Junge Frauen suchen das Weite
Sie sind mobiler und besser ausgebildet als die jungen Männer am Land. Junge Frauen wandern immer mehr in die Städte aus. Bezirke wie Murau, Leoben, Judenburg und Bruck/Mur sind besonders betroffen.

Foto © APFrauen sind mobiler und haben eine bessere Ausbildung als junge Männer am Land
Steirischen Bezirken kommen die jungen Frauen abhanden. Sie sind mobiler und flexibler als ihre männlichen Altersgenossen, sie ziehen in die Stadt, wo sie auf Bildung und Karriere setzen können. Ihr Heimatort sieht sie nur noch als Besucherinnen.
Frauenmangel. Orte wie St. Peter ob Judenburg, Amering, Gaishorn am See, Friedberg oder Oberwölz zeichnet eines aus: Junge Frauen zwischen 20 und 30 sind dort um ein Drittel seltener anzutreffen als junge Männer. Auch auf Bezirksebene schlägt der Frauenmangel bereits durch. Die Bezirke Murau, Leoben, Judenburg, Bruck an der Mur und Knittelfeld weisen jeweils etwa zehn Prozent weniger Frauen als Männer im Alter zwischen 20 und 30 auf, weiß Landesstatistiker Martin Mayer.
Die Männer bleiben über. Es herrschen zwar keine Zustände wie in manchen verödenden Gebieten Ostdeutschlands, wo junge Frauen massenhaft die Flucht ergreifen, aber ansatzweise doch, wie Mayer mit Hinweis auf die obersteirischen Bezirke meint. Die jungen Männer bleiben über. Sie finden zwar leichter Arbeit, doch bei der Frauensuche wird es schwer. "Das ist bei uns noch kein Problem, wenngleich es auffällig ist. Frauen ziehen vermehrt weg, weil sie in dieser Gegend kaum Arbeit finden. Die Seitentäler dünnen bevölkerungsmäßig aus. Für die Bauernsöhne wird es tatsächlich immer schwieriger, eine Frau zu finden", weiß Wolfgang Rosenkranz, Bürgermeister von St. Peter ob Judenburg, jener Gemeinde, die den steirischen Minusrekord an jungen Frauen hält: 81 Männer stehen 49 Frauen gegenüber, Minus 40 Prozent. Kein Zufall ist daher, dass in der Landjugend von St. Peter lediglich zwei Frauen auf zwölf Männer treffen. Obmann Franz Sattler zählt noch auf die Mädchen aus den Nachbargemeinden, die den Mangel ausgleichen.
Lehrberufe. Peter Bacher, Bürgermeister der Zirbenlandgemeinde Amering, bedauert, dass es im Umkreis kaum Lehrberufe für Mädchen gibt. "Schlosser und Tischler finden Arbeit, das sind halt die Burschen. Aus dem Ort gehen viel mehr Mädchen als Burschen studieren. Das hat auch damit zu tun, dass die Obersteiermark von der Landesregierung links liegen gelassen wird. Spielberg stirbt und weitere Jobs werden nicht geschaffen", kritisiert Bacher.
Features
Fakten
Steirische Bezirke, denen die meisten jungen Frauen (20 bis 30 Jahre) abhanden kommen:
Murau: minus 11,1 Prozent
Leoben: minus 10,9 Prozent
Judenburg: minus 10,1 Prozent
Bruck/Mur: minus 9,6 Prozent.
















