Viele Münichtal-Mieter haben Angst vor Schuldzuweisungen
Bei einer Bürgerversammlung im Saal der Musikschule Eisenerz kamen die Ängste der Mieter deutlich zum Vorschein. Weitere Gespräche sollen dagegen helfen.
Seit 37 Jahren wohnt Hans Zaiser mit seiner Frau in einer knapp 60 Quadratmeter großen Wohnung in der WAG-Siedlung Münichtal in Eisenerz. Jetzt soll er ausziehen, weil - vorerst im Kernbereich der Siedlung - eine Ferienwohnungsanlage entstehen soll. Ihm geht es dabei wie Mietern von knapp 90 anderen Wohnungen. "Wir haben uns schon einige Wohnungen angeschaut, im Ortsteil Trofeng, aber da ist es teilweise sehr steil und wir werden ja älter. Ich werde umziehen und hoffe, in der Innenstadt etwas zu bekommen", erzählt er. In die alte Wohnung habe er erst kürzlich investiert, eine neue Küche zum Beispiel. "Es fällt schwer, aber ich werde mich nicht verschließen, wenn es um einen Umzug geht."
Und genau um diese Umzüge, Gerüchte, Unsicherheiten und konkrete Fragen ging es Dienstag Abend bei einer Bürgerversammlung in der Musikschule Münichtal. Gut gefüllt war der Saal, allerdings nicht voll. Die Anwesenden brachten das Podium - Bürgermeisterin Christine Holzweber, Landeskoordinator für re-design Gunther Hasewend, Gerald Hommer und Christian Schmied von der WAG Linz, sowie Gerald Sark von der Münichtal - Projekt und Verwaltungs GesmbH, den neuen Eigentümern der WAG-Siedlung - unter Zugzwang.
Klartext
Insofern, dass mehr als eine Stunde nach Beginn der Bürgerversammlung Gerald Sark Klartext sprach: "Wenn 40 Mieter im Kernbereich von Cluster I nicht aus ihren Wohnungen ausziehen, ist eine Projektumsetzung nicht möglich. Einzelne Mieter sind allerdings kein Problem."
Und genau das war ein Knackpunkt, denn jedem Anwesenden war durchaus klar, dass die Umsetzung der Feriensiedlung eine große Chance für Eisenerz ist. "Und, wenn wir nicht ausziehen, dann haben wir Schuld daran, dass das Projekt scheitert. Wir werden dann als Schuldige und Verhinderer abgestempelt", brachte es eine Mieterin auf den Punkt. Dem widersprach Holzweber: "Niemand hat dann Schuld. Wir haben uns bemüht, aber dann ist das eben gescheitert", erklärte sie. Überzeugen konnte sie die verunsicherten Mieter aber nicht. Diese haben in erster Linie Angst, dass sie ihr in Wohnungsverbesserungs- und Verschönerungsmaßnahmen investiertes Geld nicht adäquat zurück bekommen. "Wir werden uns jeden einzelnen Fall anschauen und besprechen, wie die beste Lösung ausschauen kann", versicherte Hommer. Auch an den bestehenden Mietverträgen werde der Eigentümerwechsel nichts ändern.
Features
Fakten
Die Münichtal - Projekt- und Verwaltungs GesmbH kaufte 550 WAG-Wohnungen, um dort Ferienwohnungen zu errichten und touristisch zu vermarkten.
Cluster I und Cluster II: besteht aus insgesamt 243 Wohneinheiten, 89 davon sind derzeit noch belegt: Bis Ende 2010 sollen die Wohnungen leer sein, bis Mitte 2011 könnten dort 1000 Betten für Tourismus umgesetzt sein.
Cluster III: 154 Wohneinheiten, 102 sind belegt; Umsetzung 2012.
Cluster IV: 160 Wohneinheiten, bleiben als Wohnungen bestehen.
Einzelne Wohnungen könnten auch innerhalb der Feriensiedlung bestehen bleiben
Mietern werden neue Wohnungen im Stadtgebiet von Eisenerz angeboten.







