Politik, Polemik und ein "Popstar"
Andreas Mölzer, FP-Spitzenkandidat für die Europawahlen, besuchte Leoben. Der wahre "Star" war allerdings Heinz Christian Strache.

Foto © Andreas Schöberl
Reger Andrang herrschte gestern beim "Protestbuch" gegen das geplante Schubhaftzentrum, das die Leobener FPÖ seit einer Woche am Hauptplatz zum Unterschreiben aufgelegt hat - passenderweise vor dem "Blauen Haus".
FP-Fraktionsführer. "Etwa 1000 Leute haben schon unterschrieben", zieht Daniel Geiger von der Leobener FPÖ Bilanz. "Wann kommt denn der Strache?", fragen sich die Zaungäste, die sich in kleinen Grüppchen um die Rednerbühne scharen, während Gerd Krusche, FP-Fraktionsführer im Gemeinderat, gegen das geplante Schubhaftzentrum in der Montanstadt trommelt: "Ich höre von den Leuten oft, das ist ja sowieso beschlossene Sache, da kann man eh nichts mehr machen." Aber wenn man sich konsequent und ehrlich gegen das Schubhaftzentrum in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt ausspreche, könne man die Pläne von Innenministerin Maria Fekter zu Fall bringen. Beifall. Dennoch: Die Köpfe der Zuschauer sind weniger beim Podium, sondern wandern auf der Suche nach Heinz Christian Strache hin und her: Ganz klar, der FP-Bundesparteiobmann ist der Mann, auf den alle warten. Auch Andreas Mölzer, Spitzenkandidat für die Europawahlen, tut sich nicht leicht, seinen Worten Gehör zu verleihen. Da nützen auch markige Sprüche nur bedingt. Mölzer nimmt es leicht - und hält seine Rede kurz.
Politiker und Popstar. Und da kommt er, begleitet von den Klängen "Ein Stern, der deinen Namen trägt": HC Strache, der Politiker als Popstar, der aus dem eifrigen Autogrammeschreiben kaum herauskommt. Eine Unterschrift für den Teenager, ein Erinnerungsfoto mit der Oma. "Jetzt halte ich meine Rede, dann machen wir nachher weiter", meint Strache, bevor er das Rednerpult erklimmt und loslegt.
Menschenmenge. Woher all die Leute am Hauptplatz auf einmal gekommen sind? Keine Ahnung, aber die plötzlich drastisch angewachsene Menschenmenge lauscht gebannt, wie Strache alle Register seiner rhetorischen Kunst aus dem Köcher zieht. "Regional statt global" ist ein Schlagwort, das Beifall und Gejohle hervorlockt. Die Devise "Multikulti ist ein Aufgeben der Identität", die Tatsache, dass Strache den Staat Österreich wegen des Falles der Schengen-Grenzen in Richtung Osten im "Sicherheitsnotstand" wähnt und für strenge Asylgesetze plädiert, steigert die Begeisterung des Publikums. Nach seiner etwas langatmigen Brandrede taucht Strache wieder in das Bad der Menge, wo vor allem auch ganz Junge auf ihn zuströmen.








