"Kann mir Arbeitsplatz kaum noch leisten"
14.000 steirische Pendler stöhnen unter den hohen Treibstoffpreisen, viele verlieren heuer die Landesbeihilfe. So auch die weststeirische Kindergärtnerin Andrea Kopp.

Foto © EderAndrea Kopp aus Edelschrott weiß nicht, ob sie sich das Pendeln in Zukunft noch länger leisten
Spritpreise auf Rekordhöhe, das Aus für die Landesbeihilfe, steigende Öffi-Tarife und der drohende Preisschub in Grazer Parkzonen. 2011 ist nicht das Jahr der Tausenden steirischen Pendler - das ist sicher (siehe auch nebenstehende Berichte).
Eine, die darunter leidet, ist die Weststeirerin Andrea Kopp. Die begeisterte Kindergärtnerin pendelt täglich 75 Kilometer von ihrem Wohnort nahe Edelschrott (Bezirk Voitsberg) nach Graz und retour. Nicht genug, dass sie heuer, wie sie sagt, im Vergleich zu 2010 rund zehn Euro mehr die Woche für Treibstoff ausgibt. Kopp rechnete mit der Landespendlerbeihilfe, die in ihrem Fall 265 Euro im Jahr ausgemacht hätte. Das Ansuchen kann sich die Pendlerin jetzt aber schenken: Nicht nur heuer, sondern auch rückwirkend für 2010 fällt diese Unterstützung dem Rotstift im Land zum Opfer.
Soll sie das Auto verkaufen? Die öffentlichen Verkehrsmittel sind für Kopp keine Alternative. Mit dem Regionalbus, der S-Bahn nach und mit dem Bus durch Graz: Je nach Uhrzeit würde Kopp zwischen zwei und drei Stunden zu ihrem Arbeitsplatz benötigen. Der Heimweg ist nicht kürzer. Billiger? Derzeit fallen 997 Euro für eine Jahreskarte an - und ab 1. Juli sind es schon 1046 (plus 49 Euro; Strecke von Edelschrott nach Graz).
Die Steirerin ist also eine von vielen, denen am Ende des Geldes noch viel vom Monat übrig bleibt. Bei einem Einkommen von 950 Euro netto sind steigende Preise und der Wegfall von Förderungen Gift für die Geldbörse. "Ich kann mir meinen Arbeitsplatz kaum mehr leisten. Ohne die Hilfe meines Freundes würde es sich nicht ausgehen", seufzt die junge Frau. Dabei habe sie ihren Traumjob gefunden: nicht im Bezirk, aber in Graz, und sie ist dafür bereit, täglich zwei Stunden im Auto zu sitzen. Dass in Graz derzeit Überlegungen über höhere Parktarife angestellt werden, daran will die Pendlerin gar nicht denken.
Alarmglocken
Bei Franz Gosch von der Pendlerinitiative läuten längst die Alarmglocken. Kein Wunder: Wenn, wie schon einmal, die Pauschalkarten in der Grünen Zone (Stadtrand) preislich an die Öffi-Tarife in Graz angepasst werden, leiden erst recht die Pendler. Zur Erinnerung: Mit 1. Juli steigen die Kartenpreise im Verkehrsverbund um durchschnittlich 3,1 Prozent. Sehnsüchtig blickt der Arbeiterkammer-Vizepräsident (FCG) ins "rote Salzburg". Dort erhalten die Pendler nun "rückwirkend um 40 Euro mehr Beihilfe." Ergo fordert Gosch - und mit ihm der ÖGB - , die Pendlerbeihilfe in der Steiermark nicht zu streichen.







