LeobenAus für Aktion 20.000: "Ein Keulenschlag für Betroffene"

Das Aus der „Beschäftigungsaktion 20.000“ sei für Betroffene eine Katastrophe, wie WBI-Geschäftsführer Wolfgang Winterer erklärt.

WBI-Geschäftsführer Wolfgang Winterer © Andreas Schöberl-Negishi
 

Dienstag, der erste Arbeitstag des Neuen Jahres, begann für einige Frauen und Männer mit einem Keulenschlag. Was am Wochenende bereits öffentlich wurde, bekamen sie zu spüren: Dienstverträge, die sie im Rahmen der Beschäftigungsaktion 20.000 unterschreiben hätten sollen, hatten keine Gültigkeit mehr, weil die Aktion mit Ende Dezember 2017 eingestellt wurde.

„Bei mir war heute Vormittag schon eine Frau, die ihren Dienstvertrag unterschreiben sollte. Sie ist über 50 Jahre und seit mehr als einem Jahr arbeitssuchend. Ich musste ihr erklären, dass diese Maßnahme für sie keine Gültigkeit mehr hat. Es war eine Katastrophe für sie“, erzählt Wolfgang Winterer, Geschäftsführer des Vereins Wirtschafts- und Beschäftigungsinitiativen GmbH, in Leoben. Sein Verein arbeitet eng mit dem Arbeitsmarktservice und dem Land Steiermark zusammen, bietet Ausbildungen und Beschäftigungsinitiativen an.

„Die Aktion schaut bei uns so aus, dass wir Frauen und Männer, die älter als 50 Jahre alt sind und länger als ein Jahr keine Arbeit hatten, angestellt haben. Dann wurden sie beispielsweise von Gemeinden oder gemeinnützigen Organisationen angefordert und arbeiteten dort. Vor allem für Gemeinden war das eine große Hilfe. Bis auf Radmer und Kraubath haben das auch alle im Bezirk Leoben in Anspruch genommen“, erzählt Winterer.

Bitter

Besonders bitter sei die Einstellung der Aktion für einen Klienten, der 35 Jahre am Bau gearbeitet habe. „Er hat kaputte Knie, einen kaputten Rücken, bekommt aber mit seinen 58 Jahren noch keine I-Pension. Er hätte jetzt bei einer Gemeinde anfangen können, um sein Fachwissen einzubringen. Da wären Arbeiten dabei gewesen, für die sich Gemeinden kein eigenes Personal leisten können“, so Winterer.

Laut Plan hätte man heuer 20 Frauen und Männer in ein Beschäftigungsverhältnis gebracht. „Das heißt, sie hätten nach Ende der Aktion Arbeit gehabt. So stehen sie ohne eine da“, prangert er die Abschaffung der „Aktion 20.000“ an.

Glücklich seien im Moment diejenigen, die vergangene Woche ihre Verträge noch unterschreiben konnten, weil sie mit Anfang Jänner mit ihrer Arbeit über die WBI begonnen haben. „Diese Verträge werden eingehalten, bis sie auslaufen“, erklärt Winterer, der sich vor allem um die Frauen und Männer sorgt, die nun wieder in Sachen Selbstwert und Wertschätzung einen herben Rückschlag erfahren würden.

Aktion 20.000

Ziel der Beschäftigungsaktion 20.000 war die Schaffung von zusätzlichen Arbeitsplätzen im gemeinnützigen Sektor für langzeitbeschäftigungslose Personen, die älter als 50 Jahre sind.

Diese Förderung konnten gemeinnützige Einrichtungen und Vereine erhalten.

Gefördert werden konnte das Arbeitsverhältnis von arbeitslosen Personen, die älter als 50 Jahre und mindestens ein Jahr durchgehend beim AMS vorgemerkt sind.

Kommentare (4)

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goje
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vereine als ams vermittler

solange es vereine gibt, die in diesem markt unter dem deckmäntelchen der gemeinnützigkeit mitmischen, staatlich finanziert versteht sich, gehören aktionen wie diese eingestampft. man darf doch erwarten, dass das ams hier selbst in der lage ist, die vermittlung vorzunehmen. aber nein, es wird verwaltet und verwaltet... für das ende war bereits jetzt schon abzusehen, dass die menschen nach ihrer befristung nicht zwingend von der gemeinde o.a. übernommen werden. das wollte man sich offen lassen. ich kann das „soziale verhalten“ der sozis nicht mehr ertragen. 🤮

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fon2024
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andaman

das einzige das nicht zu ertragen ist dein unnützer Kommentar.

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SoundofThunder
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Und

Als Ausgleich dazu schaffen die den Notstand ab (wird in die befristete Arbeitslose integriert) und ab in die Mindestsicherung.Die bekommt man erst nach Veräußerung des eigenen Vermögens (bis auf Barvermögen von 4189€, ist ein Haus vorhanden steht dann der Staat im Grundbuch drin,das können dann im Erbfall die gesetzlichen Erben vom Staat zurück kaufen oder sie überlassen die Immobilie dem Staat-so nehmen sie dir das Haus weg.),das ist Kurz 4.So schaut Christlich Soziale Politik aus. Erbschaftsteuer für Vermögen über 1Million € ist für die Türkis/Blauen kalte Enteignung,aber ältere Arbeitnehmer deren abgenützte Körper nicht mehr können werden bis aufs letzte Hemd ausgezogen.Früher oder später wird euch die Kurze Flecksuppe serviert.Das Latzerl bei Tisch nicht vergessen.

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StockBoss
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Wenn eine Gemeinde Bedarf hat, dann soll sie bitte jemanden der über 50 ist anstellen

Und wenn sie keinen Bedarf hat, dann eben nicht! Die Steirischen Gemeinden haben 2017 (in Summe) einen Überschuss von über 50 Mio erzielt.

Ich bin dafür über 50 Jährige einzusetzen, aber bitte produktiv und nicht einfach vom Steuerzahler geschenkt für Tätigkeiten, ich zitiere aus dem Artikel, "für die eine Gemeinde bis dato niemanden bezahlen wollte"!

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