Schleuderplatte und Fliehkraft als Herausforderung
Die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (Auva) und der Öamtc luden in Kalwang zu einem Fahrsicherheitstraining, um zu zeigen, wie wichtig richtiges Reagieren in Gefahrensituationen auf der Straße ist.

Foto © Kleine Zeitung/Johanna BirmbaumDas Team vom ÖAMTC-Kalwang ist um Ihre Sicherheit bemüht
Wenn der Seitenspiegel der vorderste Teil des Autos wird, dann haben wir verloren", sagt Otto Schönlechner, Instruktor im Fahrsicherheitszentrum Kalwang und ehemaliger Rallye-Beifahrer-Staatsmeister. Und besagter Seitenspiegel ist oft der vorderste Teil des Autos, wenn die Schleuderplatte, eine hydraulisch bewegliche Betonplatte, zum Einsatz kommt. "Ihr fahrt jetzt mit 50 oder 60 km/h auf die Platte zu, und dann müsst ihr euch merken, gegen die Schleuderrichtung lenken und in Fahrtrichtung. Wichtig dabei ist auch die Blicktechnik. Schauen, schauen und noch einmal schauen. Denn es kann ja nach dem Schleudern noch ein Hindernis auftauchen", führt Schönlechner in seinem unverkennbaren Ennstaler Dialekt aus, ehe er das erste Parieren der Platte und der Wasserhindernisse lobt. "Ja, sehr gut, mit Gefühl am Hindernis vorbei. Gut. Der nächste", fordert der erfahrene Fachsicherheitstrainer auf. "Oje, da spürt man die Fliehkräfte in der Kurve", ist Schönlechner wieder zu hören.
Gutes Training. Rallye-Weltmeister Andreas Aigner ist mit Bernd Löffler vom Öamtc beim Kurvenanfahren auf schmierigem Belag mit Hindernissen im Einsatz. Geduldig werden Fehler mittels Funk besprochen und korrigiert. Es wird aber auch viel gelobt. "Die Autos können heutzutage soviel, dass die Technik sehr mithilft, wenn eine Notsituation auftaucht. Das Wichtigste ist aber dennoch, dass man konzentriert fährt und sich nicht durch Handys oder anderes ablenken lässt. Unabdingbar ist auch, das Lenkrad gut festzuhalten und nicht lässig nur mit den Handflächen zu bedienen", sind sich die drei einig.
Blicktechnik. "Ja, wunderbar gelöst. Die Blicktechnik ist enorm wichtig beim Fahren. Man muss nicht das Hindernis fixieren, sondern den Weg am Hindernis vorbei", ist Schönlechner durch das Funkgerät zu hören. In der Zwischenzeit dreht Chef-Instruktor Hubert Trattner, sechsfacher Enduro-Staatsmeister, auf dem Öamtc-Fahrsicherheitsgelände in Kalwang seine Runden und erklärt das richtige Kurvenfahren - theoretisch und praktisch. Immer und immer wieder werden die Übungen wiederholt, damit sie ins Blut übergehen. "Ziel solcher Fahrsicherheitstrainings ist unter anderem, dass die Teilnehmer ihr Fahrzeug besser kennenlernen, kritische Situationen besser einschätzen lernen und richtig darauf reagieren", erläutert Trattner.
Richtiges Reagieren. "Viele Menschen sind beruflich viel mit dem Auto unterwegs oder nutzen die Freizeit zum Motorradfahren. Dabei ist Sicherheit und richtiges Reagieren in Gefahrensituationen einfach wichtig", erklären Rudolf Mayer, Direktor der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (Auva) in der Steiermark und Paul Pucher, Verwaltungsdirektor am Unfallkrankenhaus Kalwang unisono. Als Präventionsmaßnahme seien solche Fahrsicherheitskurse deshalb unheimlich wirkungs- und sinnvoll. Und beide führen eine Statistik an. 10.000 Wegunfälle passierten jährlich, 40 Prozent davon mit mehrspurigen Fahrzeugen. "Aus diesem Grund haben wir die Aktion ,Arbeitsplatz Straße' ins Leben gerufen. Seit 20 Jahren arbeiten wir mit Fahrtechnikzentren in ganz Österreich zusammen, um das Fahrverhalten von Berufsfahrern wirklich dauerhaft zu verbessern", lassen die beiden wissen.
Features
Fahrsicherheit
Öamtc-Fahrsicherheitszentrum II in Kalwang ist seit 7. September 2004 in Betrieb.
40.000 Quadratmeter mit drei Trainingspisten, für Pkw, Motorräder, Lkw, Tankwagen und Busse stehen zur Verfügung.
Die Auva-Landesstelle Graz ist für die Bundesländer Steiermark und Kärnten zuständig.
Damit wird das Fahrsicherheitstraining für 2000 Pkw-Lenker und 1000 Lkw-Lenker gefördert.
Die Kursteilnehmer müssen Versicherte der Auva und Berufslenker sein.
Gefördert werden auch Schulbuslenker, Hauptamtliche und Freiwillige des Roten Kreuzes, des Samariterbundes, der Feuerwehr und vergleichbarer Organisationen sowie Berufstätige, die mehr als 50 Prozent im Außendienst tätig sind.








