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Zuletzt aktualisiert: 02.02.2010 um 20:43 UhrKommentare

Joanneum: Neue Strukturen brachten keine Einsparungen

Das steirische Landesmuseum Joanneum wurde als eigene Gesellschaft nicht effektiver. Meint der Rechnungshof.

Landesmuseum Joanneum auf dem Prüfstand

Foto © ScheriauLandesmuseum Joanneum auf dem Prüfstand

Rund 140 Seiten ist er stark, der Rechnungshofbericht zum Landesmuseum Joanneum, neuerdings Universalmuseum Joanneum genannt. Und er hat es in sich, wenngleich es nicht der eine große Skandal ist, der Aufsehen erregt, eher viele Details.

Die Ausgliederung war 2002 endgültig. Politisches Ziel waren mehr Autonomie in Hinblick auf die Stärkung des Kulturbetriebs, wodurch auch Verwaltungskosten eingespart werden sollten. Seit 2003 ist die Stadt Graz mit 15 Prozent an der Gesellschaft beteiligt. Mit neuen Akzenten in Graz (Kunsthaus, Büro der Erinnerungen, Skulpturenpark, Bruseum etc.), Wagna (Flavia Solva), Stainz (Jagdmuseum) wurde seither sukzessive das Angebot erweitert.

2008 wurden die Zuschüsse erhöht. Laut Rechnungshof besteht nun gar kein finanzieller Anreiz mehr, die Personalkosten zu reduzieren, allfällige Rückzahlungen an das Land sind nicht vorgesehen. Als Folge davon wurden die Verwaltungskosten - ein Großteil davon sind Personalkosten - nicht gesenkt, sondern sie stiegen: der Personalaufwand wuchs von 2003 bis 2008 von 9,5 auf 14,2 Millionen Euro. Dem RH fiel auf, dass relativ viele leitende Mitarbeiter Nebenbeschäftigungen ausüben, aber keine Prüfung erfolgt, ob dies mit der Hauptbeschäftigung vereinbar ist. Die Geschäftsführung ihrerseits verabsäumte es, strategische Vorgaben für die Zusammenarbeit der Departments zu machen und Einsparpotenziale zu heben.

Dem RH fehlen strategische Personalplanung und Dienstpostenplan. Empfohlen wird, nicht das Personal dem Programm anzupassen, sondern umgekehrt. Die Löhne der ausgegliederten Gesellschaft seien zu Beginn niedriger gewesen, glichen sich aber rasch dem Landes-Schema an, was nicht Sinn der Ausgliederung sei. Arbeiter würden ohne Begründung wie Angestellte behandelt. Kritisiert wird auch, dass die Verträge von wissenschaftlichem (Wolfgang Muchitsch) und künstlerischem Leiter (Peter Pakesch) automatisch verlängert wurden, weil das Land es verabsäumte, ihre Verträge zu kündigen und so der Pflicht zur Neuausschreibung nach fünf Jahren nicht nachkommen konnte. Auch gebe es zwar eine interne Revision, die von ihr aufgezeigten Mängel würden aber selten behoben.

Aufgefallen ist dem RH die hohe Anzahl an Mobil- und Festnetzanschlüssen - 700 Anschlüsse für 473 Mitarbeiter - sowie hohe Telefongebühren bei einzelnen Mitarbeitern. Die Telefonkosten insgesamt nahmen allerdings ab.

Alles in allem erhielt die Joanneum-GesmbH von 2003 bis 2008 Zuschüsse von 135 Millionen Euro, davon 124 Millionen vom Land. Der Rechnungshof bemängelt Übersicht und Kontrolle. Der Gesamtbetrag sei weder Geschäftsführung noch Aufsichtsrat, Generalversammlung oder Regierungsmitgliedern je zur Kenntnis gebracht worden.

CLAUDIA GIGLER

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