Wo der Mensch nur eine Nummer war
Leibnitz-Wagna-Aflenz war ein Außenlager des KZ Mauthausen, mehr als 3000 Menschen waren hier inhaftiert. Führungen erinnern an ihr Schicksal.

Foto © HOFFMANNFranz Trampusch zeigt Lagerbilder aus Mauthausen ...
Ein Hauch von Kälte packt einen, wenn Zeitzeuge Franz Trampusch in der Stollenanlage in Wagna von den Gräueln der NS-Zeit erzählt. Er war noch ein Kind, als das Außenlager Leibnitz-Wagna-Aflenz im Februar 1944 direkt neben dem Haus seiner Eltern aufgemacht wurde. Heute ist er einer von insgesamt 27 zertifizierten Mauthausen-Guides, die Kinder und Jugendliche durch die regionale KZ-Gedenkstätte führen.
Die KZ-Außenlager
Das Mauthausen-Komitee Österreich (MKÖ) geht bundesweit von etwa 50 Außenlagern des KZ Mauthausen aus. Acht davon sind in der Steiermark bekannt: Bretstein, Eisenerz, Leibnitz-Wagna-Aflenz, Peggau, St. Lambrecht (Männer und Frauen), Schloss Lannach und Schloss Lind.
Das MKÖ hat im vergangenen Jahr 27 Personen für 25 Außenlager als Mauthausen-Guides zertifiziert. Neun davon sind auf sechs steirische Außenlager verteilt (Eisenerz und Lannach sind nicht im Programm). Ziel ist, dass sich Jugendgruppen bei den Besichtigungen nicht nur auf die KZ-Gedenkstätte Mauthausen konzentrieren, sondern auch regional verteilen. Durch die geografische Nähe gibt es für Jugendliche viel mehr an regionalen Bezügen zu erfahren.
Die Guides führen seit September 2011 Begleitungen durch. Sie achten darauf, dass die Sichtbarkeit von Relikten gegeben ist, und leiten durch verschiedene Außenlager. Informationen: www.mkoe.at
"Junge Leute hinterfragen viel mehr, den älteren ist es oft immer noch unangenehm, über die Kriegszeit zu reden", widerlegt Trampusch das Klischee der desinteressierten Jugend. Mehr als 3000 Menschen waren im KZ-Außenlager inhaftiert, bis es im April 1945 geschlossen wurde. Sie wurden zuerst zum Ausbruch des Steinbruchs und für den Stollenbau eingesetzt. Insgesamt 400.000 Kubikmeter Stein wurden von den Häftlingen in den Stollen abgetragen - 97 Prozent davon händisch. Nach dem Aufbau der Produktionsanlagen leisteten sie Zwangsarbeit zur Herstellung von Flugzeug- und Lkw-Teilen für Werke wie die Steyr-Daimler-Puch AG.
Nummer statt Name
"Um höhere Überlebenschancen zu haben, mussten die Häftlinge ihre Namen vergessen und die ihnen zugeordnete KZ-Nummer verinnerlichen", weiß Mauthausen-Guide Peter Stradner. In den letzten Jahren entdeckte man in den Stollen von Wagna versteckte Inschriften der Häftlinge. "Damit kämpften sie wohl gegen das Vergessen ihres Namens an", findet Stradner eine plausible Erklärung. Die Menschen wurden nach Farben kategorisiert: "Gelb stand für die Juden, Rosa für Homosexuelle. Es gab eine strenge Hierarchie", erinnert sich Trampusch zurück.
Heute leitet er mit zwei Kollegen Rundgänge, die neben der Stollenanlage auch die Überreste des ehemaligen Wächterhauses oder den Lüftungsbunker im Wald umfassen: "Es geht uns um die Vermittlung des Systems Mauthausen. Dieses Regime kann man kaum sachlich erklären." Trampusch geht es vor allem um Toleranz und Verständnis: "Wir müssen Feindbilder abbauen. Und das versuche ich, bei den Führungen zu vermitteln."
Features
FAKTEN
Die Führungen durch das KZ- Außenlager Leibnitz-Wagna-Aflenz durch zertifizierte Mauthausen-Guides sind derzeit noch kostenlos. Eine normale Führung kostet in der Gruppe vier Euro pro Person. Sie kann individuell vereinbart werden.
Dauer: zwischen 90 Minuten und einem halben Tag.
Anmeldungen: Tel. (0 34 52) 82 582-0, 0 664/39 50 784, gemeinde@wagna.at oder franz.trampusch@aon.at
Foto

Bild vergrößernIm Stollen des KZ-Außenlagers Leibnitz-Wagna-Aflenz wurden die Häftlinge zur Zwangsarbeit genötigt Foto © HOFFMANN









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