Schräge Töne aus den Musikschulen
Es gärt in den steirischen Musikschulen: Direktoren sehen Mängel bei der Begabtenförderung und machen das Land verantwortlich. Dort sieht man das anders.

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Misstöne gibt es in der steirischen Musikschullandschaft. Einige Direktoren liegen mit Vertretern des Landes im Clinch. Die Begabtenförderung an den kommunalen Musikschulen liege im Argen, warnen die Direktoren, allen voran Walter Rehorska, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Musikerziehung Österreich (AGMÖ): "Für eine gezielte Talenteförderung gibt es an den überfüllten Musikschulen kaum Ressourcen", sagt Rehorska.
Das zeige sich auch daran, dass sich die Ergebnisse der steirischen Musikschulteilnehmer bei Wettbewerben wie "prima la musica" im Bundesländervergleich verschlechtert haben.
"Es gibt spürbare Qualitätsverluste", sagt auch Gerhard Freiinger, Direktor der Musikschule Eisenerz und Vorsitzender des Musikschulbeirates im Land, einem beratenden Gremium.
Kritikpunkt Nummer zwei im Zusammenhang damit: Die Fachabteilung für die Musikschulen des Landes sei mit "Fachfremden" besetzt, die im Grunde, so Freiinger, mit Musikschulen inhaltlich nichts zu tun hätten. Dem Beirat werde zudem zu wenig Gehör geschenkt. Das zeige sich auch darin, dass dieser vom Land nicht mehr einberufen worden sei.
"Nicht schlechtreden"
Als Gründe für den Qualitätsverlust sehen die Direktoren ein ineffizientes System: überfüllte Klassen und eine falsche Mittelverteilung. "Die Musikschullehrer arbeiten in ihrer Freizeit, um Begabte zu fördern", sagt Rehorska. Ein Großteil der Fördermittel für Begabte würden in das Johann-Josef-Fux-Konservatorium des Landes fließen, dessen Teilnehmer bei den Wettbewerben auch entsprechend gut abschneiden.
Anders klingen die Töne aus dem Land. Man versteht die Aufregung nicht. "Mit dieser Kritik tut man unserem musikalischen Nachwuchs klar Unrecht - man soll die musikbegeisterte Jugend nicht schlechtreden", sagt Bildungslandesrätin Elisabeth Grossmann. Recht gibt sie den Kritikern aber darin, dass die Musikschulen reformbedürftig sind: "Das wird aber noch in dieser Legislaturperiode geschehen."
Toni Maier, der Leiter des Johann-Josef-Fux-Konservatoriums, sieht bei der Begabtenförderung an Musikschulen ebenfalls Änderungsbedarf. "Dem Musikland Österreich ist die Zeit davongelaufen." Es sei aber Sache der Direktoren und Gemeinden, Begabtenstunden zu genehmigen. Dass es in den Musikschulen verstärkt Partnerunterricht gibt, sieht er als Problem. "Aber diese Unterrichtsform haben die genannten Herren im steirischen Musikschulwerk befürwortet", so Maier.
Die "fachfremde Verwaltung" im Land ist für ihn kein Grund für Kritik: "Es gibt im Landesschulrat ja bereits einen Fachinspektor für Musik."
Features
Musikschulwesen
Die 48 Trägergemeinden sind Erhalter der Musikschulen. Sie unterliegen dem Privatschulgesetz des Bundes. Für Musikschulen stellen sie Mittel bereit. Sie stellen die Lehrer an, bezahlen sie und sorgen für Räumlichkeiten und Ausstattung.
Das Land Steiermark fördert die Musikschulen mit etwa der Hälfte der All-In-Kosten.
Die Elternbeiträge für den Musikunterricht ihrer Kinder liegen bei maximal 325 Euro pro Jahr.
Der Bund hat das Privatschulgesetz erlassen, er ist auch für die Fachaufsicht zuständig.







