Truppenbesuch zum Nationalfeiertag
Eine steirische Delegation besuchte die 358 österreichischen Soldaten in Bosnien und Herzegowina. Der Nationalfeiertag wurde vorgefeiert.
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Nur eine knappe Stunde Flug trennt Graz von Sarajevo, der Hauptstadt der Föderation Bosnien und Herzegovina. Einer jungen Föderation, die noch immer an den Folgen des blutigen Jugoslawienkrieges leidet. Zehntausende Minen sind noch immer nicht geborgen, fordern jährlich Todesopfer. Die Arbeitslosigkeit des 4,2 Millionen Einwohner zählenden Staates liegt bei mehr als 40 Prozent. Im Durchschnitt. "In manchen Landesteilen liegt sie sogar bei 90 Prozent", erzählt Oberstleutnant des Generalstabsdienstes Franz Sitzwohl, Kommandant des österreichischen Kontingents der EU-Truppe EUFOR Althea. 26 Nationen stellen die insgesamt 1600 Soldaten. Das Kommando hat auch hier ein Österreicher: Generalmajor Bernhard Bair.
Langsam öffnet sich die schmale Tür der Transportmaschine Typ Herkules. Man sitzt bequem, kann die Beine gut ausstrecken. Mitten im Frachtraum sozusagen. Es ist heiß. Das soll beim Rückflug anders werden. Da ist es kalt. Sehr kalt. Zwischenstopp auf dem Weg in den Kosovo. Und Endstation für eine Delegation, die gemeinsam mit den österreichischen Soldaten von Camp Butmir, dem Zentrum der EU-Truppen EUFOR Althea, den Nationalfeiertag vorfeiern wird. Heinrich Winkelmayer, Stabschef des Streitkräfteführungskommandos, ist mit dabei, die beiden Wehrsprecher Peter Rieser (ÖVP) und Werner Breithuber (SPÖ), und ein Team der Antenne Steiermark, allen voran Rudi Kuzmicki, Martin Moser und DJ Martin Dietrich.
Franz Sitzwohl erzählt die Geschichte der Region, die Konflikte, die auch jetzt noch das Zusammenleben hier erschweren. "Während des Krieges haben mehr als zwei Millionen Menschen ihre Heimat verlassen. Sie sind nicht wieder zurückgekommen", berichtet er. Und auch, dass 135.000 davon in Österreich ihr Leben aufgebaut haben. Sie sind für ihre Familienangehörige, die dort geblieben sind, wichtig. "Das Durchschnittseinkommen beträgt 200, 300 Euro. Davon kann man nicht leben, weil die Lebenserhaltungskosten sehr hoch sind", so Sitzwohl. Außerdem sind die verschiedenen Volksgruppen auch nicht leicht Hand zu haben. Muslimische Bosniaken, Serben und Kroaten. Nach wie vor Stoff für Konflikte. "Wir versuchen, immer präsent zu sein. Wir trainieren verschiedene Szenarien, um bereit zu sein, wenn wir gebraucht werden", erklärt Friedrich Olböck, Kommandant des multinationalen Bataillons mit 350 Soldaten aus Österreich, Ungarn und der Türkei. "Wir üben aber auch immer wieder die Evakuierung der internationalen Vertreter hier." Und Olböck erzählt von Gedenktag an das Massaker von Srbrenica am 11./12. Juli. "Da waren 50.000 Leute dort in der Stadt. Da ist es wichtig, dass wir präsent sind", ist er überzeugt.
Zugführer Gerald Predl ist seit drei Wochen in Camp Butmir. "Ich komme vom 17. Jägerbataillon in Straß. Es ist für uns wichtig, ständig im Training zu sein. Wir trainieren wirklich jede erdenkliche Situation", erklärt er. Sein Kollege, Stabswachtmeister Manfred Semlitsch, nickt und erklärt die Vorzüge eines Nachtsichtgerätes. Sechs Monate wird es hier bleiben. Vorerst. Ebenso wie Hauptmann Martin Matscheko aus Kapfenberg in der Obersteiermark. Während er sich mit Kollegen bespricht, richtet sich Zugführer Jürgen Jakob, ein Miliz-Soldat aus Niederösterreich, seine Spezialausrüstung. Er ist vom Entminungsteam, arbeitet im zivilen Leben bei einem Unternehmen zum Entschärfen von Spezialmunition. Eine kurze Wegstrecke davon entfernt, ist Oberstleutnant Bernd Schweiger von der Flugstaffel Aigen im Ennstal damit beschäftigt, seine Alouette, übrigens der einzige Rettungshubschrauber, der in Bosnien und Herzegowina im Einsatz ist, abflugfertig zu machen.
Nationalfeiertagsfeier
Im großen Saal der Millennium Bar in Camp Butmir hält Franz Sitzwohl die Festansprache. Rot-weiß-rote Fähnchen sind an der Decke angebracht, zwei Uniformierte eines Grazer Traditionsverbandes und zwei Soldaten in Lederhosen kredenzen Steirisches, nicht nur für die Ehrengäste. Und diese sind zahlreich gekommen. Der hohe Repräsentant der EU, Valentin Inzko, Österreichs Botschafter Donatus Köck, Militärattaché Brigadier Andreas Rotter und viele Offiziere ausländischer Kontingente sind hier, stehen stramm, als die österreichische Bundeshymne gespielt wird. "Österreich hat nach dem zweiten Weltkrieg viel Unterstützung bekommen, von der internationalen Gemeinschaft. Jetzt ist es Bosnien und Herzegowina, dem geholfen werden muss", erklärte er in seiner Ansprache. Und Botschafter Köck attestiert Österreich "hohes Ansehen" in der Region. Österreich tue auch unheimlich viel für die deutsche Sprache in der Region. "Das ist unheimlich wichtig", sagt Köck überzeugt.
Christoph Blasch kommandiert die österreichischen LOT-Einheiten. Das sind Soldaten-Teams, die in Gemeinde wohnen und direkten Kontakt zur Bevölkerung halten. Sie kooperieren mit den örtlichen Behörden und sorgen so für Stabilität. "Wir reden viel mit den Menschen und können so drohende Auseinandersetzungen frühzeitig in Erfahrung bringen. Man bekommt auch einen völlig anderen Eindruck, wenn man so direkt mit allem konfrontiert wird", erzählt Blasch, der in Graz und in St. Georgen ob Murau daheim ist. In der Zwischenzeit hat die Gruppe Avalon und Sängerin Inez die Bühne erobert. In einem Zelt neben der Millennium Bar gibt sich Antenne DJ Martin Dietrich die Ehre. Um Mitternacht ist Zapfenstreich. Pünktlich. Die Soldaten bereiten sich auf ihren Dienst vor. Und die steirische Delegation auf das Kennenlernen von Sarajevo und den anschließenden Rückflug nach Graz. Herkules, fußfrei.










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