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Zuletzt aktualisiert: 14.11.2009 um 18:10 UhrKommentare

Knochenjob zwischen nasskalt und brennend heiß

Die Baukulturstiftung revitalisiert den historischen Ringziegelofen Dörfler in Leoben. Herbert Wanz (76) hat 1953 selbst in dem Ziegelofen gearbeitet und erinnert sich gerne zurück.

Herbert Wanz

Foto © Andreas SchöberlHerbert Wanz

Der alte Ringziegelofen Dörfler in Leoben ist ein wertvolles historisches Denkmal industrieller Architektur. Die Baukulturstiftung hat sich nun dem ambitionierten Ziel der Revitalisierung des Gebäudes angenommen - in dem alten Gemäuer soll ein stimmungsvolles Veranstaltungszentrum entstehen, ohne den Charakter der bestehenden Bausubstanz zu verändern. Vor Kurzem wurde die Dachgleiche gefeiert (wir berichteten). Bei dem ehemaligen Bezirksschulinspektor und Hauptschullehrer Herbert Wanz aus Leoben wecken die Bestrebungen der Baukulturstiftung Erinnerungen an seine Jugend. Der heute 76-Jährige arbeitete im Sommer 1953 sieben Wochen lang in dem Ringziegelofen.

"Ich habe 1952 meine Lehrerausbildung abgeschlossen und gerade mein erstes Dienstjahr an der Volksschule Eisenerz absolviert. Ich wollte mir unbedingt ein Motorrad kaufen, eine Puch DF 250, das war damals wohl der Traum eines jeden jungen Mannes", erzählt Wanz. Nachdem man als Lehrer in dieser Zeit nicht allzu viel verdient habe, habe er sich entschlossen, im Ziegelofen zu arbeiten, um sich schnell ein Zubrot zu verdienen. "Meine Hauptarbeiten waren das Gewinnen von Lehm in der Lehmgrube auf der einen Seite und das Befüllen des Ofens mit luftgetrockneten Ziegelsteinen und auch wieder das Entleeren." Beides sei Knochenarbeit gewesen: "Draußen war man zwar an der frischen Luft, aber es war schwerste körperliche Arbeit. Das Befüllen des Ofens war zwar nicht so anstrengend, dafür war es extrem heiß und staubig." Mit drei Burgenländern habe er im Team gearbeitet, Zehn-Stunden-Tage seien die Regel gewesen: "Damit wir auf unsere 48 Stunden in der Woche kommen."

Gewisser Ehrgeiz

Besonders für ihn, der körperliche Arbeit nicht gewohnt gewesen ist, sei die Arbeit schwer gewesen: "Ich habe aber einen gewissen Ehrgeiz, kann ich sagen und mit letztem Einsatz gearbeitet, damit ich mit den anderen mithalte." So sei er von seinen Kollegen voll akzeptiert worden. Die ersten fünf Tage seien die schlimmsten gewesen: "Dann wird man zu dem, was man macht. Nämlich Arbeiter in einem Ziegelofen. Für mich als 20-jährigen Burschen war das auch schön, seinen Körper einmal richtig zu spüren und zu merken, was für eine Kraft ich eigentlich gehabt habe, die ich bis dahin überhaupt nie abgefragt habe", meint Wanz. In diesem sieben Wochen Arbeit im Ziegelofen habe er größten Respekt vor manueller Arbeit gelernt: "Jeder, der seine Arbeit ernst nimmt, verdient Respekt. Und jede Arbeit braucht kompetente Leute." Die Erinnerungen, die er heute an diese Zeit habe, seien rein positiv besetzt. Nach den sieben Wochen kaufte sich Wanz sein Motorrad im Frühjahr 1954. Fünf Jahre später baute er sich sein Eigenheim in der Montanstadt - und kam wieder in Berührung mit dem Ringziegelofen: "Die Ziegel, die die Maurer verwendet haben, sind dort hergestellt worden."

Bis zu dem medialen Echo über die Bemühungen der Baukulturstiftung habe er gar nicht gewusst, dass der stillgelegte Ziegelofen noch steht: "Dann bin ich einmal hingefahren, um ihn mir anzuschauen. Damals war er noch eine Müllhalde. Ich finde es großartig, was die Baukulturstiftung hier macht und wünsche mir, dass das Veranstaltungszentrum künftig von den Leuten angenommen wird."

ANDREAS SCHÖBERL

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