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Zuletzt aktualisiert: 14.01.2009 um 18:44 UhrKommentare

Ein Heizwerk erhitzt die Gemüter

In Tillmitsch ist Feuer am Dach. Der geplante Bau einer Biomasse-Heizanlage mitten im Dorfgebiet sorgt für heftige Anrainer-Proteste. Private Investoren und Gemeinde verteidigen den Standort.

Bürgerversammlung für geplante Biomasse Tillmitsch.

Foto © Robert LenhardBürgerversammlung für geplante Biomasse Tillmitsch.

Bis im geplanten Biomasse-Heizwerk Tillmitsch die ersten Hackschnitzel verheizt werden, ist es noch ein langer Weg. Die Stimmung heizt das umstrittene Nahwärme-Projekt aber schon jetzt ordentlich auf. Wobei sich der Widerstand der Bevölkerung nicht gegen die Anlage selbst, sondern gegen den Standort richtet. Geht es nach der privaten Errichter- und Betreibergesellschaft, soll das Heizwerk mit einer Kapazität von maximal 900 Kilowatt nämlich in zentraler Dorflage entstehen.

Proteste. Davon wollen etliche Bewohner allerdings nichts wissen. Bereits der ursprünglich vorgesehene Standort musste nach heftigen Anrainer-Protesten verworfen werden. Aber auch die nun angestrebte Alternative ist heftig umstritten. Das wurde bei einer Bürgerversammlung Dienstagabend deutlich. Nach zahlreichen Beschwerden bei der Umweltanwaltschaft reagierte die Raumordnungsbehörde des Landes und lud Sachverständige sowie Bürger zu einer umfangreichen Info-Veranstaltung.

Umwidmung notwendig. Im Mittelpunkt stand dabei die Raumordnung. Voraussetzung für eine Realisierung des Heizwerks ist nämlich, dass das vorgesehene Grundstück im Flächenwidmungsplan von Freiland auf "Sondernutzung Energieerzeugung" umgewidmet wird. Das Anhörungsverfahren wurde bereits vor Weihnachten abgeschlossen. Das zusätzlich notwendige Auflageverfahren wird demnächst eingeleitet.

Geringfügige Änderung. Geht es nach der zuständigen Landesbehörde, handelt es sich nur um eine geringfügige Änderung. "Aus raumplanerischer Sicht ist der Standort positiv zu bewerten", signalisierte der Vertreter der Raumordnungs-Abteilung Zustimmung. Keine unzumutbaren Belastungen durch das Heizwerk ortete auch der Lärm-Sachverständige: "Die Grenzwerte an den Grundstücksgrenzen werden deutlich eingehalten."

Raus aus dem Dorf. Den erschienenen Anrainern waren diese Beteuerungen zu wenig. Sie fürchten ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, Lärmbelästigung durch Anlieferung und Betrieb, eine Wertminderung ihrer Grundstücke sowie eine spätere Erweiterung des Heizwerks. "Es ist moralisch nicht vertretbar, so eine Anlage mitten im Dorf zu errichten", machte Nachbar Josef Schmid gemeinsam mit seinen Mietern gegen das Projekt Stimmung. "Tillmitsch ist groß genug. Es gibt Standorte, wo diese Anlage niemanden stören würde", sprach Anrainer Franz Ehgartner vielen aus der Seele.

Betreibergesellschaft. Anders sieht das die Betreibergesellschaft rund um Planer Erwin Schirnik und Grundstücksbesitzer Alois Haselbacher: "Wirtschaftlich betrachtet ist das der beste Standort. Das Trassennetz muss möglichst kurz sein." Den Unmut der Anrainer kann Schirnik nicht nachvollziehen. Zumal man ihnen durch die Selbstbeschränkung auf nur einen Anliefertag pro Woche sehr entgegen komme.

Erhebung. Laut einer ersten Erhebung wären 51 Privathaushalte bereit, einen Liefervertrag zu unterschreiben. Größter Abnehmer wäre die Gemeinde, die ihre Objekte von teurer Strom-Heizung auf Biomasse umstellen will. "Allein deshalb muss die Anlage zentral liegen", plädierte Vizebürgermeister Jürgen Ressel für den Bau. Die gesetzlichen Vorgaben müssten ohnehin eingehalten werden.

ROBERT LENHARD

Kommentar

Robert LenhardFrage des Pr... von Robert Lenhard

Heißes Projekt

In zentraler Dorflage, unweit des Wirtschaftshofes, wollen private Investoren um rund 900.000 Euro ein Biomasse-Heizwerk errichten und betreiben.

Die Kapazität der Hackschnitzelheizung liegt in der ersten Ausbaustufe bei 450 bis 600 Kilowatt, später bei maximal 900.

Größter Abnehmer mit 380 Kilowatt wäre die Gemeinde Tillmitsch.

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