Bei so viel Wasser stehen die Generatoren still
Vor einer Woche blickten viele gebannt auf die Pegelstände der Flüsse. Was viele nicht wissen: Der "Verbund" hat die Wassermenge gezielt reguliert und so den Abfluss gesteuert.

Foto © PototschnigAm Samstag flossen durch das Wehr Pernegg 740 Kubikmeter pro Sekunde, zwei Tage später waren es immer noch 380 Kubikmeter
Wasser wie vor einer Woche sollte eine Freude für die Kraftwerksbetreiber sein - je mehr Wasser, desto mehr Strom. Aber das ist keineswegs so, wie Reinhard Waschl sagt: "Wir hatten alle Wasserkraftwerke an Mur und Enns abgeschaltet. Es ging nur darum, den Durchfluss der Wassermassen so zu regulieren, dass das Schlimmste verhindert wird."
Waschl ist Leiter der "Werksgruppe Steiermark", in der alle 41 steirischen Verbund-Wasserkraftwerke vereinigt sind. 18 davon liegen an der Mur, wo enorme Wassermassen zu bewältigen waren: Am Kraftwerk Pernegg südlich von Bruck etwa führt die Mur zu normalen Zeiten 150 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, am Samstag waren es 740 Kubikmeter - das Fünffache.
Dazu macht man aber nicht einfach die Schleusen auf und lässt das Wasser durchschießen, sondern es ist eine Menge an Kommunikation und Rechenleistung nötig. Dies passiert für alle Verbund-Wasserkraftwerke in Pernegg, dort laufen die Fäden zusammen.
"Als wir am Freitag erfuhren, was auf uns zukommt, haben wir alle verfügbaren Mitarbeiter kontaktiert, auch jene, die auf Urlaub, aber nicht verreist sind", erzählt Waschl. Für die bevorstehenden Unwetter musste man alle Kraftwerke besetzen, um bei Verklausungen oder technischen Pannen sofort eingreifen zu können. 70 Verbund-Mitarbeiter wurden auf die Kraftwerke verteilt und senkten die Pegelstände der Stauräume schon im Vorhinein so weit wie möglich ab, um Rückhaltebecken für den Ernstfall zu haben.
Zentimeterarbeit
Waschl: "Dadurch haben wir etwa an der Sperre Sölk am Samstag 1,2 Millionen Kubikmeter Wasser zurückhalten können, das ließen wir später kontrolliert abfließen. Wer weiß, was sonst in Stein an der Enns und weiteren Gemeinden passiert wäre."
Aber überall hat man keine ausgedehnten Staubecken zur Verfügung. Zum Beispiel beim Kraftwerk Weinzödl nördlich von Graz: Dort stieg das Wasser am Samstag immer stärker an, und um 17.30 Uhr meldete der Katastrophenschutz "Gefahr in Verzug". Es kam der dringende Wunsch an den "Verbund", doch mehr Wasser abfließen zu lassen. "Aber wir wussten: Wir dürfen den Wasserstand in Graz-Keplerbrücke höchstens um 30 Zentimeter erhöhen", sagt Waschl. Also öffneten die Verbund-Leute die Schleusen in Weinzödl Zentimeter nur um Zentimeter, immer mit Blick auf Graz.
So war es an der gesamten Kraftwerkskette entlang der Mur, daneben waren die Greifer im Dauereinsatz, um die Massen an Treibholz und alles andere, was so dahergeschwommen kam, herauszuholen. Danach wurden die Kraftwerke eins nach dem anderen wieder ans Netz geführt.
"Es war ein Ereignis, wie es nur alle zwanzig Jahre kommt, aber wir haben es sehr gut bewältigt", sagt Reinhard Waschl, der wie seine Mitarbeiter seit Samstag nur sehr wenig zum Schlafen gekommen ist. Was ihn besonders freut: Dass sich das gesamte Team, aber auch die Anlagen im "Ernstfall" bewährt haben.














