Multiresistenter KeimInfiziertem Obersteirer droht lebenslange Isolation

Im Spital Leoben ist ein Obersteirer mit einem multiresistenten Keim infiziert worden. Die Krankheit ist praktisch nicht nur unheilbar, sondern auch auf andere Menschen übertragbar.

© Sujetbild/Kleine Zeitung/Weichselb
 

Seit Jänner 2016 befindet sich der 49-jährige Josef Z. aus Niklasdorf in Quarantäne. Der Grund: Er ist mit einem multiresistenten Keim infiziert. Es handelt sich laut ärztlichen Unterlagen um die sogenannte Pseudomonas 4MRGN, einen Keim, der gegen alle vier Antibiotikagruppen resistent ist. Die Krankheit ist praktisch nicht nur unheilbar, sondern auch auf andere Menschen übertragbar. Deshalb ist der Patient in einem Pflegeheim isoliert untergebracht.

Niemand weiß so recht, wie man mit so einem Menschen umgeht.

Klement Windisch, Sachwalter des Betroffenen
 

„Herr Z. ist praktisch in einem Einzelzimmer gefangen. Ich suche seit einem Jahr nach einer Lösung, habe bis jetzt keine gefunden“, so Klement Windisch, der Sachwalter des Betroffenen. „Es sind offensichtlich alle überfordert. Niemand weiß so recht, wie man mit so einem Menschen umgeht. Muss er ein Leben lang isoliert werden? Da sind so viele Fragen offen.“

Amputation

Die Vorgeschichte: Z. – er ist Diabetiker – wurde im Herbst 2015 der Unterschenkel amputiert. Es kam zu einer Sepsis und einer Wundinfektion. In weiterer Folge war eine Oberschenkelamputation notwendig. Noch während seines Krankenhausaufenthaltes wurde festgestellt, dass sich Josef Z. mit Pseudomonas 4MRGN infiziert hat.

„Herr Z. bräuchte dringend eine Prothese, damit er sich wenigstens ein bisschen fortbewegen kann. Aber dafür ist ein Rehabilitationsaufenthalt notwendig. Doch mit seiner Infektion nimmt ihn keine Klinik auf“, so der Sachwalter. Der Obersteirer wurde im Pflegeheim in Leoben untergebracht, völlig isoliert in einem Einzelzimmer. Besucher und Pfleger dürfen das Zimmer nur in spezieller Schutzkleidung betreten.

Bald werden seine Ersparnisse aufgebraucht sein

Anwältin Karin Prutsch
 

Jetzt hat der Sachwalter die Grazer Anwältin Karin Prutsch eingeschaltet. Sie soll beim Patientenentschädigungsfond über eine Entschädigung verhandeln. Windisch: „Herr Z. trägt derzeit seine Kosten selber, am Tag 165 Euro. Aber bald werden seine Ersparnisse aufgebraucht sein.“

Karin Prutsch ist überzeugt, dass dem Betroffenen eine Entschädigung zusteht. Zwar wisse man noch nicht, ob er durch einen Behandlungsfehler oder durch mangelnde Hygienemaßnahmen infiziert wurde. Klar sei aber, dass es sich bei diesem Keim um einen „krankenhausrelevanten Keim“ handle.

Unbehagen

Dass vor allem nach Operationen Infektionen auftreten, sei nichts Neues, so die Anwältin. Komplikationen, die durch Keime hervorgerufen werden, hätten in den vergangenen drei Jahren stark zugenommen. Dass nun in einem steirischen Spital ein Fall von Pseudomonas 4MRGN aufgetreten sei, bereite ihr Unbehagen.

Bisher sei ihr nur ein derartiger Fall in den USA bekannt gewesen. Dort ist im November 2016 eine Frau daran verstorben, worüber die internationalen Medien berichtet hatten.

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