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Zuletzt aktualisiert: 26.09.2009 um 17:27 UhrKommentare

5000 Arbeitsstunden auf dem Tachometer

Dem alten Rostgestell eines Fiat-Pickup aus dem Jahr 1938 hauchte Oldtimer-Fan Gerhard Wagner aus Leoben-Hinterberg in insgesamt 5000 Arbeitsstunden neues Leben ein.

Oldtimer-Fan Gerhard Wagner

Foto © Astrid HöbenreichOldtimer-Fan Gerhard Wagner

Frech glänzend steht er in der Sonne, so als ob er sagen wollte: Schaut her, da bin ich wieder! Der bordeauxrote Fiat 508 C, 1100 Kubikzentimeter Hubraum, 30 Pferdestärken, Baujahr 1938 beziehungsweise 2009. Unglaubliche 5000 Arbeitsstunden wendete Gerhard Wagner in drei Jahren dafür auf, den Oldtimer von Grund auf zu restaurieren und fahrtauglich zu machen.

"Um an Originalteile für den Fiat zu kommen, musste ich bis zum Autoteilemarkt nach Padua fahren, wo ich etwa die Tankanzeige gefunden habe", erzählt der gelernte Autolackierer und Spengler. War doch das, was er 2006 zum Restaurieren in seine Werkstatt geholt hatte, nicht mehr als ein Rosthaufen. "Es war nur mehr der Rahmen des Fiat, der einst von 1938 bis 1947 in Bruck an der Mur zugelassen war, vorhanden. Diesen habe ich von meinem Bekannten Max Zottler gekauft, unter der Bedingung, dass ich den Oldtimer erhalte", so der 55-Jährige. Welches Schmuckstück letztendlich herauskam, davon ist nicht nur er selbst überrascht. "Das Fahrzeug hat lange nicht ausgesehen wie ein Auto. Da der Rahmen so kaputt war, musste ich mich mit Hilfe Bekannter um einen weiteren Fiat umsehen, dessen Teile ich zusätzlich verwenden konnte. Ich habe täglich jede freie Minute, oft waren es zehn Stunden, daran gearbeitet, es gab keinen Urlaub."

Wie das Original

Gattin Karin wollte das Auto in dieser Zeit gar nicht mehr sehen, mittlerweile ist aber auch sie stolz auf das Werk ihres Mannes. "Es hat viele gegeben, die gemeint haben, dass ich es nicht schaffe, und das war meine Herausforderung. Ich wollte den Fiat so zusammenbringen wie das Original, die Technik und alles rundherum selber machen. Ich wollte eigentlich schon immer ein Auto aus den 1930er-Jahren, das man noch täglich auf der Straße bewegen kann", fasst der Hinterberger seine Motivation in Worte.

In den letzten drei Jahren wurde von ihm also die Karosserie gespengelt, die gesamte Technik und das Innenleben des Oldtimers gefertigt, sämtliche Knäufe für die Zugschalter aus Messing und Aluminium gedreht beziehungsweise aus Holz gedrechselt sowie der Pickup-Aufbau gebaut. Alles in Handarbeit. "Sehr dankbar bin ich meinen Bekannten Heinrich Taubländer, Helmut Liebhart und Hermann Hüttinger, die mich bei der Restauration immer wieder beraten und unterstützt haben", so der Hinterberger.

Wie bereits geahnt, gab es bei den ersten Ausfahrten Anfangsschwierigkeiten. "Gleich bei der ersten hatte der Wagen, der mit Zwischengas zu fahren ist, einen Totalmotorschaden. Grund: ein defekter Thermostat. Heim ging es auf dem Anhänger", schmunzelt Wagner. Ein neuer alter Vierzylinder Reihenmotor mit Thermosiphonkühlung musste her. Die Szene mit dem Anhänger wiederholte sich, als die Zündspule, die Benzinpumpe und schließlich ein Radlager kaputt gingen. "Jetzt bin ich aber voller Hoffnung, dass der Wagen länger hält. Das Gefühl, damit zu fahren, ist einfach unbeschreiblich", meint der Oldtimerfan - und das Wappen auf der Fahrertüre, gemalt in 24 Karat-Blattgoldfarbe, blitzt in der Sonne auf.

ASTRID HÖBENREICH

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