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Zuletzt aktualisiert: 11.08.2008 um 17:54 UhrKommentare

Wann ist ein Mann ein Mann?

Die Männerberatung hilft Tätern und damit auch den Opfern. Die Wurzeln von Gewalt liegen in Erziehung und traditionellem Rollenbild.

Ein Mann, 45, leicht beleibt, keine besonderen Kennzeichen - ein Durchschnittsbürger. Dieser Mann hat seine Tochter zwei Jahre lang sexuell missbraucht. Der abstinente Alkoholiker ist erst kürzlich aus mehrjähriger Haft entlassen worden. Bereits in seiner Jugendzeit war er wegen Gewaltanwendung auffällig geworden. Ein Fall aus der Beratungspraxis der steirischen Männerberatungsstelle.

Hilfe bei Beratungsstelle. In Österreich wurden vergangenes Jahr rund 85.000 "strafbare Handlungen gegen Leib und Leben" und rund 3000 gegen das "Sexuelle Selbstbestimmungsrecht" angezeigt. Betroffene können in der Männerberatung Graz täglich auf psychosoziale und soziotherapeutische Hilfe zurückgreifen. Viele kommen jedoch nicht freiwillig, sondern müssen nach verbüßter Strafe eine behördlich zugewiesene Therapie beginnen. "Das Therapieprogramm wird individuell gestaltet, die ganze Familie wird mit einbezogen", erklärt Joachim Voitle von der Männerberatung. Für Täter ein möglicher erster Schritt auf dem langen Weg zum Neubeginn. Laut einer aktuellen österreichischen Studie sinkt die Rückfallsrate bei therapierten Sexualstraftätern um mehr als zehn Prozentpunkte auf rund 20 Prozent.

Streit in Bundesebene kaum Thema. Die Männerberatung lud zuständige Politiker ein, zum Thema "(Männer)Gewalt in Familie und Gesellschaft" Strategien zu entwickeln und konkrete Projekte in ihrem politischen Handlungsfeld vorzustellen. Von der Streiterei auf Bundesebene über das Gewaltschutzgesetz war dabei wenig zu bemerken.

Respekt voreinander. Prävention muss an erster Stelle stehen, darin waren sich alle Beteiligten einig. Dabei sehen sie bereits im frühen Kindesalter Handlungsbedarf. "Gewaltfreiheit beginnt bei einem liebevollen und respektvollen Umgang miteinander, besonders in der Familie", betont die Grazer Gemeinderätin Sissi Potzinger. Über die Steuerpolitik müssten Familien auch existenziell abgesichert werden, denn oft seien finanzielle Sorgen der Auslöser von Gewalt.

Prävention. Landesrätin Bettina Vollath und Landtagsabgeordnete Martina Schröck sehen den Schwerpunkt in der Prävention. Das traditionelle Männerbild müsse hinterfragt und junge Männer dabei unterstützt werden, sich neue Fähigkeiten anzueignen. Nicht Einzelne, sondern die gesamte Bevölkerung müsse sensibilisiert werden, damit Gewaltakte rechtzeitig erkannt und verhindert werden können.

ANJA RAUTER, ROMANA SCHNEEBACHER

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