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Zuletzt aktualisiert: 06.03.2011 um 07:00 UhrKommentare

Die "Weiße Spinne" im Winter besiegt

Walter Almberger gehörte zur Seilschaft, die 1961 die Eiger-Nordwand erstmals im Winter bezwang.

Walter Almberger mit dem Eisbeil, mit dem er vor 50 Jahren die Eiger-Nordwand im Winter erklomm

Foto © KanizajWalter Almberger mit dem Eisbeil, mit dem er vor 50 Jahren die Eiger-Nordwand im Winter erklomm

Mit glänzenden Augen zeigt Walter Almberger (77) einen Stapel Schwarz-Weiß-Fotos. Vor genau 50 Jahren wurden sie in der Eiger-Nordwand geschossen, als der Hieflauer gemeinsam mit den Deutschen Toni Kinshofer, Toni Hiebeler und Anderl Mannhardt erstmals die Eiger-Nordwand im Winter durchstieg. "Das Geld für die Ausrüstung, die wir im Fall des Scheiterns selbst bezahlt hätten, habe ich mit Tanzmusikspielen verdient, oft bis drei Uhr früh."

Am 27. Februar 1961 begann das Abenteuer in der Eiger-Nordwand, wo ein Materiallager errichtet wurde. "Plötzlich gab es einen Wettersturz, Schneelawinen überraschten uns. Es war höchste Zeit, aus der Wand zu kommen", schildert Almberger.

Eine Woche lang fuhren die Bergsteiger Schi, ehe am 6. März ein neuer Versuch gestartet wurde. "Für mich bestand nie ein Zweifel, dass wir das schaffen", sagt der 77-Jährige, der sich an dramatische Momente erinnert: "Toni Kinshofer ist einmal sechs Meter ins Seil gestürzt. Er hat gesagt, der Sturz sei ihm entgegengekommen, weil er dort einen sicheren Stand hatte, wo er aufgekommen ist."

Nur langsam kamen die vier Kletterer in der vereisten Wand voran, als am vierten Tag auch noch das Wetter schlechter wurde. Erst am sechsten Tag legte sich der Schneefall. "Allein an diesem Tag haben wir 650 Klettermeter bewältigt. Damals haben uns die Leute schon abgeschrieben, weil wir so lang unterwegs waren", so der 77-Jährige.

Erfrierungen erlitten

Die sechste Nacht bleibt Almberger in schmerzhafter Erinnerung. Die Bergsteiger mussten sitzend auf einem nach oben hin spitz zulaufenden Eisfeld übernachten. Dabei erlitt der Extrembergsteiger Erfrierungen, ein großer Zeh musste später amputiert werden.

Am 12. März 1961, der siebente Tag in der Wand, erreichte die Seilschaft um halb zehn Uhr früh den Gipfel. Beim Abstieg über die Westflanke kamen den erfolgreichen Kletterern die Bergsteiger Hilti und Kaspar von Almen sowie Robert Seiler entgegen. "Die haben uns Champagner mitgebracht. Weil ich so durstig war, habe ich einen großen Schluck genommen. Da bin ich mit einem leichten Schwips abgestiegen."

Schon früh war der Obersteirer sportlich aktiv, spielte im örtlichen Verein Fußball. Aufgrund seiner "desolaten Jugend" zog sich Almberger immer mehr zurück und suchte sein Heil in der Einsamkeit in den Gesäuse-Wänden. "Mit 17 war ich Extremkletterer. Meine Tourenberichte aus der Zeit umfassen bis zu 84 teils schwerste Touren pro Jahr." Seine alpine Heimat kennt der "Hausherr des Gesäuses" seither wie seine Westentasche.

Ab 1951 war Almberger mit selbst geschustertem Schuhwerk unterwegs. "Mein Vater war Schuhmacher, von ihm habe ich mir das abgesehen", erinnert sich der Hieflauer. Er war einer der Ersten, der mit gummibesohlten Kletterschuhen unterwegs war. "Ich habe von einem alten Autoreifen den Gummi abgeschnitten und daraus die Sohle gebastelt", lacht Almberger. Nach dem Eiger-Erfolg engagierte Luis Trenker den Steirer sogar für seine Filme. 1962, als ein Mitglied der Crew mit einer Darstellerin des Films "Sein bester Freund" durchbrannte, wurde Almberger von Trenker ins Team beordert. "Im Jahr darauf wurde ich dann von Trenker in die Dolomiten eingeladen, um bergsteigerische Details für einen zweiteiligen Fernsehfilm zu drehen." Als Geschenk bekam Almberger das selbst gedrehte Filmmaterial.

Auch mit Reinhold Messner ist der Steirer geklettert, mit dem Südtiroler hat er die Makalu-Südwand in Nepal bewältigt.

Heute ist das Zitherspielen die große Leidenschaft des 77-Jährigen. "Acht Stunden kann ich ohne Noten durchspielen", sagt er. Das Klettern hat Almberger auch noch nicht aufgegeben: "Der Schwierigkeitsgrad drei bis vier ist auch heute kein Problem."

RAINER BRINSKELLE

Zur Person

Walter Almberger wurde am 9. Juli 1933 geboren. Der Eisenerzer lebt mit seiner zweiten Ehefrau Antonia in Hieflau.

Hauptberuflich arbeitete der Steirer bis 1963 untertags, danach als Steiger am Erzberg. Seit 1987 ist er in Pension.

1961 bekam Almberger gleichzeitig mit Schifahrerin Traudl Hecher den "Bronzenen Diskuswerfer" als steirischer Sportler des Jahres verliehen.

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Foto © Repro: Kanizaj

Bild vergrößernWalter Almberger 1961Foto © Repro: Kanizaj

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Bild vergrößernAlmberger (rechts) mit Toni Kinshofer Foto © Repro: Kanizaj

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