Steirische Denkmäler erinnern "63 Jahre danach" an die NS-Zeit
Künstler Jochen Gerz stellte an 20 steirischen Standorten Fotos und Texte zu Nazi-Regime und zum Zweitem Weltkrieg auf. Das sichtbare Ergebnis wird jetzt der Öffentlichkeit präsentiert.
In acht steirischen Gemeinden und an zwölf Standorten in Graz werden von Donnerstag bis Samstag die Gedenkzeichen des deutschen Künstlers Jochen Gerz zur NS-Zeit enthüllt. Begonnen wurde mit dem Projekt bereits 2008 - daher auch der Name "63 Jahre danach", also nach Kriegsende 1945. Neben der Auseinandersetzung mit der Kriegsvergangenheit will der Künstler einen Bezug zur Gegenwart schaffen, so die Pressereferentin des Instituts für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark, Alexandra Riewe.
Der erste Teil des Projekts wurde bereits im Dezember 2008 fertiggestellt: Dazu wurden die Worte "Ich Sigfried Uiberreither Landeshauptmann" in den Bogen des Grazer Burgtores eingraviert. Dies bezieht sich auf den Gauleiter der Steiermark in der Nazi-Zeit, der in der Burg residierte, dem heutigen Sitz der Landesregierung. Der zweite Teil sind Denkmäler an 20 steirischen Standorten - zwölf davon in Graz. Diese ähneln einer riesigen, aufgestellten Zeitung: Ein Foto aus der NS-Zeit wird durch den Kommentar eines Landtagsabgeordneten ergänzt. Die Standorte, die Fotos und die Landtagsabgeordneten wurden in einem mehrere Monate dauernden Prozess von den Lesern der Kleinen Zeitung gewählt. "Jochen Gerz lässt Kunstwerke durch einen demokratischen Prozess entstehen", erläuterte Riewe.
Kommentare verschiedener Politiker
Der jeweils zum Foto passende Kommentar verschiedener Politiker solle versuchen, die Situation von damals auf heute zu übertragen, so Riewe weiter. "Es werden dabei Themenfelder aus dem NS-Alltag, wie Flüchtlingslager, die Hitler-Jugend, Mitläufer usw., aufgegriffen und prägnant auf den Punkt gebracht." Dabei solle ein Bezug zur Gegenwart hergestellt werden; der Krieg selbst werde dagegen nicht thematisiert. Die Denkmäler, die im Auftrag des Landtags Steiermark und der Steiermärkischen Landesregierung entstanden sind, sollen auf unbegrenzte Zeit an die NS-Zeit erinnern.
Neben der Inschrift im Burgtor sind die teilweise bereits aufgestellten, aber noch verhüllten Platten in Graz in der Burg, am Eisernen Tor, am Geidorfplatz, am Hauptbahnhof, am Karmeliterplatz, in der Synagoge, am Tummelplatz, in der Wirtschaftskammer, am Freiheitsplatz, in der Herrengasse und am Bischofsplatz zu sehen. Steiermarkweit stößt man in den Gemeinden Leoben, Köflach, Gleisdorf, Wagna, Feldbach, Eisbach-Rein, St. Ilgen und in Selzthal auf die Gedenktafeln.
Features
Fakten
Vom 11. bis 13. März werden insgesamt 20 dem öffentlichen Votum folgende Bild/Text-Objekte in acht steirischen Gemeinden und an 12 Standorten in Graz öffentlich präsentiert. Vor Ort finden Dialoge mit dem Künstler und VertreterInnen der verschiedenen Öffentlichkeiten statt.









