"Der Herrgott hat mir die Stimme gegeben"
Seit mehr als 80 Jahren singen Edeltrude Mallner (bald 89) und Maria Zötsch (90) beim Kirchenchor in Kammern. Beide haben große Freude daran und bleiben dem Singen treu.

Foto © Johanna BirnbaumEdeltrude Mallner (l.) und Maria Zötsch singen seit mehr als 80 Jahren beim Kirchenchor in Kammern
Vor einer Woche hat sich Maria Zötsch aus Kammern noch bei Pater Koloman Viertler ihr Geburtstagsgeschenk abgeholt: ein Busserl. Gleich nach der Palmsonntags-Messe. "Das hat er mir versprochen, und das habe ich mir auch geholt", erzählt sie lachend und voller Energie. Und dieses besondere Geschenk gab es auch an einem besonderen Geburtstag, denn immerhin hat Zötsch ihr 90. Lebensjahr vollendet. Den hat ihre Freundin aus Kindertagen, Edeltrude Mallner, noch vor sich. Sie ist ein Jahr jünger. Dennoch halten die beiden Damen einen Rekord: Seit mehr als 80 Jahren singen beide aktiv im Kirchenchor ihrer Heimatgemeinde.
"Meine Mutter war 55 Jahre lang Organistin in Kammern. Sie hat uns schon, als wir noch klein waren, mit hinauf auf den Chor genommen", erzählt Mallner. "Bah, und das war eine große Ehre. Denn wir haben uns ja nicht einmal g'scheit hinaufschauen getraut", wirft Zötsch ein. "Ich musste die Orgel treten, da war ich so fünf Jahre alt", wirft Mallner ein. Und da die Mutter auch den Kirchenchor leitete, war die Gesangskarriere der Tochter und ihrer Freundin besiegelt.
Damals, also vor 80 Jahren, habe es am Sonntag Nachmittag noch die Litanei und den Segen gegeben. "Da sind wir immer hingerannt. Gleich im Anschluss war dann Singstunde. Die haben wir nicht versäumt", erzählen die beiden Damen. Und Zötsch fügt hinzu: "Auch später noch. Wir haben viel arbeiten müssen, ich im Gasthaus meines Onkels. In die Kirche zu gehen und zu singen waren das einzige Freizeitvergnügen, das wir hatten."
Und das Singen war für sie immer die allergrößte Freude. "Ich habe mit so großer Freude gesungen, dass es mir auch nie etwas ausgemacht hat, vom fünf Kilometer entfernten Kammerner Ortsteil Wolfgruben zur Probe zu gehen. Auch täglich, wenn es sein musste", erzählt die rüstige Altbäuerin. Mallner wirft ein, dass auch sie, bis auf ihre Internatsjahre in Admont und ein halbes Jahr im Mürztal, immer Kammern und der Kirche dort treu geblieben war. So zog Jahr für Jahr ins Land, und nun sind es schon mehr als 80 Jahre, in denen die beiden Sängerinnen ihrem Kirchenchor treu geblieben sind. Obwohl sie sich nicht immer so wohlfühlen. "Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Jungen mit uns Alten keine so große Freude mehr haben. Aber ich denke mir immer, der Herrgott hat mir die Stimme gegeben, damit ich singen kann. Und solange es noch geht, steige ich hinauf auf den Chor."
Steiler Weg
Dieser Weg ist allerdings beschwerlich für die Vollblutsängerinnen. Maria Zötsch braucht einen Stock, damit sie ihren Schwindel in den Griff bekommt: "Ich bin früher fast auf allen Vieren die steilen Steigen hinauf auf den Chor. Jetzt haben sie mir einen Strick gemacht, an dem ich mich gut anhalten kann", erzählt sie und sagt zu Edeltrude Mallner: "Du kommst jetzt sicher auch hinauf." Mallner geht auf Krücken, aber singen will sie weiterhin. "Der Weg ist ja nicht so weit, ich wohne gleich neben der Kirche", sagt sie mit dem Kopf nickend. Und: "Ja, am Sonntag komme ich wieder hinauf."
Am liebsten haben die beiden immer lateinische Messen gesungen. "Die kleine und die große Festmesse. Das war immer wunderschön", beginnt Mallner zu schwärmen. Und Zötsch fügt hinzu: "Mit dem Modernen fange ich nicht so viel an."








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