NiklasdorfBauwirtschaft setzt auf jugendliche Asylwerber

34 Asylwerber, allesamt unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, haben sich in Niklasdorf auf eine Berufsausbildung im Baugewerbe vorbereitet. Einer Lehre steht nichts mehr im Wege - außer ihr noch fehlender positiver Asylbescheid.

Landesinnungsmeister Alexander Pongratz, Josef Missethon (Institut für Talenteentwicklung), Josef Pein (Fachverband Bauindustrie, v.l.) © Johanna Birnbaum
 

Mit großer Genauigkeit und Ernsthaftigkeit wird von Jugendlichen Sand auf den Betonboden der Werkshalle auf dem Gelände der Firma Hinteregger in Niklasdorf geschaufelt, ein Ziegelstein draufgelegt und mittels Wasserwaage kontrolliert, ob alles in der Waage ist. Immer wieder wiederholt sich dieser Vorgang, stets kontrolliert von Ausbildnern der Bau-Akademie.

Das Institut für Talenteentwicklung hat in Niklasdorf mit Unterstützung und in Zusammenarbeit mit der Bauwirtschaft ein Integrationsprojekt am Laufen, das österreichweit einzigartig ist. Ein Jahr lang wurden 34 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge darauf vorbereitet, in Österreich eine Lehre in der Bauwirtschaft machen zu können. „Dabei war natürlich wichtig, dass alle gut Deutsch lernen. Bis Juni werden unsere jungen Männer alle mindestens das Zertifikat A2 in der Tasche haben. Das heißt, dass sie an Gesprächen zu alltäglichen Themen teilnehmen können. Außerdem haben wir gesehen, dass auch Mathematik und Wertevermittlung wichtig sind“, so Projektleiter Josef Missethon.

„Ich möchte einen Beruf beim Bau lernen. Ich habe schon das Deutschzertifikat B2 gemacht (mühelose und fehlerfreie Konversation, Anm. d. Red.)“, erzählt der 17-jährige Ehsan Mohammadi, der gemeinsam mit seinem Altergenossen Shamsullah Rahimi Ziegel auf Sand setzt. Beide kommen aus Afghanistan und möchten auf jeden Fall hierbleiben. „Leider haben erst drei unserer Jugendlichen eine Anhörung gehabt, die anderen warten noch darauf. Dabei ist es so wichtig, dass sie Asyl bekommen, weil sie vorher keine Lehre beginnen können“, erklärt Missethon.

Dringender Bedarf

Hier haken auch Bau-Landesinnungsmeister Alexander Pongratz und Josef Pein vom Fachverband der Bauindustrie ein: „Wir brauchen dringend Lehrlinge in der Bauwirtschaft, also Maurer, Schaler und speziell Tiefbauer. Wir bekommen hier in Österreich viel zu wenige Lehrlinge nach, und deshalb setzen wir auf dieses Projekt und auf die Jugendlichen “, erklären die beiden.

Auch volkswirtschaftlich mache das Sinn, erklärte Missethon: „Wenn die jungen Burschen ihre Lehre beginnen, zahlen sie sofort ins Sozialsystem ein. Sie zahlen auch Steuern. Wichtig wäre auch, dass sie die Sicherheit hätten, hierbleiben zu können, wenn sie die Lehre positiv abschließen. Dazu brauchen wir die Politik, um solche Projekte noch erfolgreicher gestalten zu können“, erklärte Missethon, der auch betonte, wie gut die jungen Männer in Niklasdorf aufgenommen wurden. „Es gibt keinerlei Probleme“, sagte er, und das bestätigten auch Bürgermeister Johann Marak und Polizei-Kommandant Manfred Pachatz, die, wie Missethon erklärte, viel zur Integration beitragen würden.

Fit für den Bau

Die Beweggründe: Facharbeitermangel und sinkede Lehrlingszahlen lassen die Bauwirtschaft schon verzweifeln. Auf der anderen Seite stehen junge Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten und gerne eine Lehre absolvieren würden.

Das Pilotprojekt „Fit für den Bau“ in Niklasdorf ist österreichweit einzigartig.

Projekt: 34 ausgesuchte Flüchtlinge zwischen 16 und 17 Jahren werden innerhalb eines Jahres intensiv auf die Lehre und die Berufsschule vorbereitet.

Partner dabei sind die Bauwirtschaft, die Landesinnung Bau, die BAUAkademie und die „Talente für Österreich GmbH“.

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Danke für Ihr Verständnis.

princeofbelair
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Toll

Hört sich nach einem schönen Projekt mit Sinn an, bei dem alle Seiten "gewinnen". Alles Gute und vielleicht findet ist die Initiative ja beispielgebend für andere.

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ROAD1
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3
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Re: Toll

finde ich auch toll, nur bin Ich gespannt wieviel nach 14tgen noch an der Baustelle sind??

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