ich bin Drogenärztin." - Die Verhandlung wurde vertagt.








