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Zuletzt aktualisiert: 14.12.2008 um 16:14 UhrKommentare

Vom Gehirn, vom Atom und vom Selbstmord

Worüber die besten steirischen Forscher des Jahres 2008 nachdenken.

Bei der Verleihung des Forschungspreises

Foto © Landespressedienst/WolfBei der Verleihung des Forschungspreises

Drei ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, drei verschiedene Forschungsbereiche und drei Arten der Forschung: Die diesjährigen Landes-Forschungspreisträger zeigen eindrucksvoll, in welcher Bandbreite Spitzenwissenschaft bei uns betrieben wird.



Das Verhalten von Molekülen. Am bekanntesten ist die Physikerin Claudia Ambrosch-Draxl. Seit vielen Jahren sorgen ihre Arbeiten - angesiedelt in der atomaren und molekularen Welt der Physik - immer wieder für Aufsehen. Ursprünglich war sie an der Universität Graz tätig, erhielt in jungen Jahren bereits einen Ehrendoktor der Universität Uppsala und sorgt seit einigen Jahren für aufregende Erfolge an der Montanuniversität Leoben. Erst kürzlich gab es wieder einen Beitrag von ihr und einigen anderen Kollegen, der in der Top-Zeitschrift "Science" erschienen ist. Berechnet wurde, wie sich Moleküle an Oberflächen verhalten.

Förderung von Mädchen. Fast ironischerweise wird die gebürtige Villacherin dabei vom Hochleistungscomputer namens "Adam" unterstützt. Und das an der männerlastigen Montan-Uni. Ironisch deshalb, weil Ambrosch-Draxl sich seit vielen Jahren leidenschaftlich für die Förderung von Mädchen und Frauen in den Naturwissenschaften engagiert. Sie selbst wurde vor drei Jahren zur österreichischen "Forscherin des Monats" gewählt.

Suizid-Forschung. Eine gänzlich andere Richtung schlug der Leobener Carlos Watzka ein. Der Soziologe widmete sich der Suizid-Forschung. Er förderte dabei Erstaunliches zutage. So ist weithin unbekannt, dass die Steiermark Rekordhalter bei Selbstmorden in Österreich ist (rund 300 jährlich) und Österreich selbst an der Spitze der Selbstmord-Länder steht. Watzka ging an der Uni Graz der Frage nach, inwieweit die soziale Situation zum Auslöser für den Freitod wird. Er konnte nachweisen, dass Menschen mit schlechten wirtschaftlichen Karten wesentlich häufiger den Selbstmord als finalen Ausweg wählen als Menschen, denen es materiell gut geht.

Bildgebende Verfahren. Der Neurologe Christian Enzinger hingegen beschäftigt sich an der Medizin-Universität Graz mit Schlaganfall-Patienten. Mit modernen bildgebenden Verfahren (Magnetresonanz etwa) untersucht der gebürtige Knittelfelder, was sich bei der Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten im Gehirn tut. Während die Patienten lernen, Arme und Beine wieder zu bewegen, gehen nämlich erstaunliche Anpassungsvorgänge im Gehirn vor. Andere, nicht geschädigte Hirnareale übernehmen die "Denkarbeit". Ziel seiner intensiven Untersuchungen ist es, den Rehabilitationsprozess zu verbessern und zu beschleunigen, dabei werden auch Übungsroboter und Laufbänder (zum Trainieren der Extremitäten) verwendet.

NORBERT SWOBODA

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