"Nachwelle wird noch kommen"
Josef Gritz, Zentralbetriebsratsobmann der Voestalpine Donawitz, betont, dass man in Donawitz das Krisenjahr 2009 gut durchtaucht habe.

Foto © PrivatJosef Gritz, Zentralbetriebsratsobmann der Voestalpine Donawitz
Herr Gritz, wie beurteilen Sie als Betriebsratsvorsitzender der Voestalpine Donawitz das abgelaufene Jahr 2009, das als Krisenjahr in die Geschichte eingehen wird? JOSEF GRITZ: Die Wirtschaftskrise hat alle getroffen. Auch vor der Voestalpine hat sie nicht Halt gemacht. Etwa durch den Einbruch in der Autoindustrie. In den Drahtwalzwerken in Donawitz und Bruck gab es Personalreduzierungen und sozialverträgliche Abkommen, etwa durch die Stahlstiftung und die Bildungskarenz. Außerdem hatten wir im Feinwalzwerk sechs Monate Kurzarbeit. Im Rohrwalzwerk Kindberg haben wir von Vierschicht- auf Zweischichtbetrieb umgestellt. Beim Draht hat sich aber alles wieder stabilisiert, es geht leicht bergauf. Gegenüber anderen Mitbewerbern zielen wir in Richtung Vollauslastung. Wir haben 2009 gut drübergebracht. Die Schiene war nicht so betroffen, hier waren wir ganz gut ausgelastet.
Wie viele Mitarbeiter sind gegenwärtig in der Stahlstiftung, und wie viele nehmen die Möglichkeit einer Bildungskarenz in Anspruch? GRITZ: Im gesamten Konzern der Voestalpine sind 1300 Mitarbeiter in der Stahlstiftung. In der Steiermark sind es etwa 200. Und in Bildungskarenz sind derzeit in der Steiermark etwa 90 Mitarbeiter. In der Stahlstiftung kann ein Mitarbeiter bis zu vier Jahren bleiben. Es ist aber unser vorrangiges Ziel, diese Leute wieder in den Betrieb zurückzuholen. Sie werden bei Bedarf auch als erste gefragt, ob sie wieder zurück wollen. Wenn aber jemand eine neue Ausbildung macht, wäre es nicht sinnvoll, diese abzubrechen.
Und wie stellte sich die Lehrlingssituation dar? GRITZ: Wir haben 2009 wieder 40 Lehrlinge aufgenommen. Damit haben wir 160 Lehrlinge am Standort Donawitz. Und trotz Krise gab es Erfolgsprämien für die Mitarbeiter und auch LE-Einkaufsgutscheine in der Höhe von 400.000 Euro, die der Betriebsrat ausverhandelt hat. Es ist nur schade, dass man vom Leobener Handel diesbezüglich nie positive Rückmeldungen bekommt.
Wie viele Mitarbeiter hat die Voestalpine Donawitz nun insgesamt?GRITZ: In der Division Stahl sind 1325 Mitarbeiter beschäftigt, bei der Schiene 559, im Drahtbereich 276 und bei den Bahnsystemen 59. Das macht insgesamt 2219 Mitarbeiter. Weltweit hat die Voestalpine 9300 Mitarbeiter, in der Steiermark 4350. 2004 hatten wir am Standort Donawitz 2042 Mitarbeiter, 2009 waren es 2280 Mitarbeiter. Also ein Plus von 238. Mit erstem März kommt die Schweißtechnik von Böhler zu den Bahnsystemen dazu. Die Voestalpine ist auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Steiermark. So gab es 2009 Auftragsvergaben an Klein- und Mittelbetriebe im Rahmen von Investitionen. Da geht es beispielsweise um Arbeitskleidung, Handschuhe, Schuhe oder ähnliches. Das Lohn- und Gehaltsaufkommen der Mitarbeiter betrug etwa 200 Millionen Euro. Die Kommunalabgabe sechs Millionen Euro.
Wie sehen Sie das Jahr 2010? Wohin wird Ihrer Meinung nach die Reise gehen?GRITZ: Die Wirtschaftskrise ist noch nicht vorbei. Es wird noch eine Nachwelle kommen. Wir haben bisher alles gut übertaucht. Die Aufträge sind derzeit stabil, in manchen Bereichen gibt es sogar eine Überauslastung.
Wie lautet Ihr Arbeitsziel für dieses Jahr?GRITZ: Meine Aufgabe als Belegschaftsvertreter wird es sein, zu schauen, dass möglichst viele Menschen eine Arbeit haben oder auch finden. Gewerkschaft und Betriebsräte können keine Arbeitsplätze schaffen. Wir können aber darauf schauen, dass die bestehende Arbeit auf mehrere aufgeteilt wird. Deshalb arbeiten wir gegenwärtig auch an neuen Schichtmodellen.








