Kinder sind dankbar für jeden Bissen Brot
Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich die steirische Caritas in Rumänien, einem der ärmsten Länder Europas. Besonders den Kindern möchte man helfen - mit Essen und Bildung.

Foto © BREITLERCosmin Petridsor Gavra (Mitte) ist seit acht Monaten auf das Essen und ein Bett im Nachtasyl angewiesen
"Antonescu, Gheorghe, Ioanescu, Gavra" - mit lauter Stimme liest der Mitarbeiter der Caritas im westrumänischen Temesvar Namen von einer Liste ab. An diesem Abend insgesamt 110. Das ist die Anzahl der Obdachlosen, die heute im Pater-Jordan-Heim, dem Nachtasyl von Temesvar, einen Schlafplatz und eine warme Mahlzeit bekommen. "Wir haben zwar nur 87 Betten, aber die Menschen sind schon froh, wenn sie sich ein paar Stunden lang aufwärmen können", sagt Herbert Grün, Leiter der Caritas Temesvar, während draußen bei Minusgraden ein kalter Wind ums Haus pfeift.
Geduldig und mit viel Disziplin holen sich die Menschen ihr Gulasch mit Polenta. Einer davon ist der vierjährige Cosmin Petridsor Gavra, der mit seinen Eltern und seinen beiden Brüdern bereits seit acht Monaten im Nachtasyl eine Zuflucht findet und so zumindest einmal am Tag warm essen kann. "Mein Mann sucht Arbeit, kriegt aber keine", erzählt Cosmins Mutter, Viorica Gavra. Hin und wieder verdinge er sich als Tagelöhner. Das reiche aber bei Weitem nicht, sich eine Mietwohnung zu leisten. Ein Lichtblick für die Familie ist Cosmins älterer Bruder, Daniel Darius, der eine angesehene katholische Privatschule besucht. "Er hat dort alles nur Einser", sagt die Mutter. Insgesamt sind in Rumänien geschätzte 15.000 Menschen ohne Obdach. "Asta e viata - so ist das Leben", sagt Viorica und begibt sich ins Massennachtlager.
Das Pater-Jordan-Heim ist eine von zwölf Einrichtungen in Rumänien, die von der Caritas der Diözese Graz-Seckau seit Jahren unterstützt werden. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Unterstützung von Kindern, sei es mit Essen oder auch Bildung.
"Rumänisches Eisenerz"
Eine Institution, die beides verbindet, ist die Sozialküche in dem rumänischen Bergdorf Nadrag. Bis vor 25 Jahren bot dort der Erzabbau fast 2800 Menschen Arbeit. Nach der Revolution 1989 wurden die Anlagen geschlossen. Rund 70 Prozent der Einwohner sind derzeit arbeitslos.
Um den ärmsten Familien unter die Arme zu greifen, bietet die Sozialküche 37 Kindern ein warmes Mittagessen sowie Unterstützung bei den Hausaufgaben. Aber auch für die ältere Bevölkerung gibt es Hilfe. "Wir kochen für 40 Senioren", erzählt Rudolf Hutanu, Leiter des Hauses. Auf etwas ist Hutanu aber besonders stolz: auf die neue - von der steirischen Caritas mitfinanzierten - Heizung. Bei dem Gedanken daran schießen Hutanu nach wie vor die Tränen in die Augen. Endlich sei es vorbei, dass sich im Winter alle Kinder um den einen Holzofen tummeln müssen.
Auch in der Kleinstadt Periam wird von der steirischen Caritas eine Tagesstätte für Kinder unterstützt. Rund 400 Roma-Familien leben - großteils arbeitslos - in Periam. 47 Roma-Kinder verbringen in der Tagesstätte einen Gutteil ihrer Freizeit - sie lernen, spielen und bekommen etwas zu essen. Lehrerinnen geben Nachhilfe. "Viele der Eltern sind Analphabeten und können den Kindern nicht helfen", erzählt Brigitte Kroutil-Krenn, Leiterin der Auslandshilfe der Caritas Steiermark. Das gemietete Haus platzt schon fast aus den Nähten. Für den Kauf eines größeren Hauses fehlen aber noch die Mittel.
Features
FAKTEN
Im Jänner und Februar lenkt die Caritas den Blick auf die Not von Kindern in den ärmsten Ländern Europas - wie zum Beispiel Rumänien.
In den Schwerpunktländern wird vor allem mit lokalen Caritas-Organisationen sowie auch mit kirchlichen und zivilgesellschaft-lichen Organisationen zusammen-gearbeitet.
Schon mit einer Spende von 30 Euro kann man einem rumänischen Straßenkind oder Sozialwaisenkind einen Monat lang eine Mahlzeit schenken - sowie (soziale) Wärme in den Einrichtungen.
Spenden bitte an das Caritas-Spendenkonto PSK 7.925.700, Bankleitzahl 60.000, Kennwort: "Kinder in Not in Europa".







