"Betrug am Konsumenten muss sofort aufhören"
In einer kritischen Situation vieler Bauern wird der Steirer Fritz Grillitsch am Samstag erneut zum Chef des ÖVP-Bauernbundes gewählt.

Foto © Reuters/SujetFritz Grillitsch
Die neuerdings ungewohnt scharfe Kritik der Agrarier an der EU sorgt nun offenbar für Bewegung in Brüssel. Zufrieden?
FRITZ GRILLITSCH: Die Ignoranz der Kommission, mehr zu tun, um den Markt zu entlasten und Milchbauern zu helfen, war nicht mehr zu tolerieren. Daher bin ich froh, dass es jetzt auf allen Ebenen Druck gibt auf die Kommission.
Und was hat das gebracht?
GRILLITSCH: Jetzt unterstützen sogar Regierungschefs wie Angela Merkel oder Nicolas Zarkozy unsere Anliegen. Wir Österreicher waren federführend mit dabei, auch auf das Europäische Parlament Druck auszuüben, um kurzfristig Maßnahmen zu setzen.
Was geschieht konkret für die Milchbauern?
GRILLITSCH: Es ist wichtig festzuhalten, dass Österreich wie kein anderer Staat Maßnahmen ergriffen hat, um zu helfen. Wir verlängern die Exportförderung, den Bauern werden die Kredite gestundet, und die Auszahlung der Direktzahlungen wird von November auf Oktober vorgezogen.
Heißt das, das Geld kommt früher auf die Konten der Bauern?
GRILLITSCH: Richtig. 435 Millionen Euro kommen in den nächsten Tagen aufs Konto. Außerdem wird auch die Rückvergütung beim Agrardiesel an die Landwirte vorgezogen und es gibt die Milchkuhprämie. Auch wenn diese Maßnahmen noch nicht alle Probleme lösen, muss gesagt werden, dass es in keinem anderen EU-Land Hilfen in diesem Ausmaß gibt. Das verdanken wir unserer agrarischen Interessenvertretung mit den Landwirtschaftskammern, die gerade von einigen Milchbauern so stark kritisiert werden. In dieser Situation kann man sagen: Gott sei Dank haben wir die Kammern.
Welche konkreten Hilfen müssen noch kommen?
GRILLITSCH: Es muss eine Verarbeitungsprämie für die Lebensmittelindustrie kommen, damit wieder mehr Milch im Speiseeis oder in Backwaren enthalten ist und nicht Palmöl oder sonst irgendein Pflanzenfett.
Heißt das, dass diese von den Bauern verlangte Förderung der Lebensmittelwerke bewirken soll, die Butterberge und Milchseen wieder abzubauen, die es jetzt durch die Marktintervention der EU wieder gibt?
GRILLITSCH: Hier geht es um riesige Mengen Pflanzenfett, die eine unlautere Konkurrenz zur Milch bilden. Deshalb ist es so wichtig, der Industrie einen Anreiz zu geben, wieder mehr Milch zu verwenden. Das würde den Milchbauern rasch helfen.
Es geht also um Mittel dagegen, dass die Industrie statt Milch Analogkäse und andere Schwindelprodukte einsetzt. Ist das nicht ein Beschwindeln der Konsumenten?
GRILLITSCH: Ganz richtig, das ist Betrug am Konsumenten. In Österreich sind wir da schon ziemlich weit. In der Lebensmittelkodex-Kommission haben wir durchgesetzt, dass bei Analogkäse das Wort Käse nicht mehr verwendet werden darf.
Das gilt für Österreich, aber was ist mit dem großen EU-Markt?
GRILLITSCH: Es ist auch eine unserer Forderungen, dass die EU-Kommission und das Parlament unverzüglich handeln, damit dieser Betrug an den Konsumenten im Handel und in der Gastronomie aufhört.








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