Asyldebatte: Voves beruhigt wegen Flüchtlingslager
Steirischer Landeshauptmann äußert sich zur geplanten Außenstelle von Traiskirchen vorsichtig: "Nichts ist spruchreif". VP, FP, BZÖ üben Kritik. BZÖ spricht sich außerdem gegen das Schubhaftzentrum in Leoben aus.

Foto © Kleine Zeitung DIGITAL/Erwin ScheriauFranz Voves
In der Steiermark kritisieren FPÖ bzw. BZÖ die
Überlegungen zu einem möglichen Standort eines Flüchtlingslagers im
Süden Österreichs neben Thalham und Traiskirchen bzw. eines
Schubhaftzentrums in Leoben. Seitens der SPÖ sah Landeshauptmann
Franz Voves die Sache gelassen: Es gebe darüber keine Informationen
an ihn, nichts sei spruchreif. Deshalb werde er die Sache auch nicht
weiter kommentieren, hieß es aus dem Büro Voves am Mittwoch. Die ÖVP
übte dafür heftige Kritik an Voves.
Länder, die Quote nicht erfüllen. Der Süden Österreichs erstrecke sich von Osttirol bis ins
Südburgenland, hieß es seitens der SPÖ. Es sei eher damit zu rechnen,
dass jene Länder in Frage kämen, die ihre vereinbarte Quote bei der
Aufnahme von Flüchtlingen nicht erfüllten. Der steirische
Soziallandesrat LHStv. Kurt Flecker hatte in dieser Angelegenheit
stets betont, dass die Steiermark ihre Verpflichtungen bei der
Flüchtlingsunterbringung erfülle, mehr als andere Bundesländer.
Derzeit liege die Aufnahmequote in der Steiermark bei 91 Prozent oder
3.135 Menschen. Niederösterreich rechne laut dem Büro Flecker die in
Bundesbetreuung in Traiskirchen stehenden Menschen in die Landesquote
mit hinein, sonst hätte man auch dort nicht 100 Prozent.
Inhalte werden verschwiegen. Der steirische VP-Landesgeschäftsführer Bernhard Rinner erklärte,
es sei "offensichtlich, dass Voves den Steirern wichtige Inhalte des
von ihm unterstützten Regierungsabkommens verschweigt." Dieser habe
das Regierungsübereinkommen, das auf Seite 105 den Bau einer
zusätzlichen "Erstaufnahmestelle im Süden Österreichs" ausdrücklich
vorsehe, unterstützt und über den Klee gelobt, sagte Rinner. Sollte
der LH jedoch wirklich nichts von den Plänen der Regierung von
Werner Faymann wissen, wäre das sogar noch schlimmer.
Leoben. Für die beiden steirischen FPÖ-Abgeordneten Gerhard Kurzmann und
Mario Kunasek dürfe es "kein zweites Traiskirchen im Süden
Österreichs" geben, die Steiermark sei mit dem möglichen
Schubhaftzentrum Leoben ausreichend bedient. LH Voves solle den
Steirern deshalb ehrlich sagen, welche Kenntnisse zum Standort des
geplanten Traiskirchen II er aus den Regierungsverhandlungen in
Erfahrung bringen habe können. Die ÖVP, "die sich jetzt plötzlich
kritisch zu dem Vorhaben eines südlichen Erstaufnahmezentrums für
Asylwerber äußert, verspielt auch in dieser Frage jeden kleinsten
Rest von Glaubwürdigkeit", so Kunasek. Schließlich sei sie maßgeblich
mitverantwortlich für die aktuellen Zustände. Kurzmann meinte, "im
Schulterschluss mit der Bevölkerung können wir uns ohne weiteres auch
direktdemokratische Formen des Protests wie etwa Demonstrationen
vorstellen".
BZÖ gegen Schubhaftzentrum. Das steirische BZÖ hingegen ist gegen ein mögliches
Schubhaftzentrum in Leoben und brachte am Dienstag in der
Sondersitzung des Nationalrates einen Entschließungsantrag dagegen
ein. Die Bundesregierung solle von dem Vorhaben Abstand nehmen.
Einerseits bestehe keinerlei Notwendigkeit, ein derartiges Zentrum in
einer Stadt zu errichten. Andererseits sei die verkehrstechnische
Lage "für ein solches Vorhaben denkbar ungünstig, wenn man zügige
Abschiebungen gewährleisten will", so der steirische BZÖ-Chef und
Abgeordnete Gerald Grosz. Dieser Antrag sei die Nagelprobe für die
SPÖ. Wenn diese gemeinsam mit FPÖ und BZÖ den Antrag unterstütze,
seien die Pläne Geschichte, so Grosz. Die SPÖ mache ja in Leoben
gegen das Zentrum mobil.








