Eine Kaserne im Dornröschenschlaf
Drei Jahre nach ihrer Schließung ist die Mickl-Kaserne in Bad Radkersburg noch immer nicht verwertet. Im Herbst soll es einen neuen Anlauf zwischen Bund und Stadt geben.

Foto © Schleich
Fast drei Jahre ist es her, dass das Bundesheer zum Rückzug aus Bad Radkersburg blies. Am 30. September 2008 wurde die Dienstflagge in der Mickl-Kaserne zum letzten Mal eingeholt und die militärische Nutzung offiziell beendet. Die "Mickl-Jäger", wie die Radkersburger Soldaten von der Bevölkerung genannt wurden, sind längst zu ihrem Heimatverband, dem Jägerbataillon 17 in Straß, übersiedelt. Was mit der ehemaligen Mickl-Kaserne geschehen soll, steht aber noch immer in den Sternen. Die ursprünglich angedachte rasche Verwertung ist nämlich gescheitert.
Wie es aussieht, dürfte nun aber wieder Bewegung in die Sache kommen. Am 22. August soll es vor Ort einen Übergabetermin zwischen dem militärischen Immobilienmanagement und der Stadtgemeinde Bad Radkersburg geben. "Ich bin gespannt, was uns dort erwarten wird", meint Bürgermeister Josef Sommer. Tatsache ist nämlich, dass es rechtliche Auffassungsunterschiede über die Besitzverhältnisse gibt.
"Das Grundstück, auf dem die meisten Gebäude stehen, gehört zwar der Stadt. Die Gebäude selbst sind aber im Eigentum der Republik", erklärt Ernst Eichinger von der zuständigen Verwertungsgesellschaft des Bundes (SIVBEG). Angeboten wird der Stadt auch die angrenzende, rund 4000 Quadratmeter große Freifläche, die ebenfalls dem Bund gehört. "Wir wurden erst dieses Frühjahr vom Verteidigungsministerium mit der Verwertung der Liegenschaft beauftragt. Derzeit arbeiten wir an verschiedenen Verwertungsszenarien, die wir der Stadt im Herbst präsentieren wollen", erklärt Eichinger. Von einem Übergabetermin am 22. August weiß er übrigens nichts.
Interessenkonflikt
Ziel der SIVBEG ist es also, mit der Verwertung der Kaserne möglichst viel Geld für das Heeresbudget zu lukrieren. Davon will die Stadtgemeinde aber nichts wissen. Im Gegenteil: Sie überlegt sogar, Mietkostenersatz vom Bund einzuklagen. "Da geht es um monatlich 450 Euro, beginnend mit 1. Jänner 2009 bis jetzt", rechnet Stadtchef Sommer vor. Geld, auf das er aber verzichten könnte, wenn der Bund die Freifläche zum Nulltarif an die Stadt überschreibt. Bezahlen werde man dafür nichts. Schließlich liegt das Grundstück nicht nur in einer Hochwasserzone (Drauchenbach), sondern ist auch mit Abfällen von einer ehemaligen Lederfabrik kontaminiert.
Nichts ausgeben will Sommer auch für das restliche Kasernenareal samt Gebäuden. "Laut meinen Informationen fiel mit Ende der militärischen Nutzung alles an die Stadtgemeinde zurück". Was nach einer etwaigen Einigung mit dem Areal passiert, bleibt offen. "Wenn die Rückgabe vollzogen ist, werden wir uns damit befassen", so Sommer.
Features
FAKTEN
Bad Radkersburg war mit kurzen Unterbrechungen fast 700 Jahre lang Garnisonsstadt.
Die Mickl-Kaserne wurde 1910 erbaut.
Namensgeber war der 1893 in Zelting geborene Generalleutnant Johann Mickl.
Er zeichnete sich als militärischer Führer im Abwehrkampf des südsteirischen Grenzlandes von 1919-1920 aus.
Am 30. September 2008 wurde die militärische Nutzung der Mickl-Kaserne beendet.








Derzeit gibt es hier keine Fotos zu diesem Thema.
