100 Jahre Stahlerzeugung in der Steiermark
Vor genau 100 Jahren begann in der Steiermark der Siegeszug der Stahlerzeugung mit dem Elektrolichtbogen. Auch heute noch werden 40 Prozent der Weltstahlproduktion mit diesem Verfahren erzeugt.

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Gewöhnlich macht man sich ja keine Gedanken über den Stahl, der uns umgibt. Im Auto zum Beispiel, im Beton und anderswo. Doch für die Steiermark ist Stahl seit jeher wichtig, der Reichtum des Landes gründet sich auch darauf - und ist jetzt noch davon abhängig.
Idee. Ein entscheidender Durchbruck glückte genau vor hundert Jahren: Die Idee des Franzosen Paul Heroult im Jahr 1906, den elektrischen Strom zur Stahlerzeugung zu verwenden, griff man in der Steiermark sofort auf. 1907 ging in Judenburg das erste Stahlwerk dieser Art in Betrieb, 14 weitere folgten, wovon die meisten in der Steiermark standen. Heute gibt es nur noch drei Werke in Österreich, die nach diesem Verfahren arbeiten, und alle befinden sich in der Steiermark (Kapfenberg, Mitterdorf, Graz). Dazu kommen noch zwei Gießereien in Traisen und Liezen.
Erste Experimente. "Man hat zunächst mit der neuen Idee experimentiert", erzählt Heimo Jäger von der Österreichischen Gesellschaft für Metallurgie. Die einzelnen Hütten waren vergleichsweise klein, und jede erprobte dieses neue Verfahren, bei dem ein Lichtbogen den wichtigsten Teil bildet. "Es entstehen dabei Temperaturen bis zu 3000 Grad. Das ist viel mehr, als man mit der klassischen Art mit Kohle und anderen Brennstoffen erreichen konnte."
Strom. Der Anfang war auch deswegen nicht leicht, weil die Versorgung mit Strom erst am Beginn stand. Gerade in der Obersteiermark wurden entscheidende Fortschritte und Durchbrüche erzielt, damit das Verfahren aus den Kinderschuhen kam. Tatsächlich waren die Steirer ganz an der Spitze der Weiterentwicklung weltweit. Zu Hilfe kam den Betrieben, dass die Nachfrage nach Stahl im Vorfeld und während des Ersten Weltkrieges stark anstieg.
Weltstahlproduktion. Auch 100 Jahre später ist das Elektrolichtbogenverfahren (LBO) keines "altes Eisen". Im Gegenteil: 40 Prozent der Weltstahlproduktion von 1,3 Milliarden Tonnen jährlich werden auf diese Weise gewonnen. "Heute ist es ja so, dass rund 75 Prozent der Welt-Stahlproduktion aus der Wiederverwertung, also vor allem aus Schrott, stammt", sagt Jäger. Und da ist das LBO-Verfahren besonders geeignet.
Mengen. Verfahrenstechnisch ist die LBO-Methode einfacher als ein Hochofen. Heute sind die Mengen, die verarbeitet werden, viel größer als früher (bis zu 400 Tonnen in einem Prozess), was die Effizienz enorm steigert. Österreich produziert zudem auch ganze LBO-Anlagen und verkauft sie erfolgreich in andere Staaten. Und die anderen 60 Prozent der Weltstahlerzeugung? Die werden mit Hilfe des Linz-Donawitz-Verfahrens erzeugt, das ja vor allem eine österreichische Erfindung war - allerdings etwa ein halbes Jahrhundert später.
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Fakten
Seit Donnerstag steht an der Montanuniversität Leoben das Thema 100 Jahre LBO-Verfahren bei der Stahler-
zeugung im Mittelpunkt einer Tagung.
Beleuchtet wird nicht nur die Geschichte des für die Steiermark so wichtigen Verfahrens. Auch eine Exkursion zur Marienhütte Graz steht auf dem Programm.















