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Zuletzt aktualisiert: 09.01.2010 um 23:24 Uhr

Familientragödie in der Südsteiermark

Mord oder Tötung auf Verlangen? In Strass erschoss ein 85-jähriger Pensionist seine 83-jährige Frau. Danach wollte er Selbstmord begehen. Er überlebte schwer verletzt.

In Strass hat am Samstag ein Mann seine bettlägrige Frau erschossen

Foto © APAIn Strass hat am Samstag ein Mann seine bettlägrige Frau erschossen

Noch wissen die Ermittler der Mordgruppe des Landeskriminalamtes nicht, was genau sich in dem kleinen Einfamilienhaus neben der Hauptstraße in Strass (Bezirk Leibnitz) abgespielt hatte. Faktum ist: Maria S. (83) wurde gestern Vormittag von Sohn und Enkelsohn tot aufgefunden. Die Leiche lag im Arbeitsraum. Gerichtsmediziner Peter Leinzinger stellte bei der Obduktion fest, dass die Frau durch einen Kopfschuss aus kurzer Distanz gestorben war. Die Tote wies aber auch eine Schnittwunde am Hals auf. Diese war aber nicht tödlich gewesen.

Der Gatte der Frau, Wilhelm S. (85), lag bewusstlos im Vorhaus, als Sohn und Enkelsohn gegen zehn Uhr Vormittag das Gebäude betraten. Er liegt jetzt schwer verletzt im Krankenhaus und ist nicht vernehmungsfähig. Wilhelm S. hatte sich in den Kopf geschossen. "Gerade seine Aussage ist für die Klärung des Falles wichtig", betont Mordgruppenchef Anton Kiesl.

Abschiedsbriefe

Für Kiesl und seinen Stellvertreter Peter Neubauer stellt sich nun die Frage: Handelt es sich um Mord und einen Selbstmordversuch, oder wollte das Ehepaar gemeinsam sterben? "Dann hätten wir es mit Tötung auf Verlangen zu tun", so die Kriminalisten.

In der Wohnung fanden sich Abschiedsbriefe, die der als penibel bekannte Pensionist verfasst und unterschrieben hatte. In einem Schreiben behauptet er, dass seine Frau sich die Kehle durchschneiden wollte. Weil sie vor Schmerzen gebrüllt habe, habe er sie erlöst. "Wir sind gemeinsam durchs Leben gegangen - und wollen auch gemeinsam sterben", schreibt der 85-Jährige. In einem anderen Brief gibt er der Polizei und der Bestattung Anweisungen, wie sie sich am Tatort zu verhalten haben. Schließlich beschreibt er auch noch, wie die Wohnung richtig gelüftet werden muss, penibel genau, wie er immer war.

Maria und Wilhelm S. waren seit 63 Jahren verheiratet. Erst im vergangenen Jahr hatten sie die Diamantene Hochzeit gefeiert. Die Frau war krank, sie konnte sich kaum noch bewegen. Die Schmerzen seien immer größer geworden. Auch das hielt der ehemalige Lagerverwalter in einem Abschiedsschreiben fest.

Bei der Tatwaffe handelt es sich um eine Pistole, Kaliber 6,35 Millimeter. Diese Waffe dürfte der Verdächtige legal besessen haben.

HANS BREITEGGER

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